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Jetzt kommt der Spamfilter fürs Handy

Die Swisscom sperrt lästige Werbeanrufe aufs Fest- und Mobilnetz. Die Konkurrenten arbeiten noch daran – nur einer nicht.

«Sind Sie zufrieden mit Ihrer Krankenkasse?» – solche Werbeanrufe nerven die Schweizer und betreffen zunehmend auch das Mobilnetz: Mann überprüft seine Anrufliste.
«Sind Sie zufrieden mit Ihrer Krankenkasse?» – solche Werbeanrufe nerven die Schweizer und betreffen zunehmend auch das Mobilnetz: Mann überprüft seine Anrufliste.
Keystone

Sie wollen einem eine neue Krankenkasse andrehen, eine todsichere Anlagemöglichkeit empfehlen oder eine beschränkte Edition eines erstklassigen Bordeaux-Weines zu unschlagbaren Preisen aufschwatzen. Rund 600'000 Mal pro Tag rufen Callcenter bei Schweizer Haushalten an, um ihre Produkte zu verkaufen. Häufig kommen die Anrufe aus dem Ausland.

Konzentrierten sie sich erst eher aus Festnetz, sind inzwischen immer häufiger auch Mobiltelefone vom akustischen Spam betroffen. Die Flut der Werbeanrufe nervt die Bewohner zwischen Genf und Rorschach. Zu keinem anderen Thema bekommt die Stiftung für Konsumentenschutz mehr Anfragen.

Zuerst das Festnetz, nun das Mobilnetz

Das hat auch die Telecombranche gemerkt. Im Mai 2016 verpflichteten sich Sunrise, Swisscom und UPC Cablecom deshalb nach öffentlichem Druck und Gesprächen mit den Vertretern von Callcentern und des Verbraucherschutzes, Massnahmen gegen das Übel zu ergreifen.

Als Erste präsentierte Swisscom vor rund einem Jahr eine Lösung – einen Anruffilter fürs Festnetz. Nun hat der grösste Telekommunikationskonzern des Landes nachgedoppelt. Wie die TV-Sendung «10 vor 10» berichtet, wird der Service nun aufs Mobilnetz ausgeweitet. Er blockt unseriöse Werbeanrufe ab. Dazu gehören Anrufe von bekannten Spamnummern und von Robotern, von unterdrückten Nummern, von als unseriös eingestuften Nummern, aber auch Anrufe mit unbekanntem Ursprung und solche von Nummern auf der individuellen Sperrliste des Kunden.

Nicht zu 100 Prozent zuverlässig

«Unzulässige Werbeanrufe zeichnen sich dadurch aus, dass sich die entsprechenden Telemarketingfirmen insbesondere nicht an den gemeinsamen Ehrenkodex halten, den der Branchenverband der Schweizer Contact-Center und des Schweizer Dialogmarketing Verbands aufgestellt haben», fasst es eine Swisscom-Sprecherin zusammen. Die Erfahrungen mit dem Festnetzfilter seien positiv, man haben die Zahl der unerwünschten Anrufe deutlich verringern können. «Wir filtern bis zu 100'000 Anrufe pro Tag heraus», so die Sprecherin. Ganz verhindern lassen sie sich aber nicht. Denn wie ein Spamfilter bei E-Mails arbeiten auch die Anruffilter nicht zu 100 Prozent zuverlässig.

Die UPC ist noch nicht so weit. «Im Moment besteht bei uns keine solche Option. Wir analysieren zurzeit aber verschiedene Möglichkeiten», erklärt ein Sprecher. Einen konkreten Zeitpunkt für die Einführung kann UPC noch nicht nennen. Bei Sunrise sieht es ähnlich aus. «Wir sind daran, mögliche Lösungen zu evaluieren. Wann eine Einführung erfolgen kann, hängt nicht zuletzt von der vom Parlament noch zu verabschiedenden Gesetzesvorlage zum Thema ab. Dies auch, um die diesbezüglichen Investitionen effizient planen zu können», so ein Sprecher.

Salt schaut noch zu

Salt macht bei der Filterlösung nicht mit. «Als reiner Mobilanbieter sind wir weniger betroffen», erklärt ein Sprecher. «Zudem bezweifeln wir, dass Filterlösungen nachhaltig sind, da die Verursacher der unerwünschten Werbeanrufe Wege und Mittel finden, die Filter zu umgehen – sei es durch Verwendung von falschen und immer neuen Rufnummern oder über andere Dienste.» Man beobachte aber die Entwicklung und halte sich an die gesetzlichen Vorschriften.

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