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Kreditkartenfirmen wollen Swiss anprangern

Die Fluggesellschaft Swiss erhebt einen Zuschlag für Kreditkartenzahlungen. Den Kartenherausgebern passt das nicht. Der Airline droht nun Ärger mit Mastercard und Visa.

In der Reisebranche sind Kreditkartenzuschläge verbreitet: Eine Passagiermaschine der Swiss über Zürich.
In der Reisebranche sind Kreditkartenzuschläge verbreitet: Eine Passagiermaschine der Swiss über Zürich.
Arnd Wiegmann, Reuters

Es ist ein Ärgernis, das schon fast der Vergangenheit angehört. Man klickt sich durch einen Online-Shop, füllt den Warenkorb, will bestellen und merkt ganz zum Schluss, dass der Händler einen Zuschlag für die Kreditkartenzahlung verlangt. Die meisten Schweizer Händler verzichten seit einiger Zeit auf den Aufschlag. Doch gibt es noch Ausnahmen. Die prominenteste ist die Airline Swiss. Wer dort ein Ticket mit einer Kreditkarte bezahlt, muss mit Zusatzkosten von 1,5 Prozent des Flugtarifs rechnen. Die Swiss steht damit nicht alleine da. Besonders in der Reisebranche sind die Zusatzgebühren noch verbreitet. Sie finden sich etwa auch bei den Reiseportalen Ebookers und Tui.

Damit soll nun Schluss sein, fordert die Kreditkartenbranche. Denn sie hat per 1. August die Gebühren deutlich gesenkt, die Händler abführen müssen, wenn ein Kunde mit einer Kreditkarte bezahlt. Im Schnitt trägt ein Schweizer Händler bei einer Kreditkartenzahlung durchschnittliche Kosten von 0,95 Prozent. Der Handel spart sich so Kosten von 50 bis 60 Millionen Franken jährlich. Im Gegenzug sind die Händler verpflichtet, alle Zahlungsmittel in der Schweiz gleich zu behandeln.

«Es ist ein Spiel auf Zeit», sagt Thomas Hodel, Geschäftsführer des Branchenverbands Swiss Payment Association. Einige Händler würden aber versuchen, möglichst lange an der Gebühr festzuhalten, weil ihnen der Zuschlag zusätzliche Einnahmen einbringt. Es gibt heute keinen Grund für den Aufschlag für Kreditkartenzahlungen mehr, so Hodel. Bei einem Händler verursache eine Kreditkartenzahlung die gleichen Kosten wie eine Barzahlung.

Verfahren in Vorbereitung

Die Kartenherausgeber, wie die Schweizer Banken, können gegen die Händler, welche die Zuschläge nicht anpassen, bei Visa und Mastercard ein Verfahren einleiten. Dann gehen die grossen Kreditkartenfirmen gegen die Händler vor. Ein grosser Kartenherausgeber ist der Schweizer Zahlungsdienstleister Viseca. «Sollte sich die Situation nicht rasch ändern, behält sich die Viseca vor, Verfahren bei Mastercard und Visa anzustrengen», bestätigt Thomas Weber, Risiko- und Compliance-Verantwortlicher von Viseca. Andere Anbieter wollen sich nicht dazu äussern. Doch geht man in der Branche davon aus, dass auch sie solche Beschwerden vorbereiten.

Bei Swiss hat man vom drohenden Protest der Kreditkartenfirmen noch nichts gehört. «Wir haben keine Kenntnis von dem von Ihnen beschriebenen Vorgang», heisst es bei Swiss. Die Airline macht zudem geltend, dass für sie höhere Kosten als bei anderen Händlern anfallen würden. Zwar habe auch Swiss von tieferen Kosten profitiert, habe diese aber bereits an die Passagiere weitergegeben. Per 1. August ist der Kreditkartenaufschlag bei Swiss von 1,65 auf 1,5 Prozent gesunken.

Kunden können Aufschläge einfordern

Kunden können schon seit einiger Zeit die Zuschläge bei ihrer Bank zurückfordern. Auf Anfrage weisen die Schweizer Kreditkartenanbieter und Banken ihre Kunden darauf hin, dass sie nicht auf den Aufschlägen sitzen bleiben müssen. «Unsere Kunden können via Charge-back-Verfahren die Kreditkartenaufschläge zurückverlangen», so eine UBS-Sprecherin. Die Kunden füllen ein Formular aus und erhalten den Aufschlag in der Regel zurückerstattet. Die Banken können dann entscheiden, ob sie die Kosten selbst tragen oder die Forderung an Mastercard und Visa weiterleiten.

Geben sie die Kosten weiter, hoffen sie, dass die grossen Kreditkartenfirmen gegen die Unternehmen vorgehen, welche den Aufschlag verlangen. So soll der Druck steigen, dass diese die Gebühr abschaffen. Kartenanbieter wie Viseca beginnen nun damit, die Rückforderungsbegehren der Kunden auszuwerten, und suchen besonders stossende Fälle, die sie an Visa und Mastercard weiterleiten können.

Den Zuschlag erheben auch viele Quartierläden. Sie stehen nicht im Fokus der Kartenanbieter. Kleine Händler, welche heute einen Zuschlag für Kreditkartenzahlungen erheben, sollen bei Mastercard und Visa nicht gemeldet werden. Ihnen rät Viseca-Mann Weber, ihren Zahlungsdienstleister zu kontaktieren oder Konkurrenzofferten einzuholen. Oftmals liessen sich die Gebühren so senken. Dann sei für sie die Kreditkarte im Schnitt nicht mehr teurer als Bargeld.

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