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Grosser Aufwand durch «pingelige» Vorschriften

Regulierungen, Dokumente, Formulare: Die Mehrzahl der hiesigen Unternehmen klagt über zu viel Bürokratie in der Schweiz. Einige Branchen sehen sich gar als hoch belastet.

Strenge Kontrollen: Unternehmen aus dem Bereich der Lebensmittelhygiene empfinden sich durch Regulierungen hoch belastet. Hier testet ein kantonaler Lebensmittelkontrolleur die Temperatur im Kühlregal (Archiv).
Strenge Kontrollen: Unternehmen aus dem Bereich der Lebensmittelhygiene empfinden sich durch Regulierungen hoch belastet. Hier testet ein kantonaler Lebensmittelkontrolleur die Temperatur im Kühlregal (Archiv).
Keystone

Die Mehrheit der Unternehmen in der Schweiz wünscht sich weniger Bürokratie. Dies hat eine repräsentative Befragung im Auftrag des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) ergeben. In der Wahrnehmung der Unternehmen hat die Belastung durch staatliche Regulierungen zugenommen.

Zunahme gegenüber erster Befragung

54,2 Prozent der befragten Unternehmen nehmen die Belastung als hoch oder eher hoch wahr, 45,8 Prozent als gering oder eher gering, wie das Seco mitteilte. Bei der ersten Befragung vor zwei Jahren hatten noch 50,5 Prozent der Unternehmen über eine hohe oder eher hohe Belastung geklagt.

Nicht geändert hat sich die Einschätzung zur Belastung in verschiedenen Bereichen. Am grössten ist die Belastung aus Sicht der Unternehmen im Bereich Lebensmittelhygiene, gefolgt von den Bereichen Bauvorhaben, Berufsbildung/Lehrlingswesen, Rechnungslegung/Revision und Mehrwertsteuer.

Höhere Belastung

Insbesondere bei den Bauvorhaben und der Berufsbildung habe der Aufwand in den letzten Jahren zugenommen, finden die Unternehmen. Eine Zunahme wird auch bei den Vorschriften für Banken und Finanzintermediäre sowie zu Lebensmittelhygiene und Umwelt festgestellt.

Je höher die durchschnittliche subjektive Belastung für einen Bereich, desto höher sind in der Regel auch die angegeben tatsächlichen Arbeitsstunden. Dies trifft allerdings nicht auf Vorschriften für Banken und Finanzintermediäre zu. Hier werde ein durchschnittlich relativ hoher Arbeitsaufwand als weniger belastend empfunden, heisst es in der Studie. Es scheine, als würde ein grosser Aufwand hier besser toleriert.

Weniger als 20 Stunden im Monat

Weiter zeigt die Befragung, dass Grossunternehmen die Belastung durch die Bürokratie höher bewerten als KMU. Die Grossunternehmen haben auch mehr zeitlichen Aufwand: Mehr als die Hälfte der KMU investiert nach eigenen Angaben eine bis 20 Stunden pro Monat, bei den Grossunternehmen hat etwa die Hälfte mehr als 100 Stunden Aufwand monatlich.

Für die Rechnungslegung und Revision beispielsweise wenden die befragten Unternehmen im Durchschnitt 9 Stunden im Monat auf. Bei den KMU sind es 8 Stunden, bei Grossunternehmen 63 Stunden. Für die Lebensmittelhygiene wenden KMU der betroffenen Branchen 11 Stunden und Grossunternehmen 27 Stunden auf. In die Berufsbildung und das Lehrlingswesen investieren KMU durchschnittlich 8 Stunden und Grossunternehmen 41 Stunden.

«Nicht so pingelige MWST-Revisionen»

Die Unternehmen hatten in der Befragung auch die Möglichkeit, Verbesserungsvorschläge anzubringen. 65 Prozent der Befragten machten keine Vorschläge. Von den übrigen wünschten sich viele eine Vereinheitlichung und Vereinfachung der Vollzugsprozesse, beispielsweise durch E-Government-Angebote.

Vor allem bei der Mehrwertsteuer fordern die Unternehmen eine elektronische Abwicklung und Vereinfachungen. «Vereinfachung generell und nicht so pingelige MWST-Revisionen», schrieb etwa ein Unternehmen. «Die Gestaltung der Sätze ist ein Witz», moniert ein anderes. Gefordert wird auch ein Mehrwertsteuer-Einheitssatz.

«Keine Partikelfilter für Baugeräte»

Bei den Bauvorschriften wünschen sich die Unternehmen kürzere und klar definierte Fristen für behördliche Entscheide. Es dürfe nicht sein, dass eine Einsprache ein Bauvorhaben über Jahre blockiere, stellt ein Unternehmen fest. Weiter ärgern sich Unternehmer über Bagatell-Baugesuche oder Partikelfiltervorschriften für Baugeräte.

1809 Unternehmen befragt

Für den «Bürokratiemonitor» sind im Auftrag des Seco im Herbst 2014 insgesamt 1809 Unternehmen befragt worden. Die repräsentative Befragung wurde nach 2012 zum zweiten Mal durchgeführt. Das Ziel sei es, dem subjektiven Aspekt der Belastung aufgrund gesetzlicher Vorschriften Rechnung zu tragen, schreibt das Seco.

Der Bundesrat werde im Rahmen des nächsten Berichts zur administrativen Entlastung über eine Fortführung des Bürokratiemonitors entscheiden. Der Bericht soll in der zweiten Jahreshälfte verabschiedet werden. Aktuell wird die Belastung durch staatliche Regulierungen vor allem im Zusammenhang mit dem starken Franken diskutiert. Die Wirtschaft fordert nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses Deregulierung.

SDA/spu

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