Geschäfte mit dem Iran? «Warum nicht»

Die Fusion von Glencore und Xstrata gilt als grösste Übernahme des Jahres. Laut Gründer Marc Rich bringt der Deal Glencore Macht, nötig sei er aber nicht. Zudem sprach er über seine früheren Iran-Geschäfte.

Stand jahrelang auf der FBI-Liste der meistgesuchten Männer. Präsident Bill Clinton begnadigte ihn schliesslich: Glencore-Gründer Marc Rich.

Stand jahrelang auf der FBI-Liste der meistgesuchten Männer. Präsident Bill Clinton begnadigte ihn schliesslich: Glencore-Gründer Marc Rich.

(Bild: Keystone)

Es ist die weltgrösste Übernahme des Jahres: Glencore und Xstrata wollen sich zusammentun. Nun äussert sich Glencore-Gründer Marc Rich zu der geplanten Fusion. Der ehemalige Rohstoffhändler erwartet für Glencore mehr Macht und Stärke dank der Fusion mit Xstrata. «Nötig ist es nicht, denn Glencore beherrscht Xstrata sowieso dank einer grossen Minderheitsbeteiligung», sagt er im Interview mit dem Wirtschaftsmagazin «Bilanz».

Doch gerade im Rohstoffmarkt zähle Grösse und Macht sehr viel. «Je grösser eine Firma ist, desto mehr Marktmacht hat sie und kontrolliert damit auch leichter die Preisgestaltung. Am Ende bedeutet das höhere Gewinne», sagt Rich.

Keine Beteiligungen

Beteiligungen an den beiden Rohstoffunternehmen halte er keine mehr. Er sei aus beiden Investments ausgestiegen, sagte er. Rich ist heute nebst dem Anlagegeschäft und Kunsthandel auch im Immobiliengeschäft tätig - «hauptsächlich in Spanien», wie er im Interview festhält. Dabei betreue er via Marc Rich Group rund 25 Projekte.

Die Gruppe hält nur Land auf der iberischen Halbinsel. «In der Krise stellt sich das als Vorteil heraus», sagt Rich. Ohnehin bewege sich seine Firma immer mehr weg von den Finanzmärkten, «denn diese sind längst aus dem Gleichgewicht geraten». Mit realen Werten hätten die Finanzmärkte nichts mehr zu tun.

Dabei kritisiert Rich insbesondere die Leute im Finanzgeschäft. Es scheine, als seien sie völlig überfordert. «Ich weiss nicht, ob es ihnen an Ausbildung und Erfahrung mangelt oder einfach an Engagement», so der Multimillionär. «Jedenfalls hat man den Eindruck, dass sie nicht das richtige Gefühl für ihre riskanten Anlagevehikel entwickeln.»

Partner im Iran

Marc Rich hatte in den Siebziger- und Achtzigerjahren unter anderem auch mit dem Iran Geschäfte gemacht. Deswegen und wegen Steuerhinterziehung und Falschaussage wurde Rich 1983 in den USA angeklagt. Jahrelang stand er auf der Liste der meistgesuchten Männer des US-Bundesbehörde FBI. Zum Prozess kam es nie, da sich Rich in die Schweiz absetzte. 2001 wurde er von Präsident Bill Clinton begnadigt.

Auch heute, sagt er, würde er mit dem Iran Handel treiben. «Wenn es möglich wäre, warum denn nicht?» Er habe immer noch Partner im Iran, auf die er sich verlassen könne.

Die Kritik an den Rohstofffirmen in der Schweiz wegen ihrer Intransparenz und Profitgier lässt der 77-Jährige nicht gelten: «Unsere Konsumgesellschaft fordert ihren Tribut. Und nun sollen die Beschaffer an den Pranger gestellt werden? Ich verstehe diesen Widerspruch nicht.»

Rich lebt in Meggen LU. Kürzlich wurde in der Presse spekuliert, dass er aus der Schweiz wegziehen könnte. Es stimme, dass er sein Haus in Meggen habe verkaufen wollen, sagt er nun, doch nur weil es ihm zu gross geworden sei. Der von ihm verlangte Preis sei nicht erzielt worden, also bleibe er in der Villa und betont: «Ich werde nie aus der Schweiz wegziehen, sie wurde zu meiner Heimat.»

wid/sda

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