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Kaupthing-Kunden bangen um Erspartes

Die isländische Kaupthing-Bank lockte die Kunden mit hohen Zinsen. Am Donnerstag standen sie vor dichten Onlineschaltern – unter ihnen auch Schweizer.

Auch bot die Internetbank Kaupthing Edge auf ihrer Schweizer Homepage 4 Prozent Zins auf ihrem Tagesgeldkonto an – doppelt so viel wie Zinsführer Postfinance und viermal so viel wie Schweizer Banken im Schnitt gewähren.

Ob der Zins bei Kaupthing weiter fliesst, steht allerdings in den Sternen. Am Donnerstag jedenfalls ging gar nichts mehr. Der Onlinezugang für Kunden in Deutschland war gesperrt. Das Gleiche gelte für Kunden in der Schweiz, sagte eine Kaupthing-Sprecherin in Luxemburg. Geld abheben war genau so wenig möglich wie die Eröffnung eines neuen Kontos. Letzteres wird allerdings kaum jemand versucht haben.

Nach Glitnir und Landsbanki, der dritt- und zweitgrössten Bank Islands, wurde mit Kaupthing in der Nacht auf Donnerstag auch noch das führende Institut verstaatlicht. Begründet wurde der Schritt mit der Notwendigkeit, das Bankensystem des Landes zu sichern. Die Rechtsgrundlage ist ein vor drei Tagen verabschiedetes Notstandsgesetz, das die Unterstellung der Banken unter die Kontrolle der Regierung erlaubt.

Als Folge des Entscheides trat die gesamte Konzernleitung geschlossen zurück. Der Handel mit isländischen Bankaktien wurde ausgesetzt. Während die Finanzaufsicht in Reykjavik erklärte, dass die Filialen wie gewohnt zugänglich seien, wurden Internetoperationen zumindest in einigen Ländern unterbunden. Ob das Onlinebanking heute wieder funktioniert, konnte die Sprecherin nicht sagen.

Bankenkommission sichert Guthaben

Die Kaupthing-Bank ist erst seit Juni in der Schweiz aktiv. Bekannt geworden ist, dass sie mit ihren attraktiven Zinsen hierzulande 2000 Kunden anzulocken vermochte. In acht EU-Ländern waren es in einem halben Jahr um die 150’000 Sparer. Wie alle anderen in der Schweiz tätigen Banken untersteht auch Kaupthing Edge dem Schweizer Recht. Damit sind 30’000 Franken pro Anleger geschützt.

Die Eidgenössische Bankenkommission ernannte zwei Untersuchungsbeauftragte. Diese haben die Aufgabe, die finanziellen Verhältnisse zu klären und die Guthaben zu sichern. Der Bank wurde einstweilen untersagt, Auszahlungen zu tätigen. Davon ausgenommen sind lediglich Guthaben bis maximal 5000 Franken. Wer über 5000 Franken auf dem Konto hat, kann somit kurzfristig nicht über sein Geld verfügen. Man wolle aber für eine rasche Auszahlung der gesicherten 30’000 Franken sorgen, teilte die Bankenkommission mit.

Kaupthing selbst sieht sich eher als Opfer der Entwicklung denn als Kandidat für eine Bruchlandung. Man werde den regulären Geschäftsbetrieb fortsetzen, heisst es in einer Mitteilung. Die Eigenkapitalquote sei eine der stärksten im europäischen Bankensektor und die Liquiditätslage gut. Wegen der Schwierigkeiten von Glitnir und Landsbanki und der drohenden Gefahr eines Staatsbankrotts spitzte sich aber auch die Lage von Kaupthing zu. In Schweden etwa zogen verängstigte Sparer in Scharen ihre Guthaben von Kaupthing ab.

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