Zum Hauptinhalt springen

Milliardendebakel bei Microsoft

Der führende Softwarekonzern muss im Onlinebereich einen happigen Dämpfer verkraften. Microsoft schreibt sein Werbeunternehmen aQuantive fast vollständig ab. Auch sonst läuft es im Netz nicht rund.

Neben dem Online-Business harzte es in den letzten Jahren auch bei der Lancierung eines Tablets: Microsoft-Chef Steve Ballmer, hier bei der Präsentation des Tablets Surface in Los Angeles. (18. Juni 2012)
Neben dem Online-Business harzte es in den letzten Jahren auch bei der Lancierung eines Tablets: Microsoft-Chef Steve Ballmer, hier bei der Präsentation des Tablets Surface in Los Angeles. (18. Juni 2012)
AFP

Der einst vielversprechende Kauf des Online-Werbespezialisten aQuantive wird für Microsoft zum Milliarden-Desaster: Der Softwareriese schreibt die vor fünf Jahren übernommene Firma aQuantive nun völlig überraschend ab und verbrennt damit mehr als sechs Milliarden Dollar.

Ursprünglich wollte der US-Konzern mit seiner bis dahin grössten Übernahme im Internetsektor seine Online-Dienste stärken und Googles DoubleClick Konkurrenz machen. Nun räumte der weltweite Branchenprimus mit der Abschreibung ein, dass die Firma aQuantive praktisch völlig wertlos ist. AQuantive habe nicht den erhofften Wachstumsschub gebracht, begründete Microsoft sein Vorgehen knapp.

Überschuss prognostiziert

Die Abschreibung frisst wohl den gesamten Gewinn für das vierte Geschäftsquartal per Ende Juni auf. Die Zahlen sollen am 19. Juli veröffentlicht werden. Analysten rechneten zuletzt mit einem Überschuss von mehr als fünf Milliarden Dollar.

Zwar kam die Mitteilung überraschend, doch Investoren nahmen sie vorerst gelassen auf: In Frankfurt gaben Microsoft-Aktien um rund 0,9 Prozent nach. Im ausserbörslichen US-Geschäft sanken sie auf 30,28 Dollar von 30,56 Dollar zum New Yorker Handelsschluss. Experten sagten, bei vielen Investoren sei die Übernahme bereits in Vergessenheit geraten.

Stärker von Online-Werbung profitieren

Eigentlich sollte aQuantive die Online-Werbeinnahmen von Microsoft ankurbeln. Microsoft kaufte das Unternehmen 2007 für 6,3 Milliarden Dollar in bar. Mit Hilfe des Zukaufs wollte der Software-Konzern stärker von den Erlösen aus der Online-Werbung profitieren.

Nur der Skype-Kauf im vergangenen Jahr war mit 8,5 Milliarden Dollar noch teurer und verdeutlicht die Entschlossenheit Microsofts, im Internet-Geschäft aufzuholen. Erfolgreich aber war aQuantive unter dem Dach von Microsoft nie. Die aQuantive-Manager hatten dem Weltkonzern schnell den Rücken gekehrt.

Gewinn weg – Aussichten schlecht

Die Abschreibung dürfte nicht nur den erwarteten Quartalsgewinn vollständig zunichte machen. Auch die Aussichten für die Online- Sparte mit der Suchmaschine Bing und dem MSN-Internetportal sind den Angaben nach alles andere als rosig: Microsoft verkündete, die Sparte werde nicht so stark wachsen und weniger Gewinn machen. Die Aussichten seien «geringer als bislang geschätzt», teilte Microsoft mit, ohne dies genauer auszuführen.

Das Online-Geschäft ist und bleibt das Sorgenkind des Windows-Anbieters. Derzeit fährt Microsoft damit trotz hoher Investitionen pro Quartal Verluste von rund 500 Millionen Dollar ein.

Das Unternehmen investiert massiv in den Bereich, hinkt Marktführer Google aber meilenweit hinterher. Auch nach dem Start der eigenen Suchmaschine Bing im Jahr 2009 hat der Bereich in den vergangenen drei Jahren Fehlbeträge in Höhe von mehr als fünf Milliarden Dollar angesammelt. Zwar ist der Marktanteil von Bing gestiegen, die hauseigene Suchmaschine hat aber bis heute keine kritische Masse erreicht, die das Geschäft profitabel machen würde.

SDA/rub

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch