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Hotelierfamilie Manz will das Victoria-Jungfrau

Wer wird der neue Besitzer des Victoria-Jungfrau, des Bellevue Palace, des Eden au Lac? Die Swiss Private Hotel AG der Familie Manz hat das Angebot der Aevis Holding für die Belle-Epoque-Paläste überboten.

Legendäre Belle-Epoque-Palast: Das Victoria Jungfrau in Interlaken.
Legendäre Belle-Epoque-Palast: Das Victoria Jungfrau in Interlaken.
Keystone

Im Übernahmepoker um die Luxushotelgruppe Victoria-Jungfrau Collection (VJC) gibt es ein Angebot mehr. Es stammt von prominenter Seite: Die Swiss Private Hotel AG der Familie Manz offeriert für die vier traditionsreichen Nobelherbergen 277 Fr. je Aktie und übertrifft das seit längerem bestehende Angebot der Aevis Holding.

Aevis hatte das Tauziehen um die Gruppe, die aus dem namengebenden Victoria-Jungfrau in Interlaken BE, dem Bellevue Palace in Bern, dem Palace in Luzern und dem Eden au Lac in Zürich besteht, im Oktober eröffnet. Die Beteiligungsgesellschaft mit den Schlüsselaktionären Michel Reybier und Antoine Hubert bietet 250 Fr. pro Aktie.

Aevis will ein Übernahmeangebot vorlegen, wenn bis zum 30. Dezember 51 Prozent der Aktien zugesichert sind. Zu den Aevis-Beteiligungen gehören die Privatspitäler der Genolier-Gruppe, ausserdem besitzt Investor Reybier schon Hotels. Die Geldgeber erhoffen sich nach dem VJC-Zukauf Synergien.

Die Familie Manz, eine bekannte Grösse im Schweizer Hotelgeschäft, will nun genau am 30. Dezember einen Angebotsprospekt veröffentlichen: Sie beabsichtigt, die Angebotsfrist vom 17. bis zum 30. Januar laufen zu lassen. Damit verlängert sich auch die Angebotsfrist für das Aevis-Angebot.

Neue Runde

In jedem Falle geht der Poker um die vier Belle-Epoque-Paläste der VJC in eine neue Runde. Die Hoteldynastie unter ihrer Chefin Ljuba Manz will zwei Drittel der Aktien angedient bekommen. Dazu muss sie aber zumindest einen Teil der VJC-Grossaktionäre auf ihrer Seite haben.

Ein Teil der VJC-Aktien, die seit Ende November nur noch ausserbörslich gehandelt werden, gehört Kleinaktionären. Grosse Anteilseigner sind dagegen das Kuwait Investment Office (laut Aktienführer mit 23,9 Prozent), die Société Financière Terramaris der französischen Industriellenfamilie Dassault (15,5 Prozent) und die Berner Kantonalbank (12,1 Prozent).

Die VJC-Gruppe nahm kurz und knapp Stellung zum Angebot von Swiss Private Hotel: Man werde es prüfen und zum gegebenen Zeitpunkt sowie unter Einhaltung der rechtlichen Vorgaben dazu Stellung nehmen, liess der VJC-Verwaltungsrat mitteilen.

Ljuba Manz hatte sich zuvor in einem Communiqué zur Lage der Hotelgruppe geäussert: Die VJC habe schwierige Zeiten und Verluste hinter sich. Die Familie Manz wolle sich für die Luxushotellerie der Schweiz engagieren und neue Konzepte umsetzten.

Die Familie Manz betrieb einmal ein Hotelimperium mit über 50 Häusern. Derzeit bestehen die «Manz Privacy Hotels» die Viersternehäuser St. Gotthard in Zürich, Euler in Basel und Continental in Lausanne sowie das Dreisternehotel City Inn in Basel.

Chinesisches Angebot

Eine Stellungnahme zum Manz-Angebot von Aevis war nicht erhältlich. Die Situation werde beobachtet, hiess es über einen Sprecher. Aevis sei allerdings nur an einer Lösung interessiert, die freundschaftlich und einvernehmlich mit der VJC über die Bühne gehe.

Am 5. Dezember war aber auch bekannt geworden, dass der chinesische Investor Yunfeng Gao an den VJC-Hotels interessiert sei. Die Rede war aber nur von einem «fairen Aktienpreis» und ausserdem Mitteln, um das Victoria Jungfrau in Interlaken und das Eden au Lac in Zürich zu renovieren. Wie es um dieses Angebot steht, konnte am Montag nicht in Erfahrung gebracht werden.

Verwaltungsrat will mehr

Der VJC-Verwaltungsrat will eigentlich mehr Geld für das Unternehmen: Sie sieht den fairen Preis für die Häuser bei 300 bis 325 Fr. pro Aktie und begründet dies mit dem wirtschaftlichen Potenzial, das in den vier Häusern steckt. Das Unternehmen sei in einer Turnaround-Phase und die Übernachtungszahlen dürfte vor allem dank Reisenden aus Asien ansteigen.

Anfang Dezember hatte sich die Übernahmekommission eingeschaltet und eine Überprüfung der von der VJC präsentierten «Fairness Opinion» verlangt. Die VJC blieb bei den geforderten 300 bis 325 Fr. pro Anteilsschein.

SDA/kpn

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