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Fahrbares Rütli

Markus Somm über den Kult um die SBB.

Markus Somm@sonntagszeitung

Es gehört vielleicht zu den Meisterleistungen der schweizerischen Linken, dass sie aus den Staatsbetrieben – diesen früher etwas bünzligen, wenn auch durchaus geschätzten Anstalten – Unternehmen gemacht hat, die manchem Schweizer nun als Essenz des Schweizertums erscheinen. Ob SBB, SRG oder Heilige Post: Der kluge Patriot fährt im Zuge, wer die Schweiz liebt, liebt das Postauto, wer sich um den Zusammenhalt unseres vielsprachigen Landes sorgt, sorgt sich um die SRG: Die Staatsbetriebe erlauben eine Art Ersatz-Patriotismus, der als anständig gilt, während der Wunsch etwa, die eigene Demokratie zu bewahren, Stichwort Souveränität, inzwischen als isolationistische Geistesverwirrung betrachtet wird. Ich kann mich gut erinnern, wie der legendäre Solothurner Ständerat Ernst Leuenberger von der SP, genannt Aschi, in einer «Arena» die Bürgerlichen vor einem zu weit gehenden Abbau der Poststellen warnte: Wir werden jeden Briefkasten, jeden Bus und jedes Postfach rot-weiss anmalen, sagte er sinngemäss, und man sah es seinen politischen Gegnern an, wie ihnen virtuell die Knie schon schlotterten. Wer wagte es, der eigenen Grossmutter den Briefkasten zuzusperren?

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