Kirchen nehmen die Credit Suisse ins Visier

Die kirchlichen Hilfswerke richten sich in ihrer aktuellen Kampagne gegen Schweizer Banken, die mit Palmölfirmen Geschäfte machen.

Gefragt und umstritten: Die Früchte der Ölpalme.

Gefragt und umstritten: Die Früchte der Ölpalme.

(Bild: Wikimedia Commons)

Mischa Stünzi

Palmöl ist so verbreitet wie umstritten. In jedem zweiten verarbeiteten Lebensmittel ist das Öl der Palmfrucht zu finden. Rund 90 Prozent davon stammen aus Indonesien und Malaysia, wo es teils unter illegalen Bedingungen angebaut wird und wo immer neue Palmenplantagen den Regenwald verdrängen. Die kirchlichen Hilfswerke Fastenopfer und Brot für alle widmen ihre aktuelle vorösterliche Kampagne deshalb dem Thema Palmöl. Genauer der Finanzierung des Palmölgeschäfts.

Brot für alle hat eine Studie in Auftrag gegeben, um zu klären, welche Rolle Schweizer Banken dabei spielen. Untersucht wurden die 20 grössten in Indonesien tätigen Palmölproduzenten, -verarbeiter und -händler sowie ihre Geschäftsbeziehungen zu 17 Finanzdienstleistern. Dabei zeigte sich, dass zwischen Anfang 2009 und Sommer 2016 11 der Schweizer Geldhäuser geschäftlich mit den Palmölfirmen zu tun hatten. Diese halfen beim Emittieren von Aktien oder Obligationen, gewährten Kredite und/oder investierten – über die Vermögen ihrer Kunden – in die Firmen.

900 Millionen für die Produzenten

Eine Bank sticht in der Studie besonders heraus: die Credit Suisse. Keine andere habe so viel zur Finanzierung des Palmölgeschäfts beigetragen wie sie. Hauptsächlich durch die Investmentbank, die den Firmen beim Beschaffen von Kapital behilflich war. So seien dank der CS 900 Millionen Dollar zu den untersuchten Palmölproduzenten und -verarbeiter geflossen. Und das, obwohl sich die Bank in Nachhaltigkeitsstandards zu Rücksicht gegenüber Gesellschaft und Umwelt verpflichtet habe.

Die Hilfswerke werfen der Bank insbesondere vor, das sie mit Unternehmen Geschäfte getätigt habe, von denen sie hätte wissen müssen, dass sie in illegale Palmölaktivitäten verwickelt waren.

Eine zweite Bank, die in der Studie auffällt, ist die Safra-Gruppe, zu der die Basler Bank Sarasin gehört. Sie hat über eigene Aktien oder Anlagen von Kunden in das Palmölunternehmen IOI investiert. Fastenopfer und Brot für alle fordern von den Banken – insbesondere der Credit Suisse und J. Safra Sarasin –, die Menschenrechte und die Nachhaltigkeitsstandards einzuhalten. Und diese Einhaltung auch von den Kunden zu verlangen.

Trend stimmt zuversichtlich

Bei Sarasin heisst es auf Anfrage, die Anlagen seien durch Kunden getätigt worden. Die Bank selber habe solche Titel gar nicht im Anlageuniversum, weil sie nicht der Nachhaltigkeitsstrategie der Bank entsprächen. Sarasin berate also weder die Kunden zu den Titeln, noch kaufe sie die Papiere in den eigenen Fonds.

Die CS sagt zu Studie und Kampagne: «Wir gehen keine Geschäftsbeziehungen ein mit Palmölproduzenten, die nicht Mitglied des runden Tischs für nachhaltiges Palmöl sind und eine entsprechende Zertifizierung vorweisen können.» In den letzten Jahren seien die Aktivitäten der Schweizer Grossbank im Palmölsektor zurückgegangen, heisst es vonseiten der Hilfswerke.

Der Bund

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