Federers Kleidersponsor gibt sich modern

Der Gründer der Textilkette Uniqlo, Tadashi Yanai, wünscht sich eine Frau als Nachfolgerin an der Spitze.

Einer, der letztlich immer richtig lag: Tadashi Yanai. Foto: Reuters

Einer, der letztlich immer richtig lag: Tadashi Yanai. Foto: Reuters

Tadashi Yanai ist es gewohnt, dass sich andere über sein Ende Gedanken machen. Im Februar ist der allmächtige Gründer des japanischen Handelshauses Fast Retailing 70 geworden, und immer noch herrscht er allein über die Firma, die unter anderem das weltweit tätige Bekleidungsunternehmen Uniqlo besitzt. Vor vielen Jahren hat Yanai mal gesagt, dass er mit 65 kürzertreten wolle.

Aber das klappte dann nicht, weil es aus seiner Sicht keine geeignete Person für seinen Posten als Geschäftsführer gab. Die Frage nach der Nachfolge ist seither spannend geblieben. Da wirkt es wie eine kleine Sensation, dass Tadashi Yanai laut der Nachrichtenagentur Bloomberg jetzt zumindest das Geschlecht der gewünschten Leitfigur nennt: weiblich. Gerade mit Blick auf Uniqlo findet Yanai: «Der Job ist für eine Frau besser geeignet.»

Für einen Vertreter der japanischen Wirtschaft ist das keine alltägliche Aussage. Und es kann durchaus sein, dass manche Analysten damit wenig anfangen können. In der männerdominierten Hightechnation ist es für viele immer noch einleuchtender, dass Kühlschränke sprechen können, als dass eine Frau die Spitze eines Milliardenunternehmens übernimmt.

Zeitgeistmode für jedermann

In Zeiten sinkender Geburtenzahlen und alternder Bevölkerung dämmert es zwar mittlerweile selbst erzkonservativen Politikern, dass sie ihre alten Rollenbilder überarbeiten müssen.

In diese Stimmung hinein sagt also Tadashi Yanai, eine Frau solle sein Erbe antreten bei Uniqlo, immerhin dem grössten Kleidungsvertrieb Asiens. Das ist ein Signal. Hier spricht ein aufgeklärter König, der die Zeichen der Zeit versteht. Oder? Yanais Ruf als weitsichtiger Querdenker hat gelitten durch den Umstand, dass er sich seit Jahren für unersetzlich erklärt. Kritiker bezeichnen ihn als autoritär und von seinen guten Wirtschaftsinstinkten verlassen. Yanai selbst schwört auf die Lehren der eigenen Fehler und sagt: «Wer sich nicht ändert, überlebt nicht.» Das klingt klug – allerdings auch etwas kokett für einen, der die Alleinherrschaft nicht loslassen kann.

Vielleicht ist dieses Zaudern aber auch das gute Recht des Firmengründers, und Yanais Geschichte endet mit der fortschrittlichsten Personalentscheidung der japanischen Wirtschaftsgeschichte. Seine Karriere erzählt jedenfalls von einem, der letztlich immer richtig lag. In den Siebzigerjahren stieg er in die Schneiderei seines Vaters in Ube, Yamaguchi, ein und eröffnete 1984 in Hiroshima sein «Unique Clothing Warehouse», sozusagen die Keimzelle der heutigen Weltmarke Uniqlo. Zeitgeistmode für jedermann, preiswerte Eleganz ohne Schnörkel – damit war er erfolgreich. Heute ist Yanai der reichste Mann Japans mit einem Vermögen von 25 Milliarden Franken. Die Zahl der Uniqlo-Läden ist weltweit bei etwa 2000 angelangt. Bis 2020 soll seine Firma der grösste Kleidungsverkäufer der Welt sein. Auch dank Roger Federer, der seit einem Jahr im Uniqlo-Outfit spielt und dafür angeblich jährlich 30 Millionen Franken erhält.

Ob Tadashi Yanai nun die Geschäftsführung abgibt? Vielleicht an Maki Akaida (40), Chefin von Uniqlo Japan? «Möglich», antwortet er. Das richtige Geschlecht hätte sie jedenfalls.

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