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Genf ginge es ohne Ausländer schlechter

Der Kanton Genf verdankt seinen Wohlstand laut einer Studie zu grossen Teilen der Migration.

Wohlstand dank Öffnung: Passanten in der Stadt Genf. (Archivbild)
Wohlstand dank Öffnung: Passanten in der Stadt Genf. (Archivbild)
Keystone

Mehr als die Hälfte der im Kanton Genf lebenden Erwachsenen sind im Ausland geboren. Die Unternehmen würden ohne diese Arbeitskräfte nicht mehr funktionieren. «Die Öffnung Genfs gegenüber der Welt scheint die hiesige Wirtschaft anzutreiben. Die Zahlen zeigen, dass ein übersteigerter Protektionismus dem Wachstum der Wirtschaft schadet», kommentierte Hélène de Vos Vuadens, stellvertretende Direktorin der Genfer Kantonalbank, die Studie «Die Handwerker der Genfer Wirtschaft» am Donnerstag vor den Medien.

Die Untersuchung, realisiert von Philippe Wanner und Yves Flückiger von der Universität Genf sowie Marian Stepczynski, ist die achte dieser Art, die von der Genfer Industrie und Handelskammer, der Genfer Kantonalbank und dem kantonalen Amt für Statistik publiziert wurde. Ihr Ziel war es, den Zusammenhang zwischen dem Einwanderungsstrom und dem heutigen Genf zu ermitteln.

Uhren von Franzosen, Banken von Italienern

Die Studie macht zuerst einen Exkurs in die Vergangenheit und stellt fest, dass die Einwanderung in Genf eine sehr lange Tradition hat. Die Uhrmacherkunst verdankt die Stadt beispielsweise den Franzosen, die Banken den Italienern, wie Stepczynski ausführte. Ab 1750 bildeten die Waadtländer und Neuenburger die bedeutendste Migrationsgruppe. Sie waren vor allem in der Bauindustrie tätig.

Die erste eidgenössische Volkszählung von 1850 zeigt, dass Genf als bevölkerungsmässig fünftstärkster Kanton einen Viertel Ausländer und über 20 Prozent der ausländischen Bevölkerung der gesamten Schweiz zählte: «Eine einmalige Situation in der Schweiz», hielt Stepczynski fest. Noch vor dem ersten Weltkrieg erreichte der Ausländeranteil in Genf 42 Prozent. Anschliessend liess er bis 1941 wieder nach.

Unternehmen werden international

Nach dem zweiten Weltkrieg entwickelte sich die Genfer Wirtschaft weiter und wurde internationaler. Kleinere und mittlere Unternehmen, die in Forschung und Spitzentechnologie aktiv waren, ersetzten die grossen industriellen Betriebe. In der Folge kamen viele Arbeitskräfte aus Südeuropa, die mittelmässig bis schlecht qualifiziert waren. Parallel dazu liessen sich grosse multinationale Unternehmen - schweizerische und ausländische - nieder, was den Einwanderungsstrom weiter beschleunigte.

Heute hat, alle Sektoren zusammengenommen, einer von zwei Angestellten in Genf eine ausländische Nationalität. In der öffentlichen Verwaltung ist das Verhältnis der Ausländer mit 53 Prozent etwas schwächer als im Bausektor, wo es 81 Prozent beträgt. Die Abhängigkeit von ausländischen Arbeitskräften betrifft aber ebenso die schwächer qualifizierten Branchen wie auch die hoch spezialisierten Berufe, wie die Studie festhält.

Rekord mit 192 Nationen

Mit 40,9 Prozent Ausländerinnen und Ausländern aus 192 verschiedenen Nationalitäten verzeichnet der Kanton Genf einen schweizerischen Rekord. Portugiesen, Franzosen, Italiener und Spanier bilden die Hälfte der ausländischen Bevölkerung.

Beeindruckt zeigte sich Stepczynski auch von der «phänomenalen Anzahl» Unternehmen, die von Ausländern gegründet werden. «Da muss man sich fragen, ob sie nicht viel dynamischer sind als der Rest der Bevölkerung», meinte Stepczynski.

Die Migration in den letzten fünf Jahren charakterisiert sich laut der Studie durch die Einreise von jungen, gut ausgebildeten Franzosen, Portugiesen und Italienern. Sie sind im Schnitt 36 Jahre alt und treffen auf ein Genf und eine Schweiz, die in verschiedenen Berufen zu wenig Leute ausbildet.

Mehr als andere Regionen in der Schweiz habe die Agglomeration Genf von der Migration profitiert, kommt die Studie zum Schluss. Dieser beachtliche Reichtum sei gleichzeitig aber auch eine Schwäche, wäre doch die gesamte Wirtschaft durch eine Änderung der Rahmenbedingungen betroffen.

SDA/fko

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