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Migros plant Einstellungsstopps

In grenznahen Migros-Filialen könnte der Umsatz wegen des starken Frankens um mehr als fünf Prozent zurückgehen. Die SBB verärgern derweil Lieferanten mit «Druckversuchen».

«Enorme Kostenunterschiede beim Personal»: Eine Mitarbeiterin der Migros in einer Zürcher Filiale.
«Enorme Kostenunterschiede beim Personal»: Eine Mitarbeiterin der Migros in einer Zürcher Filiale.

Wegen des starken Frankens leidet die Migros aktuell unter dem Einkaufstourismus und verbilligt ab Montag verschiedene Markenprodukte. Am stärksten betroffen seien die grenznahen Filialen, sagt Migros-Chef Herbert Bolliger.

«Dort rechne ich mit einem Umsatzrückgang von fünf Prozent und mehr», sagte er in einem Interview mit der «Sonntagszeitung». Entlassungen werde es nicht geben. Aber Abgänge in den Läden nahe der Grenze würden wohl nicht mehr besetzt oder die Arbeitseinsätze reduziert.

Bis zu 50 Millionen Franken Währungsverluste

«Die Kostenunterschiede beim Personal sind enorm», begründet Bolliger. So würde eine Kassiererin in Deutschland 1600 Euro im Monat verdienen, während es in der Schweiz knapp 4000 Franken seien. Die Lohnerhöhungen bei der Migros werden unter anderem wegen der negativen Teuerung «tiefer sein als in den vergangenen Jahren».

Auf die Europositionen der Migros rechnet Bolliger mit 40 bis 50 Millionen Franken Währungsverlusten. Als Reaktion auf das Ende des Euro-Mindestkurses hatten Migros, Coop und Lidl bereits angekündigt, die Preise für importierte Frischprodukte zu senken. Ab Montag fallen bei der Migros nun auch die Preise verschiedener Markenprodukte um mindestens zehn Prozent.

Schwierigkeiten sieht Bolliger beim Export von Migros-Eigenprodukten. «Schokolade zum Beispiel besteht aus Schweizer Milch und Schweizer Zucker. Unsere Exportkunden werden kaum bereit sein, plötzlich 20 Prozent mehr zu bezahlen.» Auch der Käseexport und damit der Milchpreis in der Schweiz dürften mit dem starken Franken unter Druck kommen. Zusätzlich drohe eine Milchüberproduktion, weil sich die Konsumenten im Ausland bedienen würden.

SBB verlangen fast sofortige Preisnachlässe

Die SBB haben laut der «Sonntagszeitung» bereits erste Massnahmen ergriffen: Kurz nach Fall der Untergrenze hätten viele von ihren Lieferanten Telefone und E-Mails erhalten, in denen die SBB auf eine Weitergabe von Eurorabatten gedrängt habe. In einem Fall sei sogar ein fast sofortiger Preisnachlass von rund 15 Prozent verlangt worden. Dieses Vorgehen gefährde Arbeitsplätze in der Schweiz, kritisiert Swissrail-Direktorin Michaela Stöckli gegenüber der «Sonntagszeitung». Zahlreiche Mitgliederunternehmen hätten sich in den letzten Tagen an den Verband gewandt, um ihr Unverständnis und ihren Ärger über die Druckversuche der SBB zum Ausdruck zu bringen.

Laut der «NZZ am Sonntag» droht der Schweiz gar eine «Verlagerungswelle». Viele Industriefirmen hätten die letzten drei Jahre genutzt, um im Ausland eigene Produktionsstandorte aufzubauen. Dorthin dürften sie nun Produktionsprozesse verschieben, die in der Schweiz wegen des starken Frankens zu teuer geworden sind. Fast jedes vierte Schweizer Unternehmen werde so vorgehen, schätzt der Luzerner Wirtschaftsprofessor Bruno Waser gegenüber der «NZZ am Sonntag».

SDA/fko

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