Mit dem Charme eines Triebwerks

Letzten November konnte Martin Inäbnit seine Skywork gerade noch vor dem Untergang retten. Dies ist ihm kein zweites Mal gelungen. Ein Portrait über den Fluggesellschaft-Chef von November 2017.

Er fliegt Flugzeuge und steuert Züge – und führt ein Unternehmen: Martin Inäbnit.

Er fliegt Flugzeuge und steuert Züge – und führt ein Unternehmen: Martin Inäbnit. Bild: ZVG

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Er war sich selber nicht mehr sicher, ob es reichen würde. Ende Oktober 2017 griff Martin Inäbnit zur Ultima Ratio. Er liess den Betrieb von Skywork einstellen. Die Flugzeuge der Berner Fluggesellschaft blieben für drei Tage am Boden. Es ist eine Massnahme, die kein Airline-Chef gerne anordnet. Noch drei Tage hatte Inäbnit da Zeit, um frisches Geld aufzutreiben.

Man arbeite intensiv an einer Lösung, erklärte Inäbnit in den schweren Stunden. «Ich lebe nach dem Zitat von Churchill ‹we shall fight on the beaches›, und ich gebe erst auf, wenn die letzte Chance verronnen ist!» Der studierte Bauingenieur liebt die Dramatik. Gleichzeitig teilt er gerne einmal aus.

Auf dem Höhepunkt der Krise beklagte er sich etwa über die fehlende Unterstützung aus der Region Bern. «Politische, wirtschaftliche und touristische Kreise geben gerne Statements zur Wichtigkeit der Flugverbindungen von und nach Bern ab. Den freundlichen Statements folgten bisher nie Taten», monierte er.

«Er liess mich mehr als eine Stunde warten»

Später bekamen die Journalisten ihr Fett ab. «Betriebsbewilligung versus AOC: Zwei Sachen, die oft verwechselt werden, erstaunlicherweise auch von ‹Experten›», hiess es in einer separaten Medienmitteilung etwa. Das ist typisch für Inäbnit, den Workaholic mit dem Charme eines Triebwerks. Wenn ihn etwas stört, sagt er es unschweizerisch geradeheraus. Nicht immer trifft er dabei den Ton. Der ehemalige Chef einer anderen Fluggesellschaft erzählt: «Wir hatten einen Termin mit ihm. Er liess mich mehr als eine Stunde im Vorzimmer warten. Als wir dann ins sein Büro gebeten wurden, lehrte er uns zuerst eine Viertelstunde, was wir alles falsch machen würden.»

Inäbnit lebt für die Sache, ist detailversessen, analysiert messerscharf, denkt strategisch. Und wenn er das Gegenüber akzeptiert und mag, dann öffnet er sich und wird ein zuhörender, interessanter und amüsanter Gesprächspartner. Es ist wohl all diesen Eigenschaften zu verdanken, dass der 64-Jährige das Unmögliche geschafft hat. Sykwork Airlines fliegt weiter. Und das mit einem Bankkredit, wo sonst überall beklagt wird, wie knauserig Schweizer Banken bei der Vergabe von Darlehen an kleine Unternehmen seien. Dass ein Finanzinstitut Geld an eine Fluggesellschaft vergibt, heisst wirklich etwas.

Er sitzt selbst im Cockpit

Das Fluggeschäft hat Inäbnit von der Pike auf gelernt. Nach Lehre und Ingenieurstudium liess er sich auch noch zum Piloten ausbilden. Er ging zur Crossair und wurde dort am Ende Chefpilot. Bis heute sitzt der Skywork-Chef immer wieder selbst im Cockpit und fliegt Passagiere durch Europa. «So lerne ich den Laden von einer anderen Seite kennen, komme in direkten Kontakt mit den Kunden und sehe, was funktioniert und was nicht», sagte er einmal dazu.

2014 wurde Inäbnit zu Skywork geholt, nachdem seine Vorgänger mit einem wahnwitzigen Expansionskurs mehr als 40 Millionen Franken verbrannt hatten. Zuvor hatte er als Unternehmensberater gearbeitet. Er trat an mit dem Glauben, «dass es gelingen wird, von Bern aus eine kleine Regionalfluggesellschaft erfolgreich zu betreiben». Diesen Tatbeweis ist der gross gewachsene Mann, der in seiner Freizeit E-Gitarre spielt und in abgelegene Weltregionen reist, bisher schuldig geblieben.

Auch Lokführer

Immerhin gibt es Skywork noch. Alle anderen Versuche, eine Airline ab Bern zu betreiben, endeten bisher im Fiasko. Namen wie Air Engiadina / Swisswings / KLM Alps oder Intersky verschwanden wieder. Das will Inäbnit bei Skywork verhindern. Es allein mit dem Standort Belpmoos zu schaffen, daran glaubt er aber selbst nicht mehr. Der Chef denkt über den Aufbau einer zweiten Basis nach, wo Skywork mehr Geld erwirtschaften und so auch den Berner Betrieb stützen kann.

Nicht nur in der Luft fühlt sich Inäbnit wohl. Er fährt auch gerne mit einer Harley über Strassen. Und er besitzt auch die Lokführer-Lizenz. «Einen Zug zu steuern, ist für mich in diesen hektischen Monaten schlichtweg Erholung», sagte er einmal. Er hat einen Vertrag bei ­einer Bahnpersonalagentur und fährt noch immer für verschiedene Anbieter. Aber nur Güterzüge. Bei Personenfahrten nerven ihn die ungestümen und ungeduldigen Menschen. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 01.11.2017, 16:30 Uhr

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