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Grossauftrag für die Ruag – dank einem Wahlversprechen in Venezuela

Der Industriekonzern Ruag hat wieder einen Käufer für die selbst produzierte Dornier 228 gefunden.

Im bayrischen Oberpfaffenhofen kann die Ruag ihre Flugzeugproduktion nun wieder aufnehmen (Dornier 228 im Rohbau).
Im bayrischen Oberpfaffenhofen kann die Ruag ihre Flugzeugproduktion nun wieder aufnehmen (Dornier 228 im Rohbau).
zvg

Eine Schönheit ist sie nicht, die Dornier 228. Mit ihrem eckigen Rumpf und dem Entenschnabel ist die Propellermaschine kein Star am Aviatik-Himmel. Dafür ist das Flugzeug robust. Es landet auf Sandpisten in Bangladesh und auf Schotterpisten im Himalaja. Und bald auch auf Kleinstflugplätzen in der venezolanischen Provinz. Denn der südamerikanische Staat hat beim staatlichen Rüstungs- und Technologiekonzern Ruag zehn der Flugzeuge bestellt.

Damit löst Venezuelas Regierung ein Wahlversprechen von Nicolás Maduro ein, wie die Ruag gestern mitteilte. Maduro wurde im vergangenen April als Nachfolger von Hugo Chávez zum Staatspräsidenten gewählt. Im Wahlkampf versprach er den Bewohnern abgelegener Ortschaften Flugverbindungen in regionale Zentren. Deshalb ist auch die venezolanische Regierung und keine Fluggesellschaft Bestellerin der Flugzeuge, wie Ruag-Sprecher Jiri Paukert sagt.

Die deutsche Dornier 228 kam bereits 1981 auf den Markt. Die Ruag hatte das Dornier-Werk im bayrischen Oberpfaffenhofen 2004 aus der Konkursmasse des gescheiterten Unternehmens Dornier-Fairchild übernommen. Vor vier Jahren brachte die Ruag eine überarbeitete Version der Dornier 228 auf den Markt («New Generation»). Deutschland, Norwegen, Japan und Bangladesh kaufen einige Exemplare der Maschine. Als Passagiermaschine bietet das Propellerflugzeug wenig Komfort. In Europa fand die Ruag aber staatliche Kunden, die mit der Dornier 228 unter anderem Flüge zur Messung der Luftverschmutzung durchführen. Denn die geräumige Kabine mit ihren flachen Wänden eignet sich für den Einbau von technischen Geräten.

Stellenabbau im Frühling

Doch das Geschäft lief schleppend. Diesen Frühling musste die Produktion mangels Nachfrage bis auf weiteres eingestellt werden, die Ruag entliess in Oberpfaffenhofen rund 100 Angestellte. Der Grossauftrag aus Venezuela umfasst acht neu hergestellte Dornier 228, zwei revidierte Occasionsmaschinen, dazu Schulungen, Ersatzteile und Ausrüstung für den Unterhalt der Maschinen. Dies spült dem Industriekonzern über die nächsten Jahre verteilt rund 100 Millionen Franken in die Kasse.

Und der Auftrag befeuert bei der Ruag die Hoffnung, mit dem nicht ganz taufrischen Flugzeug wieder im Rennen zu sein. «Der Auftrag ist ein Befreiungsschlag», sagt Ruag-Sprecher Paukert. Man sei mit «mehreren Interessenten» im Gespräch, weitere Bestellungen für die Dornier 228 lägen jedoch noch nicht vor. Deshalb ist eine Aufstockung der Stellen in Oberpfaffenhofen derzeit laut Paukert keine Option. Denn Ruag habe die nötigen Spezialisten im Unternehmen behalten und könne das Personal nun wieder der Dornier-Produktion zuteilen.

Kein militärischer Einsatz

Am bayrischen Standort stellt die Ruag auch Rumpfteile für das Airbus-Linienflugzeug A320 und für Bombardier-Kurzstreckenmaschinen her. Die einzelnen Komponenten für die Dornier 228 bestellt die Ruag wiederum bei einem indischen Hersteller.

Venezuela werde die 19-plätzigen Passagiermaschinen rein zivil einsetzen, sagt Ruag-Sprecher Paukert. «Mir wäre nicht bekannt, dass eine Dornier jemals bewaffnet wurde.» Die Dornier-Flugzeuge würden dazu beitragen, dass die Bevölkerung in entlegenen Gegenden besseren Zugang zu Spitälern und anderen öffentlichen Einrichtung erhalte.

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