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Jovial, schillernd, direkt

Mit seinem Entscheid, die Raiffeisen-Gruppe nach 17 Jahren als Chef zu verlassen, überraschte Pierin Vincenz heute alle – nicht zum ersten Mal.

Im März 2016 ist Schluss: Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz. (8. Januar 2014)
Im März 2016 ist Schluss: Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz. (8. Januar 2014)
Keystone

Vincenz hat die Raiffeisen zur drittgrössten Bankengruppe der Schweiz geformt. Mit mehr als 300 eigenständigen Genossenschaften und über 1000 Standorten verfügt sie über eines der dichtesten Filialnetze. Mehr als 10'000 Mitarbeiter arbeiten inzwischen bei der Gruppe.

Die starke Expansion der letzten Jahre wird unmittelbar auf Vincenz zurückgeführt: Als Macher wird er in Medien beschrieben, als jovial, schillernd, direkt. «Turnhallentauglich», sei er. Das müsse man sein bei Raiffeisen, sagte er. Denn Raiffeisen sei immer noch eine Genossenschaft.

Den wohl grössten Coup landete Vincenz, als Raiffeisen 2012 das Nicht-US-Geschäft der Traditionsbank Wegelin übernahm und seither unter dem Namen Notenstein als Tochter weiterführt. Das war zugleich die Ausgangslage für einen kürzlich beigelegten Rechtsstreit mit der Bank Vontobel um einen Kooperationsvertrag. Die beiden Banken gehen nun ab 2017 getrennte Wege.

Ein Sabbatical und das Ende des Bankgeheimnisses

Schlagzeilen machte Vincenz, als er sich 2013 eine zweimonatige Auszeit nahm für eine Asienreise. Mit dem Strom schwimmen geht anders. Auch der Rücktritt mit nur 60 Jahren entspricht kaum klassischen Managerkarrieren.

Für einen Banker ungewohnt deutlich waren seine Worte, als er im letzten Frühling dem Bankgeheimnis im Inland das Ende voraussagte. Zuvor hatte er bereits gefordert, die Schweiz solle über den automatischen Informationsaustausch (AIA) verhandeln. Es dürfe keine Tabus und keine Denkverbote geben, sagte er damals in Interviews.

Fragen nach dem Zeitpunkt

Solche Voten riefen Kritiker auf den Plan. Doch er konterte. Und zuweilen schienen die Kritiken an Vincenz vorbei zu ziehen wie Gewitterwolken in der Surselva, dem Bündner Bezirk, in dem er aufgewachsen ist. In Andiast ist er geboren, als Sohn des inzwischen verstorbenen früheren Bündner CVP-Ständerats Gion Clau Vincenz. Das Dorf hat heute noch 200 Einwohner.

Warum nur jetzt der Rücktritt? Es sei verständlich, dass Vincenz nach Erreichen seines 60. Lebensjahres einen neuen Lebensabschnitt beginnen wolle, schreibt Raiffeisen-Verwaltungsratspräsident Johannes Rüegg-Stürm. Die Bank will jedenfalls den von Vincenz eingeschlagenen Kurs fortfahren.

Wie die Reise mit dem starken Franken für Banken generell weiter geht, ist aber offen. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat die Zinsen weiter gesenkt. Dies belastet die Zinsmargen weiter. Und auf dem Immobilienmarkt scheint eine Abkühlung einzutreten.

SDA/rar

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