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Hotelgäste wollen WLAN statt Erotiksender

Die Swisscom will ihr TV-Angebot in Schweizer Hotelzimmer bringen – der Markt hat sich in den letzten Jahren radikal verändert.

Der Fernseher gehört nach wie vor zur Standardausstattung in Hotels – doch wollen viele Gäste Dienste wie Netflix nutzen.
Der Fernseher gehört nach wie vor zur Standardausstattung in Hotels – doch wollen viele Gäste Dienste wie Netflix nutzen.
Georgios Kefalas, Keystone

Im Schweizer Fernsehmarkt tobt ein erbitterter Kampf um jeden Nutzer. Die grossen Telecomanbieter scheuen keinen Aufwand, um sich gegenseitig Abonnenten abzuwerben. Branchenführer Swisscom und Erzrivale UPC tun dies unter anderem über exklusive Sportübertragungen auf ihren Bezahlsendern. Für die teuren Fernsehrechte mussten die Firmen ihre Kassen weit öffnen.

Weil die Zahl der aktuell 3,7 Millionen Privathaushalte nur langsam wächst, halten die Betreiber nach neuen Abnehmern Ausschau. Swisscom ist nun im Tourismus fündig geworden.

Etablierte Konkurrenz

Der Telecomkonzern verkauft sein Fernsehprodukt jetzt auch den Hotels in der Schweiz. Mit 141'000 Zimmern stellt die Übernachtungsbranche ein interessantes Geschäftsumfeld dar. Swisscom wird hier allerdings auf etablierte Mitbewerber wie Kilchenmann aus Kehrsatz BE und AVS Systeme in Hünenberg ZG treffen. Der grösste Schweizer Kabelnetzbetreiber UPC ist ebenfalls aktiv.

Der Branchenverband des TV-Fachhandels will sich zum Einstieg des staatsnahen Betriebs in den von mittelständischen Firmen dominierten Markt vorerst nicht äussern. Die Organisation will abwarten, was die Swisscom tut.

Grund: Viele der 218 Verbandsmitglieder arbeiten mit dem Telecombetreiber zusammen. Zudem ist noch nicht klar, wie Swisscom Vertrieb, Installation und Wartung ihres Hotel-TV-Angebots organisiert. Fernsehfachhändler, die noch nicht in diesem Geschäftsbereich tätig sind, wittern eine Chance.

Erotikmarkt bricht zusammen

Auf den Bildschirmen in den Hotelzimmern hat sich in den letzten Jahren allerdings vieles radikal verändert. Kilchenmann-Chef Ulrich Jost verweist auf die Folgen der Digitalisierung. Vor dem Aufkommen des Internets seien kostenpflichtige Erotikfilme wichtige Ertragsquellen für die Anbieter gewesen. Inzwischen sind Pornoseiten mit Gratis-Inhalten im Netz zu einer kaum noch zu schlagenden Konkurrenz geworden. Und damit sind Einnahmen weggebrochen.

Eine ähnliche Entwicklung zeigt sich bei den mietbaren Spielfilmen. «Die Umsätze bei der Buchung von Hollywood-Produktionen sind zurückgegangen», sagt Peter Dürger, Chef von AVS. Neue Dienste wie Youtube oder Netflix haben Touristen bereits auf ihren Smartphones oder Tablets installiert. Sie brauchen damit kein Fernsehgerät mehr, um sich vor dem Einschlafen zu unterhalten.

An Bedeutung gewinnt gerade deswegen eine schnelle drahtlose Internetverbindung, damit die Hotelgäste Youtube und Netflix einwandfrei schauen können. Hier setzen die Anbieter an, um mit neuen Services die rückläufigen Einnahmen auszugleichen. «Heute ist die Verfügbarkeit von Internet und TV-Basisdiensten im Hotelzimmer wichtig», sagt Kilchenmann-Chef Jost. Eine TV-Box und das Fernsehgerät allein genügen nicht mehr. Gefragt ist ein Gesamtpaket mit Zugang zu WLAN.

Swisscom bietet den Hotels genau das an. Für mehr als 300 Sender und drahtloses Internet verlangt das Unternehmen einen monatlichen Tarif von 35 Franken pro Zimmer. Ein gutes Fernsehangebot mit grossem Bildschirm sei ein wesentliches Kundenbedürfnis, teilt Swisscom zu ihren Erwartungen mit. Das zeige sich auch bei den Hotelbewertungen im Internet.

Exotische Sender einfacher erhältlich

Ganz so schnell werden die mobilen Endgeräte die Flachbildschirm-Fernseher aber kaum verdrängen. Vor allem ältere Touristen mögen weiterhin das klassische TV-Erlebnis.

Gefordert sind die Anbieter auch bei der Auswahl an Programmen. Die Besucher aus dem Ausland verlangen nach Senderlisten, die auch ihr jeweiliges Land berücksichtigen. Gäste aus China, Russland und dem arabischen Raum wollen auf ihren Zimmern Sender aus der Heimat schauen. Solche Kanäle waren bis jetzt nur mit viel Aufwand über Satellit empfangbar. Die Digitalisierung ermöglicht es eben auch, dass exotische Sender via Internet auf unkompliziertere Weise in die Hotels kommen.

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