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«Fast alle haben mitgemacht»

Nur in Einzelfällen sei falsch deklariertes Fleisch geliefert worden, sagt Carna Grischa. Dem widerspricht nun der Mann, der den Fall ins Rollen gebracht haben soll. Er berichtet von systematischem Betrug.

Beschuldigt die Konkurrenz, einen Spion eingeschleust zu haben: Ettore Weilenmann, Verwaltungsratspräsident von Carna Grischa, nach einer Pressekonferenz in Landquart. (26. November 2014)
Beschuldigt die Konkurrenz, einen Spion eingeschleust zu haben: Ettore Weilenmann, Verwaltungsratspräsident von Carna Grischa, nach einer Pressekonferenz in Landquart. (26. November 2014)

«Bedauerliche Einzelfälle», «kein systematischer Missbrauch»: Nach dem Skandal um falsch deklarierte Lieferungen gibt sich der Fleischhändler Carna Grischa alle Mühe, die Wogen zu glätten. Er betont, dass «mindestens 98 Prozent der Kunden richtig deklariertes Fleisch erhalten haben». Dem widerspricht der Insider, der den Skandal ins Rollen gebracht haben soll: Die Angestellten hätten Angst gehabt, den Job zu verlieren, «darum haben fast alle mitgemacht», sagt er gegenüber dem «Sonntagsblick». Der Geschäftsführer habe über die Fälschungen Bescheid gewusst.

Besonders bei Poulet und Rindfleisch sei betrogen worden. «Patriotische Küchenchefs, die nur Schweizer Fleisch wollen», seien besonders häufig übers Ohr gehauen worden. «Es wurde sicher seit zehn Jahren betrogen, das zeigen interne Dokumente. Und es wurde immer schlimmer. Teilweise wurden die Kunden richtiggehend verhöhnt, nachdem man ihnen etwas Falsches verkauft hatte», sagt der Informant.

Verdachtsfälle bis in den Oktober hinein

Dem «Sonntagsblick» vorliegende Dokumente sollen zeigen, dass Carna Grischa weit häufiger betrogen hat, als Verwaltungsratspräsident Ettore Weilenmann angibt. Die Firma habe in mindestens 116 Fällen billiges Importfleisch als teures Schweizer Fleisch verkauft, Verfallsdaten gefälscht, aufgetaute Ware als Frischfleisch verramscht und Pferdefleisch als Rindfleisch deklariert. Hinzu kämen Hunderte von Verdachtsfällen – bis weit in den Oktober hinein.

Weilenmann beschuldigte nach Publikwerden der Vorwürfe die Konkurrenz, einen Spion eingeschleust zu haben, um Carna Grischa auszuhorchen. Auch dem widerspricht der Informant. Er sei ein Quereinsteiger, komme aus der Gastronomie. Er sei auch nicht wegen schlechter Leistungen entlassen worden, wie Carna Grischa dies behauptet, sondern weil er «die dreckigen Spielchen nicht mitmachen» wollte. In der Firma habe er niemandem mehr getraut, darum habe er sich von einem Anwalt beraten lassen. «Er riet mir zu einer anonymen Anzeige und zum Gang zur Presse.»

Laut einem Bericht der «Sonntagszeitung» sollen hingegen zwei freigestellte Verkäufer für den Fleischbetrug verantwortlich sein. Es handle sich um einen gelernten Metzger und seinen Sohn. Die beiden Beschuldigten äusserten sich nicht zu den Vorwürfen.

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