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Neue Adressendungen im Internet sind in der Schweiz wenig gefragt

Statt .ch oder .com den eigenen Firmennamen als Endung der Internetadresse: Weltweit ist das Interesse trotz hoher Kosten gross. In der Schweiz sehen nur wenige Grossunternehmen einen Nutzen darin.

Neue Adressendungen im Internet sollen den Unternehmen den Weg in die Zukunft weisen: ICANN-Chef Rod Beckstrom hinter einem Rednerpult. (13. Juni 2012)
Neue Adressendungen im Internet sollen den Unternehmen den Weg in die Zukunft weisen: ICANN-Chef Rod Beckstrom hinter einem Rednerpult. (13. Juni 2012)
Keystone

Mit wenigen Buchstaben zu einer grossen Veränderung: Internetadressen werden künftig nicht mehr nur mit den gängigen Top-Level-Domains (TLD) wie .ch oder .com enden, sondern sollen um bis zu 1000 weitere Adressendungen mit maximal 63 Zeichen ergänzt werden. Für Unternehmen und Organisationen bieten die Endungen neues Potenzial für digitales Marketing.

Die drastische Erweiterung der globalen Adressverwalterin Icann ist denn auch global auf grosse Resonanz gestossen. Die Liste der Anmeldungen steht nun fest – mehr als 1900 Bewerbungen sind seit Januar eingegangen. Über die Hälfte der Bewerber stammt aus den USA. Zahlreiche internationale Unternehmen wie Apple, Microsoft, Fiat, Samsung oder Zara interessieren sich für eine neue TLD, und auch Städte wie Amsterdam, Paris oder Tokio haben ihre Bewerbungen eingereicht.

Luxusgüter-Konzerne setzen darauf

Doch in der Schweiz findet die bahnbrechende Neuerung im Internet wenig Anklang. Wie die «Aargauer Zeitung» (online nicht verfügbar) berichtet, hat nur gerade eine Handvoll Grosskonzerne die hohe Bewerbegebühr von 185'000 Dollar aufgewendet. Dabei setzen vor allem Luxusgüter-Konzerne wie Swatch oder Richemont auf eigene Top-Level-Domains als neue Kommunikationsmöglichkeit.

Der Technologiekonzern ABB sieht sich als geradezu prädestiniert für TLD: «Drei Buchstaben am Anfang des Alphabets, das ist sehr einprägsam», wird der Bereichsleiter «Geistiges Eigentum», Beat Weibel, in der «Aargauer Zeitung» zitiert. Das Marketing-Potenzial der Endung .abb wiege die hohen Kosten auf, so Weibel.

Neben den neuen Chancen zur Kommunikation mit potenziellen Kunden spielen bei den Unternehmen aber auch defensive, markenrechtliche Gründe eine entscheidende Rolle: So will etwa ABB die eingängige Endung .abb vor dem Zugriff Dritter schützen. Auch die UBS wünscht sich mit .ubs eine neue TLD, um sie vor möglichen Missbräuchen zu schützen, wie Pressesprecher Andreas Kern gegenüber der Zeitung erläutert. Sich proaktiv eine TLD zu sichern, sei schliesslich günstiger, als sie nachträglich vor Gericht zu erstreiten. Diese Befürchtungen der Schweizer Konzerne bestätigt Domainexperte Dan Trampedach vom Zuger Unternehmen Thomsen Trampedach. «Je kürzer der Name, desto grösser ist die Gefahr, dass es konkurrierende Bewerbungen geben wird.»

Endungen .cs und .coop schon besetzt

Anders als die UBS hat sich die Credit Suisse nicht für eine TLD beworben. Zum einen ist die Endung .cs bereits als Länderdomäne registriert, zum anderen wurde die längere TLD .creditsuisse als zu lang und umständlich erachtet. Auch der Zementkonzern Holcim hat gemäss «Aargauer Zeitung» kein Interesse an einer neuen Endung: Für viel Geld und Aufwand ergebe sich ein zu geringer Nutzen, zumal Holcim mehrheitlich Geschäftskunden habe.

Im Detailhandel wird die neue digitale Chance ebenfalls nicht wahrgenommen. Während bei der Migros ebenfalls auf ein unausgewogenes Verhältnis von Kosten und Nutzen verwiesen wird, kann Coop die naheliegende Endung .coop nicht exklusiv beanspruchen. Diese ist bereits für genossenschaftlich und gemeinnützig organisierte Institutionen reserviert.

«Chance vertan»

Die Schweizer Unternehmen hätten sich mit ihrer ablehnenden Haltung eine Chance vertan, ist Internetexperte Peter Leuzinger von Netnames überzeugt. Bis zu einer neuen Anmelderunde könne es bis zu fünf Jahre dauern – eine lange Zeit im Internet, erklärt er in der «Aargauer Zeitung».

Die neuen Endungen sollen voraussichtlich Anfang 2013 freigeschaltet werden. Nach einer Zulassung muss ein Unternehmen oder eine Organisation mit jährlichen Gebühren von 25'000 Dollar rechnen. Die Betriebskosten werden zudem auf 200'000 Euro pro Jahr geschätzt.

Der Vorschlag für die Öffnung der Adressendungen wurde schon 2005 gemacht.Nach jahrelangen Verhandlungen stimmte die Icann im Juni 2011 für den Beschluss und setzte sich über Befürchtungen hinweg, die neuen Domains könnten das System der Namensgebung im Netz durcheinanderbringen.

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