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Neue Untersuchung im Fall Vincenz

Nun lässt auch die Kreditkartenfirma Aduno die Geschäfte des ehemaligen Raiffeisen-Chefs überprüfen.

Profitierte er von Firmenzukäufen? Der ehemalige Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz. (Archivbild)
Profitierte er von Firmenzukäufen? Der ehemalige Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz. (Archivbild)
Ennio Leanza, Keystone

Die Untersuchungen im Umfeld des ehemaligen Raiffeisen-Chefs und heutigen Präsidenten der Helvetia-Versicherungen weiten sich aus. Vor gut zwei Wochen machte die «Sonntags-Zeitung» publik, dass die Finanzmarktaufsicht (Finma) ein Enforcement-Verfahren gegen die Bank Raiffeisen eingeleitet hat. Dabei ging es um die Zeit von Pierin Vincenz als CEO der drittgrössten Schweizer Bank. Vor Wochenfrist gab Vincenz bekannt, dass auch gegen ihn persönlich eine solche Untersuchung laufe. Nun bestätigt die Kreditkartengesellschaft Aduno, bei der Vincenz lange Jahre Verwaltungsratspräsident war und bei der die Raiffeisen mit 25,5 Prozent der Anteile grösste Aktionärin ist, dass auch sie die Tätigkeit von Vincenz unter die Lupe nimmt. «Es trifft zu, dass der Verwaltungsrat der Aduno Gruppe eine spezialisierte Zürcher Anwaltskanzlei mit einer unabhängigen, externen Untersuchung gewisser Akquisitionen der Aduno Gruppe beauftragt hat», schreibt Aduno. Bei der Anwaltskanzlei handelt es sich um Baumgartner Mächler. Die Kanzlei ist spezialisiert auf Wirtschaftsstrafrecht.

Dem Vernehmen nach geht es bei der Untersuchung um Firmenzukäufe, namentlich um den Kauf der Firmen Commtrain und Eurokaution.

2009 kaufte die Aduno das Unternehmen Commtrain Card Solutions. Schon damals, und kürzlich wieder auf dem Branchenportal «Inside Paradeplatz», hiess es, Vincenz habe sich bei diesem Deal in einem Interessenkonflikt befunden – konkret soll Vincenz privat mit der Comtrain verbandelt gewesen sein. Insbesondere tauchte immer wieder der Name des Anwalts Eugen Mätzler auf, der damals Verwaltungsratspräsident von Vincenz’ Privatfirma Varaplan war. Gemäss der «Schweiz am Wochenende» liess die Finma schon Abklärungen über den Deal durchführen. Sie mandatierte dazu die Buchprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers, welche die Privatgeschäfte von Vincenz speziell anzuschauen hatte. Gefunden wurde damals offenbar nichts Gravierendes.

Beim zweiten Deal ging es um die Firma Eurokaution. Der lässt sich anhand von Dokumenten recht genau nachzeichnen. Aduno liess sich die Firma 5,6 Millionen Franken kosten. VR-Protokolle und ein Prüfbericht von KPMG, die dem «Tages Anzeiger» vorliegen, bestätigen dies. Das Problem dieses Deals: Die Firma hatte zum Zeitpunkt des Kaufs eine Unterbilanz. Sie benötigte eine Kapitalerhöhung, und es entstand ein Verlust von fünf Millionen Franken. Ob Vincenz persönlich über mehrere Ecken von dem Kauf profitierte, ist nun Gegenstand der Untersuchung. Auch Beat Stocker, langjähriger Chef der Aduno, war in diese Geschäfte involviert. Wie genau, ist unklar. Heute sind die beiden jedenfalls nicht mehr dabei. Vincenz verliess das Aufsichtsgremium von Aduno erst letzten Sommer. Er stellte sich am 12. Juni an der Generalversammlung nicht mehr zur Wiederwahl.

Bei Aduno legt man Wert auf die Unschuldsvermutung und auf die Feststellung, dass die Untersuchung «ergebnisoffen» erfolge. Vincenz will sich nicht im Detail äussern. Er lässt über seinen Sprecher Andreas Hildenbrand Folgendes ausrichten: «Pierin Vincenz ist der Ansicht, potenzielle Interessenskonflikte mit der notwendigen Sorgfalt behandelt zu haben, und hat der Finma seine volle Unterstützung zugesichert.»

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