Im früheren Krompholz geben bald Jungunternehmer den Ton an

Die kantonale Innovationsförderung und sechs Jungunternehmer wollen die Berner Gründerszene beleben.

Sie stehen hinter dem Hub Bern, der bald an der Spitalgasse 28 einziehen wird: Frederike Asael, Raphael Reber, Miriam Gantert, Rolf Arni, Chris Jenny und Nino Müller (v.l.).

Sie stehen hinter dem Hub Bern, der bald an der Spitalgasse 28 einziehen wird: Frederike Asael, Raphael Reber, Miriam Gantert, Rolf Arni, Chris Jenny und Nino Müller (v.l.).

(Bild: Victor Wanderley/zvg)

Mathias Morgenthaler@_Morgenthaler_

Seit 20 Monaten stehen sie leer, die drei obersten Stockwerke an der Spitalgasse 28, wo bis im Herbst 2014 das Musikhaus Krompholz seine Instrumente ausgestellt und verkauft hat. Nun hat die Warenhausgruppe Loeb, der die Immobilie gehört, doch noch eine neue Mieterin gefunden: Die Hub Bern AG wird im ­Oktober im 3., 4. und 5. Stock einziehen.

Hub Bern AG Der neue Mieter ist ein Start-up, die Firmengründung erfolgte erst in der zweiten Mai-Woche, unmittelbar vor Unterzeichnung des Mietvertrags mit Loeb. So unbekannt die junge Firma ist, so hoch sind ihre Ziele: An der Spitalgasse 28 soll nicht nur der grösste Coworking-Space der Stadt mit gegen 100 flexibel buchbaren Arbeitsplätzen entstehen, sondern ein neuer Knotenpunkt für alles, was mit Unternehmensgründung, Start-ups und Innovation zu tun hat. So will die Hub Bern AG Veranstaltungen durchführen und Workshops für Unternehmen oder Innovationsprojekte anbieten, an denen Mitarbeiter der auftraggebenden Firmen mit Freelancern zusammenarbeiten.

So zumindest sieht es der Businessplan vor. Was davon wie rasch umgesetzt werden kann, ist auch für Loeb-­Finanzchef François Manach schwer abzuschätzen. «Es ist für uns riskanter, einem Start-up eine Chance zu geben als einer Traditionsfirma mit etabliertem Geschäftsmodell», sagt Manach, «aber wir können nicht über den Auszug des Gewerbes aus der Innenstadt klagen und dann abwinken, wenn junge Unternehmer etwas Neues lancieren wollen.» ­Manach betont, der neue Mieter werde einen regulären Mietpreis zahlen – nimmt man die Daten des Immobilienberaters Wüest?&?Partner als Grundlage, dürften die 620 Quadratmeter jährlich einen tiefen sechsstelligen Betrag kosten. Loeb sei weder als Sponsor noch als Investor ins Projekt involviert, sagt ­Manach, es sei aber denkbar, dass man den neuen Hub für eigene Innovationsprojekte nutzen werde.

Innobe als erste Untermieterin

Das Team von Hub Bern besteht aus sechs Personen. Zwei davon, Chris Jenny und Rolf Arni, kamen letzten November beim Start-up-Weekend auf dem Gurten mit Jürg Schwarzenbach in Kontakt, dem Verwaltungsratspräsidenten von Innobe, der halbstaatlichen Innovationsberatungsstelle für KMU, die an der Wankdorffeldstrasse ihre Büros hat und ein Gründerzentrum betreibt. Gemeinsam kamen die Männer zum Schluss, es fehle in Bern an einem attraktiven Treffpunkt für Jungunternehmer und kreative Leute.

Danach ging es schnell. Jenny und Arni fanden vier Gleichgesinnte und entdeckten die leer stehenden Räume an der Spitalgasse 28, Schwarzenbach unterstützte das Hub-Projekt, indem er bei Loeb ein gutes Wort einlegte und dafür sorgte, dass sich Innobe selber auf rund 100 Quadratmetern im neuen Hub einmieten wird. Zudem ist Innobe am Hub Bern beteiligt. Schliesslich nutzt ­Innobe den Umzug ins Stadtzentrum gleich noch für die Fusion mit dem Start-up-Förderprogramm Basecamp4High­tech – neu treten die beiden Organisationen gemeinsam unter dem Namen ­Be-advanced auf; geleitet wird die Organisation vom früheren ABB-Manager und KMU-Unternehmer Bernard Pittet.

Kein Chef, aber viele Kompetenzen

Beim Hub Bern wird es keinen Chef geben. Für den raschen Erfolg brauche es keine Hierarchie, sondern eine gute Rollenteilung, geben die drei Mitbesitzer Chris Jenny, Miriam Gantert und Nino Müller im Gespräch mit dem «Bund» zu verstehen. Das Team ist breit aufgestellt. ETH-Physikerin Miriam Gantert ist eine erfahrene IT-Projektmanagerin, die grosse Projekte in der Verwaltung, bei der Post und den SBB geleitet hat und daher einen guten Draht zu potenziellen Kunden und Sponsoren hat. Bei ihr werden die Fäden zusammenlaufen. Chris Jenny hat mit Rolf Arni das Work Center Bern, ebenfalls an der Spitalgasse, aufgebaut und dabei gemerkt, wie gross die Nachfrage nach flexiblen Arbeitsplätzen in Bern ist. Raphael Reber betreibt eine Agentur für Webentwicklung, Nino Müller leitet eine IT-Firma und Fotografin Frederike Asael hat früher im Impact Hub Zürich mitgearbeitet, der in vielerlei Hinsicht als Vorbild für den Hub Bern dient.

«Grosse Unternehmen tun sich schwer damit, innerhalb der Firmengrenzen neue Ideen umzusetzen», sagt Miriam Gantert; deshalb brauche es einen Ort, an dem die traditionelle Konzernwelt auf Freelancer und Kreative treffen und beide Seiten voneinander lernen könnten. Das Beispiel von Impact Hub in Zürich zeige, dass das hervorragend funktioniere. Chris Jenny ergänzt, laut einer PwC-Studie dürften schon im Jahr 2020 40 Prozent der Berufstätigen keinen fixen Büroplatz in einer Firma mehr haben.

An Coworking-Angeboten mangelt es in Bern nicht, an Angeboten und Förderprogrammen für Freiberufler und Unternehmer auch nicht. «Was bisher fehlt, ist ein Kompetenzzentrum, welches die vorhandenen Angebote und Kräfte an einem Ort bündelt», sagt Chris Jenny. Deshalb sei es an der Zeit, ein «Leuchtturmprojekt mit Strahlkraft» zu realisieren und damit sichtbar zu machen, dass auch Bern ein gutes Pflaster sei für Jungunternehmer.

Keine Kopie des Zürcher Hubs

Mit dem eigenen Hub will Bern aber nicht einfach Zürich kopieren, sondern speziell in den Bereichen Mobilität, Nachhaltigkeit, Energie und Innovation für Verwaltungen und Verbände Akzente setzen. Zudem soll unternehmerisches Denken schon an der Schule gefördert werden, wie Nino Müller betont – in Bern sei der Schritt in die Selbstständigkeit derzeit für viele Gymnasiasten gar keine Option.

Mittelfristig soll der Hub Bern zum Impact Hub Bern mutieren und so Teil des weltumspannenden Impact-Hub-Netzes werden, dem über 10?000 Mitglieder auf fünf Kontinenten angehören. In den nächsten Wochen stehen aber noch handfestere Themen im Vordergrund. Das Start-up-Team muss nicht nur Projektpartner und Sponsoren finden, sondern auch Möbel zur Einrichtung der Arbeitsplätze der Zukunft.

Der Bund

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