Migros lanciert Sammel-Label für Nachhaltigkeit

Die Migros lässt diverse etablierte Labels verschwinden und führt ein neues, eigenes ein – M-Check.

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MSC, FSC, Max Havelaar, UTZ: Wer vor dem Regal steht, verliert im Label-Salat schnell den Überblick. Man muss als umweltbewusster Konsument einiges Vorwissen mitbringen, um sich im Supermarkt zurechtzufinden. Das Eidgenössische Büro für Konsumentenfragen listet etwa allein für Bio-Produkte über 30 verschiedene, in der Schweiz verwendete Labels.

Dieser Label-Vielfalt will die Migros nun entgegenwirken und lanciert den sogenannten M-Check, wie der Detailhändler am Dienstag mitteilt. Der M-Check ist eine Art Sammellabel, das die Informationen von verschiedenen Nachhaltigkeitsstandards zusammenfasst. Eine Migros-Sprecherin bezeichnet es als Infobox. Statt MSC-Label für nachhaltigen Fischfang etwa wird auf Migros-Produkten künftig der M-Check mit dem Vermerk «Nachhaltiger Wildfang» und einem Fisch-Logo prangen.

Der M-Check umfasst über 20 Logos, die etwa signalisieren, dass beim Anbau von Lebensmitteln auf die Energiebilanz oder faire Arbeitsbedingungen geachtet wurde. Abhängig vom konkreten Produkt führt ein kleiner Schriftzug daneben aus, was am Artikel nachhaltig ist. Die Migros betont, dass hinter dem M-Check immer ein unabhängiger Standard, etwa das oben genannte MSC-Label, oder ein eigenes, durch Dritte geprüftes Nachhaltigkeitsprogramm stehe.

Babette Sigg, Präsidentin des Schweizerischen Konsumentenforums KF, sagt, dass durch ein Sammellabel die Bedeutung von Labels nicht weniger aussagekräftig werden dürfe, als das sonst schon der Fall sei. Sonst würden Konsumenten weiterhin Produkte kaufen, weil sie einfach ein Label haben, ohne dass sie wissen, was es bedeutet.

Die Migros hat zu diesem Zweck eine Website eingerichtet, die auflistet, was die im M-Check ausgewiesenen Eigenschaften genau beinhalten. «Echter Kundenservice wäre, wenn es im Laden eine Station gäbe, wo Konsumenten das Produkt scannen und die Informationen direkt ablesen könnten», fügt Sigg hinzu.

Etablierte Labels verschwinden

Der M-Check ersetzt die meisten Labels und Zertifizierungen, die bisher auf die Produkte gedruckt wurden. Das sind laut dem Unternehmen schätzungsweise 15 bis 20 Stück. UTZ, Eco und Ökotex etwa werden von den Produkten der Migros verschwinden. Wer diese Labels bisher kannte und darauf achtete, muss sich also umgewöhnen. Für solche Konsumenten dürfte der M-Check in diesem Fall nichts anderes als ein neues Label sein – und zwar nur in der Migros, denn andere Detailhändler sind nicht Teil des Programms.

Konsumentenschützerin Sigg kritisiert, dass die Detailhändler bei den Labels nicht zusammenarbeiten: «Sie sollten lieber zusammensitzen und kooperieren, statt dass jeder für sich die Welt neu erfindet.» Eine Sprecherin der Migros sagt zu 20 Minuten, das Unternehmen würde es begrüssen, wenn andere Detailhändler denselben Weg einschlagen würden.

Max Havelaar, WWF und FSC bleiben

Sigg wirft zudem die Frage auf, ob es bei internationalen Labels nicht auch sinnvoll sei, diese beizubehalten. Seitens der Migros heisst es, der Händler habe Erhebungen zum Wiedererkennungswert verschiedener Labels durchgeführt. Eine Handvoll davon erhalten ihr eigenes Logo im M-Check, weil die Konsumenten so vertraut mit ihnen seien. Darunter etwa Max Havelaar, WWF und FSC. Zudem würden Migros Bio, Alnatura und TerraSuisse vorerst gar keinen M-Check erhalten – ebenfalls wegen des Wiedererkennungswerts, wie eine Sprecherin erklärt.

Die Genossenschaft ist überzeugt, auf diese Weise im Label-Dschungel aufräumen zu können, wie die Migros weiter schreibt. «Der M-Check dient als Kompass», sagte eine Sprecherin zu 20 Minuten. Der M-Check sei besonders für Kunden, die sich nicht mit den Standards auskennen, von Vorteil.

Die ersten Produkte mit M-Check werden ab dem 7. August in den Läden stehen. Darunter sind etwa der Ice Tea Zitrone und Joghurts der M-Classic-Linie. Es werde einige Monate dauern, bis alle nachhaltigen Produkte den M-Check tragen, sagt eine Sprecherin. Grund dafür sei unter anderem auch, dass die Migros kein bestehendes Verpackungsmaterial vernichten wolle.

Artikel übernommen von 20min.ch, bearbeitet von DerBund.ch/Newsnet.

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