Musk entschuldigt sich für «Pädo»-Tweet

Der Tesla-Chef bezeichnete einen britischen Retter der thailändischen Fussballmannschaft als «Pädo-Typen».

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Er leistet sich auf Twitter Ausbrüche, wie sie sonst nur von US-Präsident Donald Trump bekannt sind: Der Elektroauto-Pionier Elon Musk hat mit einem Tweet am Wochenende Diskussionen über seine Führungskompetenz angefacht. Er bezeichnete einen britischen Taucher, der bei der Rettung der thailändischen Fussballmannschaft aus einer überfluteten Höhle dabei war, als «Pädo-Typen». Zuvor hatte der Taucher das Angebot des Tesla-Chefs für ein Mini-U-Boot zur Rettung als «PR-Stunt» bezeichnet. «Er kann sich sein U-Boot dahin schieben, wo es wehtut», sagte Vernon Unsworth zu CNN.

Musk hat sich mittlerweile dafür entschuldigt. «Sein Verhalten rechtfertigt mein Verhalten nicht, und dafür will ich mich entschuldigen», so der Multimilliardär auf Twitter. «Ich habe meine Worte im Zorn gesprochen, nachdem Herr Unsworth einige Unwahrheiten gesagt und vorgeschlagen hatte, dass ich sexuelle Handlungen mit dem Mini-U-Boot vornehme, das aus Güte und nach den Vorgaben des Tauchteamleiters gebaut worden war», so der Tesla-Chef.

Auch den Tweet mit der beleidigenden Bemerkung hat Musk mittlerweile gelöscht – doch der Imageschaden haftet. Es sei das Markenschädlichste, was Musk bislang getan habe, sagt der Technologie-Analyst Roger Kay. «Das war völlig überflüssig.» Es mache Musk dem von ihm oft kritisierten Trump sehr ähnlich.

Wie ein Held glorifiziert

Nach der Twitter-Tirade des in Südafrika geborenen Unternehmers fiel die Tesla-Aktie um knapp drei Prozent. Tesla ist wegen Produktionsschwierigkeiten beim Model 3 ohnehin schon angeschlagen. Musk stehe derzeit unter hohem Druck, sagt Kay. Er habe in seiner Fabrik übernachtet, um die Produktion anzukurbeln, aber das sei schwierig. Wenn er mit Investoren spreche, müsse er ihnen dennoch versichern, dass ihr Geld gut angelegt sei.

In letzter Zeit ist Musk häufiger mit kontroversen Ansichten aufgefallen. So liefert er sich einen Schlagabtausch mit Journalisten, denen er vorwirft, nur negativ über Tesla zu berichten. Er beschuldigt einen Mitarbeiter der Sabotage bei der Produktion des Model 3. Dieser habe zudem hochsensible Daten an Unbekannte weitergegeben. Der Mitarbeiter selbst bezeichnet sich als «Whistleblower».

In einer Telefonkonferenz mit Finanzanalysten beschwerte sich Musk über die «langweiligen» Fragen, wich aber gleichzeitig Fragen zum massiven Kapitalbedarf von Tesla aus. Sein Verhalten sei für einen Unternehmenschef nicht angemessen, sagt Analyst Bob O’Donnell.

Musk werde als Held glorifiziert – werde diesem Anspruch aber nicht gerecht. «Er liebt die Tatsache, dass über alles, was er sagt, in den Medien berichtet wird», sagt O’Donnell. «Aber wenn man in der Position ist, muss man sich auch wie ein Erwachsener benehmen.»

«Gegen Tesla zu wetten, ist nicht nur verrückt ...»

Beistand bekommt Musk hingegen von einem früheren Kritiker: Der Finanzanalyst Trip Chowdhry findet, dass die Diskussionen über Musk nur zeigten, dass er «menschlich» sei. Das habe aber nichts mit seinen Qualitäten als grosser Visionär zu tun. «Tesla ist allem, was es derzeit gibt, um Generationen voraus», sagt er. Das Unternehmen habe Aufträge im Wert von 14,5 Milliarden Dollar. «Und sie haben Software-Expertise», sagt er. Die Konkurrenz sei hingegen «ahnungslos».

Wie andere wichtige Visionäre habe Musk «null Toleranz», wenn er von seinen Zielen abgelenkt werde. Und auch wenn er bei der Aussendarstellung und Öffentlichkeitsarbeit hinter anderen Unternehmenschefs zurückbleibe, würden die Innovationen von Tesla in fünf bis zehn Jahren doch das Wichtigere sein. «Gegen Tesla zu wetten, ist nicht nur verrückt, sondern auch eine totale Dummheit», sagt Chowdhry.

mch/afp

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