Kommt eine neue Pharmafabrik in den Grossraum Bern?

Der australische Pharmakonzern CSL sucht einen Standort für ein neues Werk. Seine Berner Niederlassung will es in die Schweiz holen.

Erfolgreiches Geschäft: Auf diesen Anlagen werden im Berner Wankdorf aus Blutplasma Medikamente hergestellt.

Erfolgreiches Geschäft: Auf diesen Anlagen werden im Berner Wankdorf aus Blutplasma Medikamente hergestellt.

(Bild: zvg)

Adrian Sulc@adriansulc

Diese Medikamente nimmt man ein Leben lang. Wer Bluter ist, braucht sie, um bei einer Verletzung nicht zu verbluten. Die Präparate des CSL-Konzerns sorgen dafür, dass auch Bluterkranken das Blut gerinnt. Jetzt hat das Unternehmen mit Hauptsitz im australischen Parkville drei neue Medikamente gegen die Erbkrankheit entwickelt.

Dabei handelt es sich um gentechnisch hergestellte Proteine. Sie werden derzeit in wissenschaftlichen Studien auf ihre Wirksamkeit geprüft – für eines der Medikamente läuft bereits ein gross angelegter klinischer Test.

Wird dieser erfolgreich abgeschlossen, will die CSL die Produktion des Medikaments aufnehmen. Eine Fabrik gibt es dafür noch nicht. So sucht der CSL-Verwaltungsrat nach einem geeigneten Standort – irgendwo auf der Welt. Im Rennen sind unter anderem Standorte in Singapur, Irland – und in der Schweiz. Dies, weil sich hier mit der Berner CSL Behring ein wichtiges Standbein des CSL-Konzerns befindet.

Der Platz wird knapp

Uwe E. Jocham, Leiter des Berner Standorts, wirbt beim Mutterkonzern dafür, dass die geplante Produktionsstätte im Grossraum Bern gebaut wird. Gesucht ist ein grösserer Standort – bei der CSL Behring im Berner Wankdorf wäre der Platz zu knapp. «Wir haben Offerten von mehreren Kantonen erhalten», sagt Jocham dem «Bund» – neben Bern buhlen also auch angrenzende Kantone um die Gunst der CSL. Welche Kantone und Orte im Rennen sind, will Jocham nicht sagen. Der CSL-Verwaltungsrat in Australien will bis Ende Jahr entscheiden.Hat die Schweiz wegen ihrer hohen Löhne überhaupt Chancen, den Zuschlag für das Werk zu erhalten? «Unser Vorteil ist, dass es Synergien zum Standort Bern gäbe», sagt Jocham. Das neue Werk könnte von der technischen und wissenschaftlichen Erfahrung der CSL Behring in Bern profitieren. In der Bundesstadt beschäftigt das florierende Unternehmen heute 1180 Mitarbeiter – 100 mehr als vor einem Jahr.

«Herausragendes Halbjahr»

Auch umsatzmässig konnte der Berner Zweig deutlich zulegen: Aus den gestern veröffentlichten Halbjahreszahlen des Mutterkonzerns (Juli bis Dezember) geht hervor, dass der Umsatz der CSL Behring in Bern von etwa 750 auf rund 900 Millionen Franken gestiegen ist. Das entspricht einem Wachstum von 20 Prozent. Jocham spricht denn auch von einem «herausragenden Halbjahr für die ganze CSL wie auch für den Standort Bern».

Besonders das in Bern produzierte Immunglobulin Privigen hat die Verkäufe in die Höhe schnellen lassen: Das aus Blutplasma hergestellte Präparat wird Menschen ohne funktionierendes Immunsystem verschrieben. Das Produkt wird mittlerweile weltweit in solchen Mengen abgesetzt, dass es als «Blockbuster» bezeichnet werden kann. In der Pharmabranche heisst dies, ein Medikament erzielt innerhalb eines Jahres über eine Milliarde Dollar Umsatz.

Der gesamte CSL-Konzern steigerte seinen Umsatz im vergangenen Halbjahr von 2,3 auf 2,5 Milliarden US-Dollar. Auch der Gewinn stieg deutlich, von 504 auf 627 Millionen Dollar. Für den Standort Bern weist die CSL keine separaten Gewinnzahlen aus.

Der Bund

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