Netflix weiss besser als Sie, was Sie schauen wollen

Der Streamingdienst Netflix hat alle Nutzerbewertungen entfernt. Algorithmen ermitteln inzwischen die Kundenvorlieben zuverlässiger.

Algorithmen auf Netflix merken sich die Vorlieben und das Verhalten der Nutzer.

Algorithmen auf Netflix merken sich die Vorlieben und das Verhalten der Nutzer. Bild: Keystone

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Eine weitere Ära ist bei Netflix zu Ende gegangen. Am Wochenende hat der Streamingdienst eine Funktion deaktiviert, von der die Nutzer die vergangenen zehn Jahren gerne Gebrauch machten. Die Rede ist von der Möglichkeit, Serien und Filme zu bewerten. Netflix hatte diesen Schritt gegenüber seinen Kunden bereits Mitte Juli angekündigt. Bis Mitte August hat das Unternehmen sämtliche Nutzerbewertungen gelöscht. Diese waren nur auf der Internetseite von Netflix und nicht in den Apps für mobile Endgeräte zu sehen.

Offiziell begründet Netflix die Massnahme damit, dass die Zahl der Kundenbewertungen rückläufig sei. Schon im vergangenen Jahr versuchte die Plattform, Gegensteuer zu geben. Netflix änderte das System mit den fünf Sternen zum binären Modell mit Daumen hoch oder Daumen runter. Viele Nutzer kritisierten daraufhin, dass die Bewertungen dadurch zu wenig nuanciert ausfallen.

4000 Rezensionen zu «Stranger Things»

Populäre Inhalte auf Netflix bewegten die Zuschauer aber durchaus, Rezensionen zu schreiben. Um die 4000 ausformulierte Kritiken gab es alleine zur Serie «Stranger Things», in der es um das Verschwinden eines Jungen und paranormale Phänomene geht. Die Kehrseite der Wertungen waren aber Nutzer, welche Filme und Serien mit orchestrierten Aktionen absichtlich schlecht bewerteten.

Solche sogenannten Internet-Trolle haben Anfang Februar 2017 auch den Online-Händler Amazon dazu gezwungen, die Kommentarfunktionen bei seiner Film- und Fernseh-Datenbank IMDb zu abzuschalten. Die Foren stellten für eine Mehrheit der über 250 Millionen monatlichen Nutzer weltweit «keine positive, nützliche Erfahrung mehr dar», teilte IMDb dazu mit.

Netflix gab gegenüber «Vanity Fair» bekannt, dass Benutzerbewertungen bislang keinen Einfluss darauf gehabt hätten, wie Serien oder Filme vorgeschlagen worden seien. «Eine schlechte Kritik hat nie dazu beigetragen, dass ein Titel anderen Zuschauern empfohlen wurde oder nicht», zitierte das US-Magazin einen nicht namentlich genannten Unternehmensvertreter.

Es gibt inzwischen ausgeklügeltere Methoden, wie Netflix seinen Nutzern neue Filme oder Serien empfiehlt: Algorithmen auf Netflix merken sich die Vorlieben und das Verhalten der Nutzer. Basierend auf diesen Daten erfolgen die Vorschläge. Ein Beispiel dafür ist die Funktion «Weil Sie angesehen haben». Sie bietet den Zuschauern ähnliche Inhalte wie jene Filme oder Serien an, die sie gerade fertig geschaut haben. Streamingdienste sind immer mehr auf solche Algorithmen angewiesen sind, um die Benutzer länger an die Bildschirme zu fesseln. Ein Rückgang von Empfehlungen direkt von Nutzer zu Nutzer ist deshalb absehbar.

Weitere Änderungen in Sicht

Kunden von Netflix müssen sich noch auf weitere Veränderungen bei den Empfehlungen von Inhalten einstellen. Der Service blendet derzeit bei ausgewählten Nutzern zwischen den Episoden einer Serie Vorschauen für weitere Produktionen ein, die Nutzern ebenfalls gefallen könnten. Netflix hat diesen Testversuch gegenüber dem Technologie-Nachrichtenportal «Techcrunch» bestätigt.

Bei den überspringbaren Videos handelt es sich um eine Art Vorschau, die an die Vorlieben der entsprechenden Nutzer angepasst ist – und nur auf weitere Formate auf Netflix hinweist. Trotzdem sprechen im Netz viele Nutzer von «Werbung». (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 20.08.2018, 20:56 Uhr

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