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Glencore erhöht Angebot für Xstrata

Im Poker um die Elefantenhochzeit in der Rohstoffbranche hat Glencore heute Mittag nachgelegt. Offenbar will Ivan Glasenberg dann das neue Unternehmen auch leiten – anstelle des vorgesehenen Xstrata-Chefs.

Kündigte die Verschiebung an und reiste wieder ab: Glencore-Verwaltungsratspräsident Simon Murray verlässt die GV in Zug. (7. September 2012)
Kündigte die Verschiebung an und reiste wieder ab: Glencore-Verwaltungsratspräsident Simon Murray verlässt die GV in Zug. (7. September 2012)
Reuters

Der weltgrösste Rohstoffkonzern Glencore will für die Übernahme des Bergwerkkonzerns Xstrata nun doch mehr zahlen. Das Unternehmen besserte sein Angebot auf 3,05 eigener neuer Aktien für eine Xstrata-Aktie auf. Der Entscheid fiel heute nach der kurzfristig abgesagten Generalversammlung von Glencore, welche über die Fusion hätte beschliessen sollen. Der Schritt war von Beobachtern erwartet worden, nachdem sich die Fusionsgespräche in den letzten Wochen festgefahren hatten.

Auch der Bergwerkkonzern Xstrata hat seine GV verschoben. An der ebenfalls für heute angesetzten Generalversammlung wäre das ursprüngliche Glencore-Angebot von 2,8 neuen Glencore-Aktien durchgefallen. Der Übernahmepreis hätte sich damit auf 33 Milliarden Dollar belaufen.

Glasenberg soll Chef werden

Die Führung von Xstrata hat das nachgebesserte Übernahmeangebot zur Kenntnis genommen. Die Aktionäre sollen an einer neuen Generalversammlung darüber abstimmen. Das Datum müsse noch festgelegt werden. Diese Ankündigung sei nicht in Abstimmung mit Glencore gemacht worden, hiess es.

Eine Empfehlung zur Annahme des Angebotes gab Xstrata zunächst nicht ab. Die noch nicht druckfeste Offerte müsse zuerst geprüft werden. Der Plan sehe vor, dass Glencore-Chef Ivan Glasenberg auch CEO des fusionierten Konzerns werde. Zuvor sah der Plan vor, den heutigen Xstrata-Chef Mick Davis auf diese Position zu hieven.

Katar und Norwegen stellen sich quer

Die Staatsholdings von Katar und Norwegen widersetzten sich dem Angebot. Qatar Holdings verlangte 3,25 neue Glencore-Aktien. Um den Deal scheitern zu lassen, sind an der Xstrata-GV lediglich 16,5 Prozent der Stimmen nötig. Da auch andere Aktionäre opponierten, kommen die beiden Staatsfonds problemlos auf das nötige Quorum. Glencore, das bereits 34 Prozent an Xstrata hält, darf gemäss dem an der GV geltenden britischen Recht nicht abstimmen. In der Generalversammlung von Xstrata könnten nur 16,5 Prozent der Stimmen genügen, um die Fusion zu Fall zu bringen.

Die Xstrata-Aktien reagierten am Morgen mit einem Kurssprung auf die Nachricht, dass der Entscheid vertagt worden sei. Gegen 11.30 Uhr notierte der Titel bei knapp unter 16 Franken um gut 8 Prozent über dem Vortagesschluss.

Zuvor keine Zugeständnisse

Glencore-Chef Ivan Glasenberg hatte bis heute eisern jede Nachbesserung verweigert. Er erklärte, ein Scheitern der Fusion wäre nicht das Ende der Welt. Glencore arbeitete seit Jahren an einer Übernahme. Branchenexperten gehen davon aus, dass der Börsengang des Rohstoffhändlers dem Zweck diente, genügend Mittel für die Xstrata- Übernahme zu sammeln.

Die Generalversammlungen von Xstrata und Glencore waren bereits im Juli verschoben worden. Grund war damals auch eine Nachbesserungsforderung von Qatar Holding sowie der Groll der Aktionäre wegen Prämien für 73 Xstrata-Manager, unter ihnen Generaldirektor Mick Davis.

Xstrata verbuchte im ersten Halbjahr 2012 einen Gewinneinbruch um 42 Prozent, weil die Rohstoffpreise gesunken sind. Mehrere Minenprojekte werden nach und nach geschlossen. Nach einer Transitionsphase sollten die Geschäfte dank neu eröffneter Minen etwa in Peru wieder Schwung bekommen.

Mega-Konzern am Horizont

Bei einer Fusion von Glencore und Xstrata entstünde ein Mega-Konzern, der vom Abbau von Industriemetallen und Brennstoffen bis hin zum Handel und Verkauf an den Endkunden alle Wertschöpfungsstufen abdeckt.

Das 1974 vom Rohstoffhändler Marc Rich gegründete Unternehmen Glencore (Global Energy Commodity and Resources) handelt mit Metallen und Mineralien wie Aluminium, Zink, Kupfer, Nickel, Kobalt und Eisenerz, aber auch mit Rohöl, Kohle und Koks. Drittes Standbein ist der Verkauf von Agrarprodukten wie Weizen, Gerste, Zucker, Mais und Speiseöl. Glencore beschäftigt mehr als 58'000 Menschen in über 30 Ländern.

Die Wurzeln des weltweit tätigen Bergbauunternehmens Xstrata reichen bis ins Jahr 1926 zurück, als die Firma unter dem Namen Südelektra AG gegründet wurde. 1999 benannte sich das Unternehmen in Xstrata um und operiert inzwischen mit mehr als 70'000 Mitarbeitern in über 20 Ländern.

Im Mittelpunkt stehen der Abbau von Kohle, Kupfer, Nickel und Zink sowie Legierungen für die Stahlindustrie und Technologien für den Bergbau. Der Umsatz lag 2011 bei rund 33,9 Milliarden Dollar.

(SDA)

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