Glasenberg wurde zum Milliardär – die Anleger haben das Nachsehen

Glencore ging im Jahr 2011 an die Börse. Jetzt wird der Generationenwechsel eingeläutet.

Unter Druck: CEO Ivan Glasenberg auf dem Weg zur Glencore-Jahresversammlung in Zug. (2. Mai 2018)

Unter Druck: CEO Ivan Glasenberg auf dem Weg zur Glencore-Jahresversammlung in Zug. (2. Mai 2018) Bild: Alexandra Wey/Keystone

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Korruptionsvorwürfe, Klagen von Aktionären, Untersuchungen der US-Justiz und Ermittlungen in Kanada – der Baarer Rohstoffkonzern Glencore steht von mehreren Seiten her unter Druck. Doch Konzernchef Ivan Glasenberg zeigt sich nicht beunruhigt. An der Telefonkonferenz mit Analysten und Journalisten vom vergangenen Montag gab er sich gewohnt selbstsicher. Er sprach vom Handelsstreit zwischen Amerika und China, der den Sektor beeinträchtige, weil weniger investiert werde. Die Nachfrage nach Rohstoffen sei aber solide.

Glasenberg bestätigte die Ziele für das laufende und das kommende Jahr. 2019 will er Schulden abbauen, Aktien zurückkaufen und eine Dividende zahlen. «Business as usual» für den Mann, der seit 2002 an der Spitze steht. Kritische Fragen beantwortete Glasenberg ebenso zügig, wie er dabei unbekümmert wirkt. Auf die Untersuchungen und die umstrittenen Geschäfte im ­Kongo oder in Venezuela ging er nicht weiter ein. Die Angelegenheiten belasten die Aktie seit ­Monaten – in diesem Jahr hat sie 15 Prozent verloren.

Umstrittenes Kohlegeschäft

Ein Journalist sprach Glasenberg darauf an, dass sein Unternehmen stark auf Kohle setzt, was aufgrund der Klimaerwärmung umstritten sei und deshalb auf Nachhaltigkeit bedachte Investoren abschrecke. «Ich bin kein Wissenschaftler und äussere mich nicht zum Klimawandel», sagte Glasenberg. Es sei aber nicht generell auf das Kohlegeschäft zurückzuführen, dass die Glencore-Aktie unterbewertet sei. Vielmehr würden die Leute nicht glauben, dass der Kohlepreis hoch bleibe. «Ich bin weiter positiv gestimmt für Kohle», erklärte der 61-Jährige. In Ländern wie Indien, Pakistan oder Malaysia werde kräftig in entsprechende Kraftwerke investiert.

Im Mai 2011 kam Glencore an die Börse, rund 500 Mitarbeiter kassierten ab. Sie hatten in früheren Jahren die Möglichkeit, sich an der Firma zu beteiligen, vielen wurden Aktien als Lohnbestandteile zugeteilt. Fünf Spitzenmanager sind beim Börsengang Milliardäre geworden. Ivan Glasenbergs Anteil von damals 15,8 Prozent entsprachen knapp 10 Milliarden Franken.

Geldsegen für den Staat

Auch der Staat profitierte vom Geldsegen. Glasenbergs Wohngemeinde Rüschlikon ZH meldete für 2011 «einen unvorhersehbaren Einmaleffekt bei den Staatssteuern für natürliche Personen von 247 Millionen Franken». Auch Zug und mehrere Gemeinden des Kantons, in denen Glencore-Manager wohnten, meldeten «einmalige Sondereffekte in Millionenhöhe». Weniger rosig sieht es für die Aktionäre aus, die im Mai 2011 einstiegen – darunter Pensionskassen und Kleinanleger. Ihre Investition steht 42 Prozent im Minus (ohne Berücksichtigung der Dividenden).

Übersicht: Die Glencore-Aktie seit dem Börsengang.

Im Januar wird Glasenberg 62 Jahre alt. Auch die Fragen zu seinem Rücktritt und dem Nachfolger beantwortete er locker. «Ich hoffe, er sieht aus wie ich, einfach jünger», scherzte er und versicherte, die Firma in drei bis fünf Jahren in einem guten Zustand zu übergeben. Laut Glasenberg kommen aktuell vier Personen als Nachfolger infrage. Eine Frau sei nicht dabei. «Das kann sich aber noch ändern», fügte er an. Unter den 30 Glencore-Topmanagern sind nur zwei Frauen – die Personal- und die Nachhaltigkeitschefin.

Dass der Generationenwechsel eingeleitet ist, wurde am Montag bei Bekanntgabe von mehreren neuen Spartenchefs bekannt. Vor allem eine Personalie gibt dabei zu reden: Aristotelis Mistakidis (56) tritt als Chef des Kupfergeschäfts zurück. Er ist seit 1993 dabei und einer der Milliardäre des Börsengangs. Vermutet wird, dass Mistakidis wegen der Korruptionsvorwürfe betreffend die afrikanischen Kupferminen nicht freiwillig abtritt. Glasenberg hat dies aufgrund der laufenden Untersuchungen nicht kommentiert.

Glencore sei nach den schwierigen Zeiten vor drei Jahren, als Glasenberg gezwungen war, das Agrargeschäft zu verkaufen, gut aufgestellt, um von der nach wie vor intakten Konjunktur zu profitieren, heisst es bei der Zürcher Kantonalbank. Der Ausgang der Wette auf den Kohlepreis und die Untersuchungen der US-Justiz werden dereinst über die Bilanz der Ära Glasenberg entscheiden.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 06.12.2018, 18:06 Uhr

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