Zum Hauptinhalt springen

Man kann es ihr nicht verbieten

Soll die BKW privatisiert werden? Langfristig spricht wenig dagegen.

Die BKW mischt immer wie mehr im Dienstleistungssektor mit.
Die BKW mischt immer wie mehr im Dienstleistungssektor mit.
Keystone

Wer zu Hause seine Stromrechnung von der BKW erhält, merkt vom tiefen Strompreis kaum etwas. Denn in den Genuss von Marktpreisen kommen nur Grosskunden. Und an solche verkauft die BKW den Grossteil ihres Stroms. Deshalb ist sie unter Druck. Wie alle Wirtschaftsführer wollen die BKW-Konzernlenker sinkende Umsätze und Gewinne nicht einfach hinnehmen. Daran hätten auch die Aktionäre keine Freude. Also grast die BKW in anderen Branchen, um den Rückgang im Kerngeschäft zu kompensieren. Ihre zugekauften Tochterunternehmen konkurrenzieren nun private Handwerksfirmen. An ein solches Szenario hat niemand gedacht, als einst die Bernischen Kraftwerke als Staatsbetrieb gegründet wurden.

Die BKW hat auf die vom internationalen Strommarkt diktierten Bedingungen gut reagiert und eine kluge Strategie formuliert. Dem Konzern die Expansion in den Dienstleistungs­sektor zu verbieten, wäre unklug und kaum durchsetzbar. Die Frage lautet also: Soll der Kanton die BKW, so wie sie sich nun ausrichtet, behalten oder nicht? Der Regierungsrat will dazu noch im Herbst Stellung beziehen.

Finanzpolitisch ist der Verkauf von staatlichen Unternehmen heute nicht sinnvoll. Zum aktuellen Börsenwert würde die 53-Prozent-Beteiligung an der BKW dem Kanton fast 1,3 Milliarden Franken einbringen. Mit dem Geld könnte der Kanton Schulden zurückzahlen. Doch in der Zeit von Null- und Negativzinsen bezahlt er sowieso kaum Schuldzinsen – die BKW-Aktien werfen hingegen Dividenden ab.

Es gibt einen weiteren Grund gegen eine kurzfristige Privatisierung: Er steht 14 Kilometer vom Berner Rathaus entfernt und wird in drei Jahren vom Netz genommen. Bis die erste Abschaltung eines Schweizer Atomkraftwerks über die Bühne gegangen ist, sollte der Kanton die Zügel in der Hand behalten.

Doch in ihren neuen Geschäftsfeldern geht die BKW auch unternehmerische Risiken ein, die nicht der Staat tragen sollte. Je mehr die BKW vom Infrastruktur- zum Dienstleistungsunternehmen wird, desto weniger spricht gegen eine Privatisierung.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch