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Fernbustickets sind 33 Prozent teurer geworden

Flixbus, auch in der Schweiz auf der Überholspur, dominiert den Markt in Deutschland. Die Kunden bekommen das mit markant höheren Preisen zu spüren.

2016 wurden rund eine Million Passagiere aus der oder in die Schweiz transportiert: Flixbus auf dem Carparkplatz in Zürich. Foto: Walter Bieri (Keystone)
2016 wurden rund eine Million Passagiere aus der oder in die Schweiz transportiert: Flixbus auf dem Carparkplatz in Zürich. Foto: Walter Bieri (Keystone)

Fehlt der Wettbewerb, pflegen die Preise bald einmal in luftige Höhen abzuheben. Diese ökonomische Binsenwahrheit zeigt sich besonders schön auf dem Markt für Fernbusfahrten in Deutschland. Als das nördliche Nachbarland vor fünf Jahren den Markt liberalisierte, drängten mehrere Anbieter auf den Markt: City2City, Deinbus, Postbus, um nur einige zu nennen. Und natürlich Flixbus aus München. Die Konsumenten hatten auf der Suche nach dem günstigsten Tarif von A nach B in der Regel eine echte Auswahl.

Dann verdrängte der Betreiber der auffällig grünen Fahrzeuge innert kurzer Zeit fast alle Konkurrenten vom Markt, indem er sie entweder übernahm oder weil die Unternehmen den Betrieb wieder einstellten. Mehr als 95 Prozent aller Fahrten innerhalb Deutschlands werden heute von Flixbus durchgeführt. Das Unternehmen hat ein Quasi-Monopol.

Konkurrenz ist nicht in Sicht

Und was tat sich bei den Ticketpreisen? Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim sammelte sämtliche auf der Plattform www.fernbusse.de verfügbaren Daten. Ergebnis: Der durchschnittliche Kilometerpreis auf innerdeutschen Fahrten bei einer Buchung sieben Tage vor Abfahrt lag im Juli 2015 bei 7,2 Cent. Im Juli 2017 betrug er 9,6 Cent – ein Anstieg von rund 33 Prozent in nur zwei Jahren.

Bereits vor der Marktkonsolidierung waren Routen mit nur einem Anbieter teurer als von mehreren Anbietern angebotene Strecken, stellte das ZEW fest. Nach der Marktbereinigung stiegen die Preise auf beiden Routentypen in gleichem Umfang und in eine Höhe, die nicht durch höhere Kosten zu erklären sein dürfte. «Vielmehr könnten die Preiserhöhungen darauf hindeuten, dass Flixbus (...) einen Markteintritt von konkurrierenden Anbietern auf vielen Strecken zumindest kurzfristig als unwahrscheinlich ansieht und daher mehr Spielraum für Preiserhöhungen sieht», heisst es in der Studie.

Die vom ZEW eruierten 33 Prozent sind ein Durchschnittswert. Sie bestätigen aber, was das Wirtschaftsmagazin «Plusminus» des ZDF vor rund drei Monaten am Beispiel der viel befahrenen Strecke München–Nürnberg aufgezeigt hat: Der Flixbus-Preis lag im Juni 2017 satte 65 Prozent über dem Durchschnittspreis im Juni 2015, als noch fünf Anbieter auf dem Markt waren.

15 Haltestellen in der Schweiz

Flixbus wehrt sich gegen Monopol-Vorwürfe und verweist darauf, dass man in harter Konkurrenz zu Bahn, Auto und Flugzeug stehe. Das Unternehmen, das keinen einzigen Bus besitzt, sondern die Strecken von 250 Drittfirmen bedienen lässt, erwirtschaftete nach eigenen Angaben in Deutschland bereits 2016 einen Gewinn und wird dies 2017 auch erstmals unter Einbezug der internationalen Aktivitäten tun. Die grünen Busse fahren mittlerweile 1200 Orte in 22 Ländern an.

Auch in der Schweiz gehört Flixbus zum vertrauten Strassenbild. Gegenwärtig werden hierzulande 15 Haltestellen bedient. 2016 wurden rund eine Million Passagiere aus der oder in die Schweiz transportiert. Bis zwölfmal täglich wird die Strecke Zürich–München bedient. Die Alternativen dazu sind eine völlig unattraktive Bahnverbindung und relativ hohe Flugpreise. Zum diesjährigen Oktoberfest transportierte Flixbus mehr als 100'000 Besucher – ein Plus von 12 Prozent zum Vorjahr.

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