Julius Bär streicht Schweizer Stellen – Aktie im Plus

Die Privatbank Julius Bär verzeichnet 96 Prozent mehr Gewinn. Trotzdem läutet sie eine Sparrunde ein: Sie streicht Arbeitsplätze und zieht Verlagerungen ins Ausland in Betracht.

Will Kosten um 100 Millionen Franken drücken: Die Bank Julius Bär in Genf.

Will Kosten um 100 Millionen Franken drücken: Die Bank Julius Bär in Genf.

Die Bank Julius Bär ist 2014 weiter gewachsen, hat die Kundenvermögen auf Rekordhöhe gesteigert und den Gewinn auf 367 Millionen Franken fast verdoppelt. Wegen der starken Frankenaufwertung tritt die Bank nun aber auf die Kostenbremse.

Julius Bär lanciert ein Programm zur Reduktion der Kostenbasis um rund 100 Millionen Franken, wie die Bank am Montag mitteilte. Die Hälfte der Einsparungen soll bereits im laufenden Jahr realisiert werden. Konkret werden Personalkosten gesenkt durch Restriktionen bei Neuanstellungen, die Umverteilung von Ressourcen sowie die Streichung von rund 200 Stellen.

Die Aktie von Julius Bär legte danach markant zu: Sie notierte um 10 Uhr um 6,7 Prozent höher auf 40,12 Franken. Zuvor hatte der Titel im bisherigen Jahresverlauf vor allem wegen des SNB-Entscheids knapp 18 Prozent nachgegeben. Julius Bär habe vor allem durch die stärker als erwartet ausgefallene Dividendenerhöhung überrascht, hiess es im Markt. Ansonsten habe der Abschluss wenig Überraschungen gebracht, zumal ein Kostensparprogramm von den meisten Marktbeobachtern erwartet worden sei.

Verlagerung ins Ausland?

Die Stellenkürzungen werden laut Finanzchef Dieter Enkelmann zur Mehrheit Arbeitsplätze in der Schweiz betreffen. So weit wie möglich sollen natürliche Abgänge genutzt werden, es werde aber auch zu Entlassungen kommen.

Möglich seien zudem Verlagerungen von Arbeitsplätzen aus der Schweiz ins Ausland, sagte Enkelmann am Montag in einer Telefonkonferenz. Ob neben dem kurzfristig zusammengestellten Sparprogramm zu einem späteren Zeitpunkt zusätzliche Massnahmen notwendig würden, werde man sehen, ergänzte Konzernchef Boris Collardi. Weltweit zählt Julius Bär derzeit 5250 Vollzeitstellen, davon knapp 3100 in der Schweiz.

Julius Bär begründete den jüngsten Abbauentscheid explizit mit der Frankenstärke: «Auf Grund des weiterhin bestehenden Ungleichgewichts und der starken Aufwertung des Schweizer Frankens im Januar 2015 müssen weitere Massnahmen zur Wahrung der Profitabilität der Gruppe ergriffen werden.»

Die Bank räumt aber ein, dass sich eigentlich die Diskrepanz von Erträgen in anderen Währungen und Kosten in Franken durch die Übernahme des Vermögensverwaltungsgeschäfts von Merrill Lynch ausserhalb der USA zuletzt substanziell verbessert habe.

«Interessante Möglichkeiten» für Übernahmen

Zudem werde die Frankenstärke im laufenden Jahr sicherlich noch zu «sehr interessanten Möglichkeiten» für Übernahmen führen, hielt Collardi fest. Bei vielen Instituten in der Schweiz fielen 90 Prozent oder mehr der Kosten in Franken an: Das werde zu einer verstärkten Konsolidierung bei den Schweizer Privatbanken führen.

Derzeit kein Thema ist für Julius Bär die Weitergabe von Negativzinsen an die Kundschaft, wie Collardi weiter sagte. Zum US-Steuerstreit gab er sich Collardi einmal mehr überzeugt, diesen bald abschliessen zu können. Er erwarte, dass es 2015 bei den Banken der Kategorie 1 - zu denen Julius Bär gehört - wie auch denen der Kategorie 2 zu einer Einigung mit den US-Steuerbehörden kommen werde.

Mehr verwaltete Vermögen

Die verwalteten Vermögen stiegen um 14 Prozent auf 291 Milliarden Franken. Basierend auf Marktwerten vom Jahresende stammen davon 60 Milliarden Fr. von IWM. Zum Anstieg trug ein Netto-Neugeldzufluss von 13 Milliarden Fr. bei.

Den Gewinnsprung erklärte Julius Bär mit tieferen Kosten für die IWM-Integration als im Vorjahr sowie mit dem Wegfall einer Rückstellung im Zusammenhang mit dem Quellensteuerabkommen der Schweiz mit Grossbritannien.

Der um Integrations- und Restrukturierungskosten adjustierte Konzerngewinn legte 22 Prozent auf 586 Millionen Fr. zu. Die Dividende will Julius Bär von 0.60 Fr. im Vorjahr auf 1.00 Fr. pro Aktie erhöhen.

Handlungsbedarf sieht die Bank bei den IT-Plattformen, die erneuert werden sollen. Julius Bär hat die Genfer Bankensoftware-Herstellerin Temenos beauftragt, mit den Planungen für den Ersatz ihrer Core-Banking-Plattform zu beginnen.

fko/sda

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