Zum Hauptinhalt springen

Lufthansas Rezept gegen die Konkurrenz aus der Wüste

Lufthansa will sich gegen die immer gefährlicher werdende Konkurrenz aus der Golfregion wappnen. Das Unternehmen interessiert sich daher für eine verstärkte Kooperation mit Turkish Airlines. Das hat vier Gründe.

Geografisch vorteilhaft positioniert und bald mit dem grössten Flughafen der Welt: Turkish-Airlines-Maschinen in Istanbul. (Archivbild Keystone)
Geografisch vorteilhaft positioniert und bald mit dem grössten Flughafen der Welt: Turkish-Airlines-Maschinen in Istanbul. (Archivbild Keystone)

Die Golfregion boomt. Auch ihre Fluglinien sind eine Erfolgsgeschichte. Für europäische Luftfahrtkonzerne wie Lufthansa sind sie neben den Billigfliegern zur gefährlichsten Konkurrenz geworden. Die deutsche Airline sucht nun offenbar einen Ausweg aus dieser Situation und spricht mit Turkish Airlines über eine verstärkte Kooperation, wie «Spiegel online» berichtet. Während sich Lufthansa noch nicht zu den Details geäussert hat, verkündete der türkische Premierminister Recep Tayyip Erdogan bereits vollmundig, er habe mit der deutschen Kanzlerin Angela Merkel über eine gemeinsame Verwaltung der beiden Unternehmen gesprochen. Bisher sind beide Unternehmen Teil des Luftfahrtbündnisses Star Alliance, und sie bieten gemeinsame Flüge an.

Auch wenn Erdogan mit seiner Äusserung etwas schnell vorgeprescht sein sollte, liegen für Lufthansa die Gründe für eine verstärkte Zusammenarbeit auf der Hand: Turkish Airlines hat einige vorteilhafte Gemeinsamkeiten mit den Golf-Airlines – aber auch gewichtige Unterschiede, die sie für Lufthansa umso interessanter machen.

Guter Service, zentrale Lage

Wie Emirates aus Dubai setzt das Unternehmen zum einen mittlerweile auf hochklassigen Service. So reisen etwa für die Businessclass eigene Köche mit. Turkish Airlines wurde im aktuellen Jahr bereits zum zweiten Mal in Folge zur beliebtesten Airline in Europa gewählt.

Aber ein viel gewichtigeres Argument für die Deutschen dürfte gemäss «Spiegel online» die geografische Lage des Flughafens Istanbul sein: Wie die Heimflughäfen der Golf-Airlines in Dubai, Katar und Abu Dhabi liegt Istanbul günstiger auf der Weltkarte als die bisherigen Lufthansa-Drehkreuze Frankfurt, München oder Zürich. Die Metropole bietet sich damit ebenso als zentraler Verbindungsknoten zwischen alten Industriestaaten und den Schwellenländern Asiens an wie die Wüstenstädte. Und auf einigen Langstrecken können Umwege vermieden werden. «Südeuropäer fliegen dann schon einmal in die richtige Richtung», sagt Luftfahrt-Analyst Jürgen Pieper gegenüber «Spiegel online». Wer als Ziel Tokio, Shanghai oder Seoul hat, für den liegt Istanbul sogar günstiger als etwa Dubai.

Umstrittene Staatsnähe

Tiefere Arbeitskosten, günstigeres Kerosin durch die nahe gelegenen Ölfelder, keine Unternehmens- oder Mehrwertsteuer, hochmoderne Flughäfen mit geringeren Gebühren: Westliche Airlines sehen in den massiven Subventionen der Golf-Airlines durch ihre Heimatländer einen Wettbewerbsnachteil. Tatsächlich werden die Kostenvorteile der Araber auf etwa 30 Prozent geschätzt. Eine ähnliche Staatsnähe und damit verbundene Privilegien weist Turkish Airlines auf. So wird etwa in Istanbul derzeit gar am grössten Flughafen der Welt gebaut, und dem Staat gehören 49 Prozent des Unternehmens.

Zentraler Vorteil einer Kooperation für Lufthansa – und ein Unterschied von Turkish Airlines zu den Golf-Fluggesellschaften – ist der bereits bestehende Flugplan: Während sich Emirates oder Katar auf Langstreckenflüge konzentrieren, fliegt Turkish Airlines schon heute zahlreiche deutsche Flughäfen an. Die Kooperation käme also auch einem Bündnis mit einem potenziellen Gegner gleich. Zudem ist Turkish Airlines im Vergleich zu Emirates oder Etihad auch Marktführer in einem Land, in dem viele Bürger bereits Verbindungen zu Deutschland haben.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch