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Goldman Sachs sieht sich selbst als Opfer

Die US-Börsenaufsicht hat die Investmentbank wegen Milliardenbetrugs angeklagt. Jetzt bemüht sich Goldman Sachs um Schadensbegrenzung und geht in die Offensive.

In Erklärungsnot: Lloyd Blankfein, CEO von Goldman Sachs.
In Erklärungsnot: Lloyd Blankfein, CEO von Goldman Sachs.
Keystone

Die unter Betrugsverdacht stehende US-Investmentbank Goldman Sachs kämpft um ihren guten Ruf. Sie sieht sich selbst als Opfer des Finanzgeschäfts, bei dem sie ihre Kunden nach Ansicht der US-Börsenaufsicht SEC getäuscht und um mehr als 1 Mrd. Dollar gebracht hat. «Goldman Sachs hat bei der Transaktion Geld verloren», liess das renommierte Wall-Street-Haus am späten Freitag wissen. Den eingenommenen Gebühren von 15 Millionen Dollar hätten eigene Verluste von mehr als 90 Millionen Dollar gegenüber gestanden.

Die SEC wirft Goldman Sachs vor, ihre Anleger Anfang 2007 zum Kauf eines Finanzprodukts animiert zu haben, das von vornherein zum Scheitern verurteilt war. Denn ein grosser Hedgefonds wirkte nach Erkenntnissen der Börsenaufsicht insgeheim am Aufbau des Portfolios aus US-Hypothekenpapieren mit und packte nur minderwertige Ware hinein.

Anschliessend habe der Hedgefonds mit sogenannten Kreditausfallversicherungen auf ein Scheitern gewettet, was durch den Einbruch am US-Häusermarkt tatsächlich geschah. Der Hedgefonds Paulson & Co. soll so rund 1 Milliarde Dollar verdient haben.

«Anleger kannten Risiken»

Goldman Sachs blieb dabei, dass die Anklage der SEC unbegründet sei. «Wir haben kein Portfolio geschaffen, dass dafür bestimmt war, Geld zu verlieren.» Die Anleger seien allesamt erfahrene Marktteilnehmer gewesen und hätten um die Risiken gewusst.

Die Auswahl der Papiere im Portfolio habe die unabhängige Finanzfirma ACA getroffen, selbst der grösste Investor. Auch Goldman Sachs habe auf steigende Kurse gesetzt und deshalb letztlich Verluste eingefahren.

An den Gesprächen über den Aufbau des Finanzprodukts habe aber auch der Hedgefonds Paulson teilgenommen, räumte Goldman Sachs ein. Dies sei bei solchen Geschäften üblich.

Die SEC sagt, Paulson habe die Szenerie bestimmt und verweist in ihrer Anklageschrift auf E-Mails des verantwortlichen Goldman-Managers Fabrice Tourre. Dieser steht ebenfalls unter Anklage. Den Hedgefonds will die SEC dagegen nicht belangen, denn schliesslich habe Goldman Sachs das Produkt vertrieben, nicht Paulson.

Milliardenstrafe droht

Falls Goldman Sachs verurteilt werden sollte, droht nach ersten Schätzungen von Branchenkennern eine Milliardenstrafe. Zu dem von der SEC angestrengten Zivilprozess könnte zudem ein Strafprozess kommen. Laut US-Medien schaut sich das Justizministerium den Fall bereits an.

Es ist das erste Mal, dass die Börsenwächter bei einem derartigen Geschäft einschreiten. Für die Investmentbanken könnte das den Beginn härterer Zeiten bedeuten, denn viele von ihnen hatten ähnliche Finanzprodukte aufgelegt.

SDA/vin

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