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Hotelgäste würden Sterne anders verteilen

Hotelsterne sollen nach neuen Kriterien vergeben werden. Dabei werden Kundenwünsche stärker gewichtet als bisher, verspricht der Branchenverband.

Gibt es eine Minibar? Sind die Armlehnen gepolstert? Und hat die Dusche eine Glastür oder bloss einen Vorhang? Solche und ähnliche Fragen treiben Kontrolleure um, wenn sie Hotels Sterne vergeben. Dabei stellen Touristiker seit längerem fest: Echte Kundenwünsche lauten anders.

Dies beweist seit gestern eine vom Branchenverband Hotelleriesuisse publizierte Gästebefragung unter 2700 Reisenden aus fünf Ländern. Am wichtigsten ist Geschäftsleuten ein bequemes, hochwertiges Bett, am zweitwichtigsten ein geruchsfreies Zimmer und am drittwichtigsten, dass Fotos im Internet das Hotel ehrlich abbilden. Doch diese drei Anliegen beispielsweise figurieren im Sterne-Katalog nur unter ferner liefen oder gar nicht (wie im Fall des Abbilds im Internet). «Weg von quantitativen Normen hin zur Bestimmung von Wohlfühlelementen», definiert Annette Stoffel, Marketing-Chefin bei Hotelleriesuisse, die Marschrichtung.

Wie so oft in der Verbandsmeierei weiss auch Hotelleriesuisse, dass die Beurteilung ihrer Mitglieder veraltet ist. «Wir wussten, was Gästen wichtig ist. Doch jetzt haben wir Fakten, mit denen wir argumentieren können», rechtfertigt Verbandspräsident Guglielmo Brentel das Vorgehen. Dabei verspricht er auch eine Beschleunigung der Abläufe.

Umstrittenes «offenes System»

Dem Pferd etwas mehr Sporen geben, täte dem Verband offenbar gut. Allein um neue Normen zu erarbeiten und sie durchzusetzen, braucht der Verband vier Jahre. Die neuen Sterne-Kriterien sollen 2012 in Kraft treten, sagt Verbandspräsident Guglielmo Brentel. Dabei will er die Änderungen auch juristisch absichern. Bisher vergaben, vereinfacht gesagt, die gleichen Experten Sterne, die über allfällige Beschwerden zu befinden hatten. Der Verband schlägt nun eine Trennung vor. Rekurse sollen von einem unabhängigen Gremium gefällt werden. «Verbandspolitik darf bei künftigen Entscheiden keine Rolle spielen», sagt Brentel. Er spricht von einem «offenen System» dank der «Einbindung von Schweiz Tourismus und des Konsumentenschutzes».

Dabei übergeht er einen wichtigen Teilhaber des Themas, den Branchenverband Gastrosuisse mit rund 5000 Hotels. Gastrosuisse zeigt sich denn auch kritisch. «Die Revisionsvorschläge sind darauf ausgelegt, die gerichtlich geschützte Monopolstellung von Hotelleriesuisse zu zementieren», sagt Direktor Florian Hew. Das System sei alles andere als offen. Ein Beispiel: «In den Kommissionen sitzen bis auf wenige Ausnahmen lauter Hoteliers von Hotelleriesuisse.»

Seit vier Jahren schwelt der Streit um das Recht, Sterne zu vergeben. Seit 1979 klassifiziert Hotelleriesuisse (früher Schweizer Hotelier-Verein) ihre 2200 Mitgliederbetriebe. 2004 wollte Gastrosuisse für ihre Leute eine eigene Vergabestelle, die dem Verband gerichtlich verwehrt wurde. Die Kontrahenten gingen vor Handelsgericht, wo der Prozess noch hängt.

Immerhin freut sich Hew über einige Vorschläge: «Teile der Kategorisierung von Gastrosuisse wie die Ausbildung von Sachverständigen und eine klare Organisation von Beschwerden sind eingebunden.»

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