Mit 12 Jahren Firma gegründet, mit 35 grösste Solarfabrik eröffnet

Als Schüler legte Markus Gisler in der Garage seiner Eltern den Grundstein für das Unternehmen Megasol. Am Donnerstag weihte er in Deitingen die grösste Schweizer Solarfabrik ein.

Von der Garage in die Grossfabrik: Megasol-Gründer Markus Gisler im neuen Produktionsbetrieb.

Von der Garage in die Grossfabrik: Megasol-Gründer Markus Gisler im neuen Produktionsbetrieb.

(Bild: Keystone Lukas Lehmann)

Yvonne Debrunner@yvonnedebrunner

Drei junge Männer sitzen an einem Tisch vor einer Schar Medienleute und reden über ihr Geschäft. Keiner von ihnen erweckt den Eindruck, als würde er sich dabei so richtig wohlfühlen. Der Gemeindepräsident, die Regierungsrätin und Nationalrat Roger Nordmann sprechen lauter und länger. Fast geht vergessen, dass die Amts- und Würdenträger nur hier sind, weil Markus Gisler, der in der Mitte des Tisches sitzt, vor 23 Jahren als 12-Jähriger in der elterlichen Garage die Firma Megasol gegründet hat.

Heute ist Gisler 35 Jahre alt. Und gestern weihte er im solothurnischen Deitingen zusammen mit dem gleich alten Finanzchef Terence Hänni und dem 31-jährigen Verkaufs- und Marketingchef Daniel Sägesser die grösste Solarmodulfabrik der Schweiz ein. In der Schweiz gehört man zwar einigermassen schnell zu den grössten, die Zahl der Anbieter ist gering. Der Grossteil der Solarmodule in der Schweiz wird importiert. Allerdings zählt die neue Solarmodulfabrik von Megasol auch europaweit zu den zehn grössten.

Klassischer Beginn in der Garage

Bekanntlich beginnen viele grosse Unternehmergeschichten in Garagen. Die Garage von Markus Gislers Eltern war ziemlich schnell voll mit Prototypen von allerlei Solarinstallationen. Von der Garage aus dehnte sich die Firma Megasol auf das ganze Elternhaus aus. Die ersten Solarmodule machte Gisler, indem er sie mit dem Bügeleisen zusammen­bügelte. Im Alter von 18 Jahren sagte er in einem Porträt einer Lokalzeitung, es sei schwierig, Geld für Investitionen bei Banken oder Investoren aufzutreiben. Damals erwirtschaftete er bereits einen Umsatz von 100'000 Franken pro Jahr.

Heute sind es 30 Millionen Franken. Weitere Zahlen, etwa zum Gewinn, gibt das Unternehmen nicht bekannt. Muss es auch nicht, denn die Aktiengesellschaft befindet sich vollständig in Besitz der Gründer und deren Umfeld. Diese wollen nun auch andere Jungunternehmer fördern. Die Megasol-Gründer haben deshalb in Deitingen einen Cleantech-Businesspark eröffnet, in dem sich Start-ups einmieten können. Erste hätten dies bereits getan, sagt Finanzchef Hänni.

Hänni war der erste Geschäftspartner von Gründer Gisler. Die Geschichte ihres Kennenlernens sagt viel aus über die beiden: Gründer Gisler lief eine Weile lang mit einem Solarrucksack herum, einer Eigenkreation, die später ein Chinese kopierte, wie Hänni sagt. Hänni war ebenfalls an Technik interessiert und sprach Gisler auf seinen Rucksack an. Ihr erstes gemeinsames Projekt war ein solarstrombetriebenes Elektrovelo. Gisler lieferte die Solartechnik, Hänni stellte den Kontakt zum Elektrovelobetreiber her. «Das Geschäftliche interessierte Gisler weniger», sagt Finanzchef Hänni. Der Dritte im Bunde, Marketing- und Verkaufschef Daniel Sägesser, war einer der ersten Mitarbeiter von Megasol. Er meldete sich auf eine Jobannonce.

Solarstrom für Athener Bibliothek

Heute zählt Megasol weltweit rund 200 Mitarbeiter. 80 von ihnen arbeiten am neuen Hauptsitz in Deitingen, rund 120 in einem Werk in China, in dem Standard-Solarmodule hergestellt werden. In der Schweiz stellt Megasol kundenspezifischere Solarmodule her: ganze Fassadenbauteile, in verschiedensten Farben, als Solarpanels zum Teil nicht mehr erkennbar, auf Wunsch auch mit integrierter Isolation.

Konkurrenten gibt es in diesem spezifischen ­Bereich auch international nur wenige. Und jene, die es gebe, stünden noch ziemlich am Anfang, sagt Sägesser. Daher habe Megasol auch schon internationale Projekte gewinnen können. Die neue Staatsbibliothek in Athen vom Stararchitekten Renzo Piano beispielsweise sei mit mehreren Tausend in der Schweiz produzierten Solarmodulen verkleidet worden.

Für fernöstliche Unternehmen sei es sehr schwierig in diesem Markt voller Sonderwünsche, sagt Sägesser. Man brauche eine Kundennähe. Für einige Projekte habe man bis zu 150 verschiedene Solarmodule geliefert. «Einem Chinesen, der im grossen Stil Standardmodule absetzen will, löscht es ab, wenn er so etwas hört», sagt Sägesser. Megasol habe viele Architekten als Kunden, die ins Werk kämen und auch Zwischenschritte abnehmen wollten, bei der Farbgebung beispielsweise. Anpassungen könnten dann direkt vor Ort vorgenommen werden. Das sei mit einer Fernostproduktion nicht möglich. Trotz aller Individualwünsche: Bei Megasol findet keine Einzelstückanfertigung mit hohem Handarbeitsanteil statt. «Um in der Schweiz produzieren zu können, müssen wir einen hohen Automatisierungsgrad haben», sagt Sägesser. Daher brauche man viele Maschinenbauingenieure oder Softwareingenieure.

Derzeit läuft in Deitingen noch einiges von Hand, das in nächster Zeit automatisiert werden wird. Noch sind nicht ganz alle Maschinen installiert. Megasol hatte die Produktionshallen in Deitingen im vergangenen Herbst übernommen. Zuvor war das Unternehmen in der Schweiz auf vier Standorte verteilt gewesen. Die Produktion war in einer kleinen Halle in Langenthal angesiedelt, der Hauptsitz in Wangen an der Aare, die Logistik in Wiedlisbach und das Aussenlager in Zuchwil. Weil die Produktionshalle in Langenthal zu klein wurde, schaute sich das Unternehmen nach neuen Räumlichkeiten um. In Deitingen, in jenen Hallen, in denen ABB bis 2014 noch Turbolader für Schiffsmotoren produzierte, hat Megasol nun alle Aktivitäten aus den bisherigen vier Standorten zusammengelegt.

Nachdem ABB aus den Hallen ausgezogen war, waren diese etwa ein Jahr lang leer gestanden. Entsprechend zeigten sich die lokalen Politikvertreter höchst erfreut über die Neuansiedlung des Industrieunternehmens. Ein Investitionszuschuss sei jedoch nicht geleistet worden, sagte Regierungsrätin Esther Gassler dem «Bund». Steuerlich habe man eine Lösung im üblichen Rahmen gesucht.

Kühnes Angebot an die BKW

Gassler erzählte, wann sie erstmals von Megasol gehört habe: 2011 sei das gewesen, als das Unternehmen der BKW einen kühnen Deal angeboten habe. Die jungen Unternehmer boten an, 16?000 Hausdächer mit Solarpanels auszurüsten. Dann würde das geplante Ersatzatomkraftwerk Mühleberg II überflüssig. Dieses wollte die BKW ursprünglich bauen, um das bisherige Atomkraftwerk zu ersetzen. «Wir wissen, der Deal kam nicht zustande. Aber man sprach von euch», sagte Gassler.

Nationalrat Roger Nordmann zeigte sich überzeugt, dass Megasol Erfolg haben wird. Dass man Solarzellen für die Fassade nun auch in der Farbe massgeschneidert erhalte, sei zwar nur ein ästhetischer Sprung. Aber laut Nordmann ist gerade die Ästhetik im Bau manchmal matchentscheidend. Auf den Dächern sei es nicht so wichtig, wie die Solarzellen aussähen – umso mehr an den Fassaden, sagte Nordmann. Und Solarzellen an den Fassaden seien wichtig für die Energieversorgung. Denn über Mittag, wenn die Sonne hoch stehe, ernte man genug Energie. Am Morgen, am Abend und im Winter aber, wenn die Sonne tief stehe, müsse man ebenfalls genug Strom generieren können.

Der Bund

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