Schneider-Ammanns Tochter bei Swatch nominiert

Daniela Aeschlimann-Schneider soll einen Sitz im Verwaltungsrat der Swatch Group erhalten. Wer ist die Frau?

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Die Herren bringen Erfahrung und Image in den Swatch-Verwaltungsrat: Ernst Tanner leitet mit grossem Erfolg den Schokoladekonzern Lindt&Sprüngli. Jean-Pierre Roth präsidierte zwischen 2006 und 2010 das Direktorium der Schweizerischen Nationalbank. Claude Nicollier war der erste Schweizer Astronaut auf Weltraummission. Die drei bilden quasi ein Gegengewicht zu Nayla Hayek, Präsidentin des Verwaltungsrats, und ihrem Bruder Nick Hayek, der den Konzern führt und Delegierter des VR ist.

Am 11. Mai stellt sich mit Daniela Aeschlimann-Schneider ein neues Mitglied zur VR-Wahl. Der überaus knappen Swatch-Mitteilung ist zu entnehmen, dass Aeschlimann-Schneider ein Betriebswirtschaftsstudium an der Hochschule Luzern mit einem Bachelor ab­geschlossen hat und VR-Vizepräsidentin der Avesco-Gruppe ist. Ein Leichtgewicht somit. Was nicht stand: Die Nominierte ist die Tochter von Bundespräsident ­Johann Schneider-Ammann; was ihr ­Gewicht erheblich steigert.

Doch wer ist sie? Die Firma Avesco gehört zur Ammann-Gruppe und handelt mit Baumaschinen. Importiert werden beispielsweise Produkte der US-Firma Caterpillar. Im August 2011 geriet Avesco kurzzeitig in die Schlagzeilen, weil sie auf gewissen Caterpillar-Produkten im Vergleich satte Währungsgewinne einstreichen konnte.

Ammann-Züpfe-Zmorge

Ansonsten hat die 35-jährige Tochter des Magistraten noch kaum Spuren in der nationalen Wahrnehmung hinterlassen. In Langenthal organisiert sie den Ammann-Züpfe-Zmorge. An diesen Anlässen, die unter der Woche morgens zwischen 7.30 und 8.30 Uhr im Hotel Bären stattfinden, tritt ein prominenter Gast auf. So machte letztes Jahr Schwingerkönig Matthias Sempach mit. Auf die Gäste wartet nach dem Anlass Zopf à discrétion. Daniela Aeschlimann-Schneider sitzt im Verwaltungsrat des Bären.

Beruflich ist lediglich bekannt, dass sie nach dem Studium bei der Swatch-Marke Omega Verkaufserfahrungen sammelte. Und so erstmals Luft im Uhrenkonzern schnupperte, bei dem ihr Vater von 1998 bis 2010 im Verwaltungsrat sass, bevor er in den Bundesrat gewählt wurde. Das Baumaschinenunternehmen Ammann ist direkt sowie über die eigenen Vorsorgeeinrichtungen und die Arthur-und-Emma-Ammann-Stiftung am Swatch-Konzern beteiligt. Während Bruder Hans-Christian Schneider die Ammann-Gruppe leitet, sammelt die Tochter zielstrebig jene Verwaltungsratsmandate, die zuvor von ihrem Vater Johann Schneider-Ammann wahrgenommen worden waren.

2013 wurde sie in den Verwaltungsrat der Swatch-Batterieentwicklungsfirma Belenos Clean Power geholt. Dort versammelt sich ein illustres Gremium, bestehend unter anderem aus dem früheren ETH-Präsidenten Ralph Eichler und dem Hollywoodstar und Omega-Werbeträger George Clooney.

Aktuell umfasst das VR-Portefeuille von Daniela Aeschlimann-Schneider 10 Sitze in Firmen, die mit Ausnahme der zur Swatch Group gehörenden Belenos alle Teil der Ammann-Gruppe sind oder an denen die Familie beteiligt ist, so die Hotel Alpenland AG in Lauenen BE. Und dann wäre da noch die ­Futurjns AG, die das Vermögen der Familie Ammann-Schneider verwaltet.

Bei Stimmrechtsberatern für Aktionäre hat die Ernennung der Bundesratstochter noch keine Aktivitäten ausgelöst. Man werde sich erst in den Wochen vor der Swatch-Generalversammlung damit beschäftigen, heisst es bei Actares. Auch einige Corporate-Governance-Spezialisten wollen sich zur Personalie nicht äussern, teilweise auch, weil sie nichts über Aeschlimann-Schneider wissen.

«Vielfalt und Perspektiven»

Die Swatch-Kommunikationsabteilung lässt auf Nachfrage des TA die Ernennung wie einen glücklichen Volltreffer aussehen. Man verweist auf ihre «ausgezeichneten Management-Kapazitäten». Sie verfüge «über Kenntnisse, Erfahrung und Verständnis für die Schweizer Industrie, die Bedürfnisse und Herausforderungen». Daniela Aeschlimann-Schneider wisse, «was es bedeutet, Swiss made zu produzieren». Auch bringe sie «Vielfalt und andere Perspektiven» in den Verwaltungsrat. Mit ihrer Wahl würde der Frauenanteil im Swatch-VR tatsächlich von 25 auf 33 Prozent hochschnellen. Und der letzte Vorzug: «Sie kommt wie wir aus einem Familienunternehmen», heisst es am Swatch-Sitz in Biel.

Und wie steht es um die familiäre Nähe zu einer der obersten politischen Schaltstellen des Landes? «Der Verwaltungsratsvorschlag hat überhaupt keinen Zusammenhang mit ihrem Vater», hält Swatch fest. Daniela Aeschlimann-Schneider selber wollte sich auf Anfrage nicht zur Nomination äussern.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.04.2016, 23:37 Uhr

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