Hiltons Abschied mit happigen Preisen

Die Hotelkette Hilton erhöht die Zimmerpreise während der Baselworld bis zu 80 Prozent und verärgert damit die Kunden aus der Uhren- und Schmuckbranche.

Ombudsmann eingeschaltet: Das Hotel Hilton schröpft die Aussteller der Baselworld nochmals richtig.

Ombudsmann eingeschaltet: Das Hotel Hilton schröpft die Aussteller der Baselworld nochmals richtig.

(Bild: Stefan Leimer)

Ein bekannter Genfer Uhren- und Schmuckhersteller staunte im vergangenen Jahr nicht schlecht, als er die Offerte des Hotels Hilton Basel für seine Zimmerkontingente während der Baselworld 2015 erhielt. Die amerikanische Hotelkette, die ihr Hotel in Basel nur noch bis zum Sommer betreibt, hatte die Preise um rund 80 Prozent gegenüber dem Vorjahr erhöht. Damit kostet ein normales Doppelzimmer pro Nacht bis zu 1000 Franken. Die Preiserhöhung war mit Zusatzleistungen wie Halbpension begründet worden, die aber von den Baselworld-Ausstellern gar nicht genutzt werden können, weil sie tagsüber an der Messe und abends an ihren Firmenanlässen sind. Die Aussteller sprechen denn auch von «inkludierten Pseudo-(Messe-)Zusatzleistungen».

Dem Ombudsmann des Basler Hotelier-Vereins, Urs Hitz, ist der Fall bekannt und er hat auch schon mit der Hilton-Direktion Kontakt aufgenommen. Ironischerweise war Hitz selber langjähriger Direktor des Hilton in Basel und hat dieses erfolgreich und seriös geführt. Er findet die Preiserhöhung im Hinblick auf die Schliessung des Hotels im August ungeschickt. Es hätten mit den Ausstellern jedoch Gespräche stattgefunden und man habe sich dabei gefunden, erklärte der Ombudsmann. Die Preiserhöhung sei teilweise zurückgenommen oder mit zusätzlichen Dienstleistungen kompensiert worden.

Keine Gesprächsbereitschaft

Das gilt aber offenbar nicht für alle Hotelgäste. Die verärgerte Uhren- und Schmuckfirma, die seit vielen Jahren zu den Stammgästen des Hauses gehört, hat ihr Kontingent im Hilton inzwischen auf ganz wenige Zimmer reduziert. Ganz aufgeben kann sie das Hotel nicht, da Betten in Basel während der Uhren- und Schmuckmesse trotz der neuen Hotels wie Novotel und Ibis rar sind. Das Hotelmanagement des Hilton habe für Preisverhandlungen keinerlei Gesprächs­bereitschaft gezeigt, sagte eine Sprecherin der betroffenen Firma zur BaZ. Das Hilton ist leider kein Einzelfall; andere Hotels versuchen ebenfalls, das Preisgefüge bis zur Schmerzgrenze auszureizen. Einige Hotels versuchen, die Höchstpreise nochmals zu erhöhen.

Die Messe kennt das Problem, wie deren Sprecher Christian Jecker auf Anfrage erklärt. «Es haben verschiedene Gespräche mit den betroffenen Hotels stattgefunden und wir haben bei einigen auch Lösungen gefunden, bei anderen aber noch nicht.» Durch die Frankenstärke habe sich die Diskussion um die Hotelpreise eben noch zusätzlich zugespitzt. «Die Aussteller nehmen nicht mehr jeden Preis einfach so hin», betont Jecker. Für die Messe sei es wichtig, ihre Veranstaltungen in einem wettbewerbsfähigen Rahmen durchführen zu können. «Sonst sind unsere Veranstaltungen gefährdet.» Die meisten Hotels seien sich auch durchaus bewusst, wie stark sie vom Messewesen in Basel profitieren. «Und die wenigen anderen, die den Bogen überspannen, laufen Gefahr, den Ast, auf dem sie sitzen, abzusägen», meint Christian Jecker.

Warten auf eine Antwort

Weshalb die Preise im letzten Jahr von Hilton in Basel so massiv erhöht worden sind und ob damit der Abgang vergoldet werden soll, konnte das Management bis gestern Abend nicht beantworten. Der jetzige General Manager des Hilton Basel, Ralph Bartels, forderte die Fragen der BaZ vor zwei Tagen in Englisch an, da nur die PR-&-Communications-Abteilung in den USA Auskunft geben dürfe, und versprach: «Wir haben unser Communications-Team gebeten, die Anfrage schnellstmöglich zu behandeln.» Die Antwort aus den USA steht allerdings noch immer aus.

Nachdem feststand, dass die Baloise einen neuen Hotelturm errichten will, wurden erste Gespräche mit der Hilton-Gruppe über eine Fortführung der Zusammenarbeit aufgenommen. Allerdings hätten sich die amerikanischen Gesprächspartner so arrogant aufgeführt, dass die Verhandlungen abgebrochen wurden. Gleichzeitig setzte Hilton seinen langjährigen Manager in Basel, René Singeisen, aus heiterem Himmel ab. In den Mövenpick-Hotels ist nun eine Betreiberin für das neue Baloise-­Hochhaus gefunden worden.

Essbons und Bankettzwang

Bereits in der Vergangenheit sorgten überhöhte Hotelpreise in Basel bei Ausstellern wie bei Besuchern für rote Köpfe. Mitunter wurden die Preis­erhöhungen mit zusätzlichen, aber für die Gäste unbrauchbaren Leistungen wie Essbons gerechtfertigt. Firmen wurden auch gezwungen, ihre Anlässe im gleichen Hotel durchzuführen, in dem sie ihre Zimmer buchen. Nur so wurde das Kontingent wieder erneuert. Um solche Missstände zu eliminieren hat der Hotelier-Verein die Ombudsstelle mit Urs Hitz besetzt. An ihn können sich die Gäste wenden, wenn sie etwas an ihrem Hotelaufenthalt in Basel zu beanstanden haben. Das funktionierte bislang recht gut. In den letzten Jahren nahmen die Klagen denn auch deutlich ab.

Jetzt aber können offenbar einige Hoteliers den Hals wieder nicht voll genug bekommen. Besonders schwierig ist die Hotelsituation in Basel während der Uhren- und Schmuckmesse, deren Klientel auf einen hohen Standard Wert legt. Neben dem Grandhotel Les Trois Rois und dem Swissotel Le Plaza steht nur noch das Hilton als 5-Sterne-Haus zur Verfügung. Diese Option fällt aber mit dem Abbruch des Hotels im ­kommenden Jahr weg. Zwar gibt es auch neue Hotelprojekte, doch in der höchsten Kategorie ist und bleibt das Angebot knapp.

Basler Zeitung

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