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Geld von Novartis & Co. – doch wofür?

Seit heute müssen Pharmafirmen angeben, welche Mediziner und Spitäler sie sponsern. Ein Arzt erzählt, wofür er Geld annimmt.

Harter Pharma-Konkurrenzkampf um Präsenz bei den Medizinern: Herzchirurg René Prêtre bei einer Herzoperation. (Archivbild: Keystone)
Harter Pharma-Konkurrenzkampf um Präsenz bei den Medizinern: Herzchirurg René Prêtre bei einer Herzoperation. (Archivbild: Keystone)

Arzt R. G. hat 800 Franken von Novartis bekommen, Arzt A. S. über 9000 Franken von Roche: Auf den Transparenzlisten, mit denen Schweizer Pharmafirmen seit Ende Monat die Zahlungen an Ärzte, Wissenschaftler und medizinische Institutionen ausweisen, wimmelt es von Zahlen. Doch will man erfahren, wofür der eigene Arzt Geld von den Pharmariesen erhalten hat, wird es unkonkret.

Die Geldleistungen sind auf den Transparenzlisten (zum Beispiel von Novartis oder Roche) in zwei Punkten zusammengefasst: Einerseits zahlen die Pharmakonzerne «Beratungs- und Dienstleistungshonorare». Damit sind Vorträge an Veranstaltungen sowie die Arbeit in Beratungsgremien gemeint, erklärt Roche auf Anfrage. Andererseits laden Pharmakonzerne Mediziner an Veranstaltungen ein.

Einer von ihnen ist der Walliser Kardiologe Patrick Hildbrand. Vor einem Jahr rief Novartis bei ihm in der Herzpraxis in Brig an und fragte, ob man ihn auf die Transparenzliste setzen dürfe. «Das ist keine Frage für mich, die Zahlungen der Pharmafirmen sollten alle bekannt werden», sagt er. Für 809 Franken hat er sich vergangenes Jahr an eine kardiologische Weiterbildung in Deutschland von Novartis einladen lassen. Knapp die Hälfte entfiel auf die Tagungsgebühr, der Rest auf Reise und Unterkunft.

Viele Angebote

Während rund zweier Wochen pro Jahr bildet sich Hildbrand an Kursen und Fachtagungen weiter, meist auf Einladung von Pharmaunternehmen. «Das Angenehme an diesen Einladungen ist, dass die einladenden Unternehmen alles organisieren: Ausschreibung, Hotel, Anreise», sagt der Walliser Kardiologe. Und natürlich sei auch der Kostenbeitrag willkommen. Allerdings ist die Kostenbeteiligung der Pharmaunternehmen beschränkt: Gemäss Heilmittelgesetz dürfen die Konzerne nur zwei Drittel der Tagungsgebühren übernehmen, ein Drittel bezahlt der Teilnehmende selber.

Wie präsent ist Novartis bei Tagungen, an die der Konzern Ärzte einlädt? «Auf den Anlass hat die Firma keinen Einfluss, da ist kein Konzernvertreter vor Ort», sagt Hildbrand. Allerdings würden die Pharmaunternehmen in der Regel mit Vorliebe an jene Veranstaltungen einladen, an denen neue Medikamente von ihnen besprochen würden. «Die Konzerne haben ein Interesse daran, dass wir Ärzte in diesen Kreisen von neuen Präparaten erfahren», sagt Hildbrand.

Druck von Pharmakonzernen spüre er keinen, sagt der Kardiologe, doch deren Präsenz im Alltag sei gross. Im Walliser Herzzentrum, wo er als Co-Chefarzt tätig ist, kontaktierten ihn fast jede Woche Pharmavertreter. «In 99 Prozent der Fälle lehne ich ab. Und ich gehe nur an Veranstaltungen, die mich wirklich interessieren – notfalls auf eigene Kosten, wie etwa an den Ultraschall-Kongress, den ich nächstens besuche.»

Mit seinen 809 Franken liegt Hildbrand am unteren Ende der Skala von dem, was Ärzte von Pharmafirmen an Geld annehmen. Sind die Beträge höher, werden auch die Mediziner schweigsamer: Viele wollten auf Anfrage von Redaktion Tamedia keine Stellung nehmen.

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