Jobs, Hauptsitz, Manager – der Clariant-Deal und die Schweiz

Der Basler Chemiekonzern fusioniert mit der US-Firma Huntsman. Muss Basel nun zittern?

Kein Stellenabbau: Der Clariant-Chef zum Zusammenschluss mit Huntsman. (Video: Tamedia/SDA)

In der Chemiebranche kommt es zu einem weiteren Zusammenschluss: Der Basler Spezialchemiehersteller Clariant fusioniert mit dem US-Konzern Huntsman. Damit soll ein weltweit führender Spezialchemiekonzern mit einem Umsatz von rund 13,2 Milliarden Dollar entstehen. Die neue Firma soll HuntsmanClariant heissen und ihren globalen Firmensitz in Pratteln BL haben. Die operativen Geschäfte sollen von The Woodlands im US-Bundesstaat Texas aus geführt werden.

Die Region Basel soll vom fusionierten Chemieriesen HuntsmanClariant profitieren. Die Operationen von Clariant und Huntsman im Baselbiet seien ergänzend, sagte Clariant-Chef Hariolf Kottmann.

Pratteln als Hauptsitz

Nach der Fusion werde die Produktion in Muttenz BL weitergeführt, und das heutige Administrationszentrum in Pratteln BL werde zum neuen Hauptsitz, sagte Hariolf Kottmann am Montag vor den Medien in Zürich.

Laut dem designierten Verwaltungsratspräsidenten von HuntsmanClariant ist derzeit kein Stellenabbau geplant. Wo es im neuen Spezialchemiekonzern genau Überschneidungen gebe, sei noch nicht im Detail geklärt.

Bekenntnis von Huntsman

Huntsman-Präsident und -Chef Peter Huntsman seinerseits betont: «Wir verpflichten uns, eine Schweizer Firma zu bleiben.» Basel sei wichtig für die Produktion sowie die Forschung und Entwicklung – und das werde auch so bleiben.

Laut dem designierten Konzernchef der künftigen HuntsmanClariant befinden sich die bedeutendsten Einzelaktionäre in der Schweiz. «Darum ist es sehr wichtig, die Kotierung an der Schweizer Börse zu behalten», sagte der Amerikaner. Der US-schweizerische Konzern soll weltweit 28'200 Mitarbeiter beschäftigen. An der neuen Gesellschaft sollen die Clariant-Aktionäre 52 Prozent halten, die Huntsman-Eigner den Rest.

«Dies ist der perfekte Deal»

Eine Fusionsvereinbarung sei von den Verwaltungsräten der beiden Firmen unterzeichnet worden, teilten die beiden Unternehmen am Montag gemeinsam mit. Die Familienaktionäre von Clariant und Huntsman unterstützten die Fusion.

«Dies ist der perfekte Deal zur richtigen Zeit», sagte Clariant-Chef Hariolf Kottmann an einer Telefonkonferenz. Er soll Verwaltungsratspräsident des neuen Unternehmens werden. Bei dem Zusammenschluss handle es sich nicht nur um eine Fusion unter Gleichen, sondern auch um eine Fusion der Chancen, sagte Huntsman-Präsident und -Chef Peter Huntsman, der als Konzernchef amten wird.

«Gegenseitiges Vertrauen»

Kottmann und Huntsman betonten beide, dass der Zusammenschluss auf einem Fundament gegenseitigen Vertrauens und Kompatibilität stehe. Er habe Huntsman etwa 2009 das erste Mal getroffen, sagte Kottmann. Seither hätten sie in vielen Treffen und Gesprächen eine offene und vertrauensvolle Freundschaft aufgebaut. Eine Fusion sei anspruchsvoller als eine Übernahme, sagte Huntsman. Bei einer Fusion müssten Persönlichkeiten und Kulturen vermengt werden. «Wenn es richtig gemacht wird, schafft das mehr Wert.»

Das neu entstehende Unternehmen soll auf einen bereinigten Betriebsgewinn (Ebitda) von 2,3 Milliarden Dollar kommen und einen Unternehmenswert von 20 Milliarden Dollar aufweisen.

Einsparungen bei Kosten und Einkauf

Die beiden Unternehmen versprechen sich vom Zusammenschluss Synergien von jährlich über 400 Millionen Dollar, mehr Wachstum in den Schlüsselmärkten USA und China sowie mehr Innovation. Die Synergien sollen innerhalb von zwei Jahren nach der Fusion durch tiefere Betriebskosten und optimierten Einkauf erreicht werden. Zuerst fallen jedoch einmalige Kosten von rund 500 Millionen Dollar an.

Die Unternehmen zeigten sich zuversichtlich, die Fusion bis Ende Jahr in trockene Tücher zu bringen. Clariant stand unter dem Druck von Investoren, einen Partner zu finden, um Kosten zu senken und das Wachstum anzukurbeln. Firmenlenker Kottmann baut seinen Konzern seit Jahren um. So trennte er sich 2012 von den Sparten für Textil- und Papierchemie.

Weil sich das Wachstum in der Chemiebranche insgesamt abschwächt, setzen viele europäische Unternehmen auf Übernahmen. Seit Mitte 2015 gab es etwa Milliardenzukäufe von BASF, Solvay, Evonik und Lanxess. In den USA wagen Dow und DuPont eine Fusion im Volumen von 130 Milliarden Dollar. Nach dem Zusammenschluss soll das neue Unternehmen in drei Bereiche aufgespalten werden.

oli/sda

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