Hotel Schweizerhof hat das Powerplay verloren

Das Berner Fünfsternhotel hat sich nach dem Umbau geweigert, die Rechnung eines Architekturbüros zu begleichen. Nun verdonnern die Richter den Schweizerhof zur Bezahlung.

Die Bauarbeiten im Schweizerhof verliefen chaotisch, die Eröffnung erfolgte verspätet.

Die Bauarbeiten im Schweizerhof verliefen chaotisch, die Eröffnung erfolgte verspätet.

(Bild: Adrian Moser (Archiv))

Adrian Sulc@adriansulc

Das edle Haus am Berner Bahnhofplatz erhält heute beste Bewertungen von Gästen und Hoteltestern. Vergessen scheint die jahrelange Ungewissheit über die Zukunft des Luxushotels und das Chaos, das während des Umbaus vor sechs Jahren herrschte. Doch hinter den Kulissen stritt sich die Hotel Schweizerhof Bern AG mit verschiedenen Bau- und Planungsfirmen. Am Freitag wurde ein vorübergehender Schlussstrich darunter gesetzt: Das bernische Handelsgericht verurteilte das Hotel zur Zahlung von 463'000 Franken an das Berner Architekturbüro Spörri Graf Partner.

Die Architekten hatten den Auftrag für den Umbau des Schweizerhofs im Juli 2010 erhalten, als dieser bereits in vollem Gange war. Zuvor war das Genfer Hotellerie-Architekturbüro Samuels Creations engagiert, das aber offenbar vom anspruchsvollen Umbau überfordert war. Spörri Graf Partner wurden verpflichtet, obwohl sie keine Erfahrung mit Hotelprojekten hatten, sich jedoch mit historischer Bausubstanz und den Berner Baubehörden auskannten.

Die neuen katarischen Besitzer der Immobilie hatten für den Umbau 45 Millionen Franken budgetiert. Doch als der Umbau bereits begonnen hatte, kamen Spa-Bereich, Personalhaus, Zigarrenlounge und Dachterrasse hinzu, wodurch die Kosten schliesslich auf 62 Millionen Franken angestiegen sind.

Implenia schluckte die Kröte

Offenbar wollten die Schweizerhof-Verantwortlichen einen Teil dieser Kosten auf die Auftragnehmer abwälzen – unter anderem auf die Architekten, den Bauriesen Implenia und das bernische Bauunternehmen Weibel Muri. Implenia und Weibel Muri haben sich mit dem Schweizerhof in aussergerichtlichen Vergleichen geeinigt. Auch die Berner Architekten stiegen im Februar 2011 auf einen Deal ein – weil die Bauherrschaft ihre Rechnung von gut 800'000 Franken noch nicht bezahlt hatte und deshalb Liquiditätsprobleme drohten.

Spörri Graf Partner willigten deshalb ein, dem Schweizerhof einen Rabatt von 10 Prozent zu gewähren, wenn dafür die Rechnung rasch beglichen würde. Wohlweislich forderten sie von der Bauherrschaft aber, dass der Rabatt rückgängig gemacht werden müsse, wenn es zu weiteren Zahlungsverzögerungen kommen werde.

Statt am 1. April 2011 wurde der neue Schweizerhof am 16. April 2011 «weich» eröffnet, das heisst, dass mehrere Stockwerke noch nicht fertig ausgebaut waren. Die Forderungen der Architekten nach einem Baustopp oder nach einer Verschiebung der Eröffnung ist bei den Schweizerhof-Vertretern auf taube Ohren gestossen.

Nach der definitiven Eröffnung des Hotels im Sommer 2011 reichten die Architekten ihre Rechnung für die restlichen Arbeitsstunden ein, insgesamt 380'000 Franken. Die Hotel Schweizerhof Bern AG weigerte sich jedoch, diese zu begleichen, und teilte mit, sie werde die von den Architekten verursachten Mehrkosten mit dem offenen Betrag verrechnen. Spörri Graf Partner wollten sich nicht auf einen weiteren Deal einlassen und forderten den Betrag gerichtlich ein – zusammen mit dem einst gewährten Rabatt von 80'000 Franken.

Die weissen Ritter aus Katar

An sieben Prozesstagen hat das Handelsgericht nun geprüft, ob die Forderungen berechtigt sind. In den Plädoyers der beiden Rechtsanwälte wurden zwei völlig verschiedene Standpunkte vertreten. Peter Burkhalter, der die beklagte Hotel Schweizerhof Bern AG vertrat, zeichnete das Bild eines hoffnungslos überforderten Architekturbüros.

Wegen der schlechten Arbeit hätten weitere Architekten engagiert werden müssen, was den Schweizerhof 1,7 Millionen Franken gekostet habe. Zudem seien dem Hotel wegen der verspäteten Eröffnung Einnahmen von total 3,5 Millionen Franken entgangen. Anwalt Burkhalter, der selbst auch im Verwaltungsrat des Hotels sitzt, bemühte sich zudem, die Investoren aus Katar als weisse Ritter darzustellen, die für die Berner Bevölkerung das Traditionshotel gerettet hätten.

Klägeranwalt Michael Bader hingegen vertrat den Standpunkt, dass die Architekten alles getan hätten, um Ordnung ins Durcheinander zu bringen.

Das Dreiergericht sah die Wahrheit näher bei der Version der Architekten. Die Gerichtsvorsitzende Danièle Wüthrich-Meyer sagte zwar, «es sind durchaus Fehler passiert seitens der Architekten, es war ein ‹Gehetz›». Doch der Schweizerhof habe die Fehler nicht dokumentiert. Auch in der Administration herrschte offenbar ein Chaos, so fehlten die Protokolle vieler Bausitzungen.

Zudem habe die Hotel Schweizerhof Bern AG die Architekten wegen der Kostenüberschreitungen nie abgemahnt, und der Vertrag mit den Architekten sei nicht nach Branchenstandard abgefasst. Die Forderungen nach den entgangenen Einnahmen von 3,5 Millionen Franken sei «eine Behauptung, es fehlt der Nachweis des Schadens».

Neben den besagten 463'000 Franken muss die Hotel Schweizerhof Bern AG auch Verzugszinsen für fünf Jahre begleichen – und dies trotz Tiefzinsphase zu einem Zinssatz von 5 Prozent. Damit erhalten Spörri Graf Partner rund 130'000 Franken Zinsen. Zudem muss das Hotel auch Gerichtskosten von 82'000 Franken und die Anwaltskosten der Architekten von 89'000 Franken bezahlen. «Die Kosten sind enorm hoch», sagte Richterin Wüthrich-Meyer, «es war ein aufwendiges Verfahren», Gericht und Klägeranwalt seien deshalb ans Maximum der möglichen Kosten gegangen.

«Eine Form von Erpressung»

Das Handelsgericht ist erste und zweite Instanz in einem, doch die Hotel Schweizerhof Bern AG kann das Urteil noch ans Bundesgericht weiterziehen. Man werde dies prüfen, hiess es am Freitag. Der Architekt Leo Graf sprach indessen nach der Urteilsverkündung von einer «enormen Genugtuung». Der Druck, den die Hotel Schweizerhof Bern AG aufgesetzt habe, «war eine Form von Erpressung». Der ausstehende Betrag sei für das Architekturbüro «existenziell», deshalb sei es «sehr, sehr glücklich» über das Urteil, sagte Graf.

Der Bund

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