Zum Hauptinhalt springen

Facebook, Apple & Co. beziehen Stellung gegen Trump

Tech-Konzerne kritisieren die Trennungen von Kindern und Eltern an der US-Grenze. Mitarbeitern ist das nicht genug.

Auch US-Heimatschutzministerin Kirstjen Nielsen kriegt von Demonstranten einiges zu hören: In Washington wurde sie von Aktivisten beschimpft, als sie ausgerechnet in einem mexikanischen Restaurant zu Gast war.

Die Bilder und Videoaufnahmen verstören: Kinder werden von ihren Eltern getrennt, in Käfige gesteckt, Schreie nach ihrer Mama hallen durch die temporären Auffanglager. Trump verärgert mit seiner Null-Toleranz-Politik an der mexikanischen Grenze sowohl im eigenen Land wie auch im Ausland. Rund 2000 Kinder sollen seit Mai von ihren Eltern getrennt worden sein.

Der Widerstand gegen die Praxis wächst: Nachdem der Bundesstaat New York angekündigt hat, die Regierung in Washington wegen der umstrittenen Trennung von Migrantenfamilien zu verklagen, folgen nun Proteste im Silicon Valley. Microsoft-Mitarbeiter fordern, dass ihr Arbeitgeber die Zusammenarbeit mit der Polizei- und Zollbehörde, dem sogenannten ICE, beenden soll.

Technologien für das Gute nutzen

In einem offenen Brief an ihren CEO Satya Nadella schreiben mehr als 100 Mitarbeiter, Microsoft solle eine ethische Haltung einnehmen und Kinder und Familien über den eigenen Profit stellen. Sie weisen auf einen 19,4-Millionen-Dollar-Vertrag hin, den Microsoft mit der Behörde ICE für die Verarbeitung von Daten und künstlicher Intelligenz abgeschlossen hat.

«Wir, die die Technologien, von denen Microsoft profitiert, entwickeln, weigern uns, uns mitschuldig zu machen», schreiben sie. «Wir sind Teil einer wachsenden Bewegung in der Branche, die die grosse Verantwortung erkennt, etwas zu entwickeln, das für das Gute und nicht für das Schlechte genutzt wird.»

«Stoppt die Verträge!»

CEO Nadella antwortete mit einer schriftlichen Nachricht an seine Mitarbeiter: Darin schrieb er zwar, die Praxis an der mexikanischen Grenze müsse sich ändern. Gleichzeitig spielte er die Zusammenarbeit mit dem ICE herunter: Diese bestehe mehrheitlich aus Cloud-Services für E-Mails, Kalender, Messaging und Dokumentmanagement. «Ich möchte klarstellen: Microsoft arbeitet nicht mit der US-Regierung an Projekten zur Trennung von Kindern von ihren Familien an der Grenze», so Nadella.

Auf sozialen Medien zeigten sich viele Nutzer nicht zufrieden mit dieser Antwort: «Die Unterstützung von ICE mit Mail-, Kalender-, Messaging- und Dokumentmanagement macht euch nach wie vor mitschuldig an der Praxis des ICE», schreibt ein Nutzer. «Stoppt die Verträge mit dem ICE und setzt ein Zeichen!», forderte ein anderer.

Polizei nutzt Amazon-Software

Auch der Onlinehändler Amazon geriet in die Kritik: Die Hilfsorganisation Aclu forderte den Konzern auf, seine Gesichtserkennungssoftware Rekognition nicht mehr an Polizei und andere staatliche Instanzen zu verkaufen. Sie befürchtet, dass diese Software dazu genutzt wird, gegen Migranten vorzugehen.

Nun haben sich offenbar Investoren von Amazon eingeschaltet: 19 Investmentmanager, die zusammen 5 bis 10 Prozent aller Amazon-Anteilhaber vertreten, äusserten Bedenken bezüglich der Software-Rekognition. Amazon solle deren Nutzung überprüfen.

Video – US-Moderatorin bricht in Tränen aus

Emotionaler Aussetzer: Rachel Maddow ist von einer Meldung über von ihren Eltern getrennte Babys schockiert. (Video: Tamedia/MSNBC/ProPublica)

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Mitarbeiter der grossen Techkonzerne gegen ihre Arbeitgeber aussprechen. Im April etwa schrieben Tausende von Google-Mitarbeitern einen Brief und protestierten gegen die Unterstützung eines Pentagon-Programms, das künstliche Intelligenz für Waffen entwickelt.

8 Millionen statt 1500 Dollar

Mitarbeiter vieler Unternehmen rufen derweil intern dazu auf, an Nichtregierungsorganisationen zu spenden, die Migranten unterstützen. Zwei ehemalige Facebook-Mitarbeiter starteten eine eigene Sammelaktion, mit der sie ursprünglich nur 1500 Dollar einsammeln wollten. Diese sollten an die Organisation Raices gehen, die Rechtshilfe für Migranten anbietet. Mittlerweile sind über die Aktion knapp 8 Millionen Dollar zusammengekommen. Auch Facebook-Chef Mark Zuckerberg und COO Sheryl Sandberg sollen gespendet haben.

Die Szene trug sich am Dienstag, 12. Juni 2018, im Grenzort McAllen in Texas zu und wurde von Getty-Fotograf John Moore festgehalten, der seit nunmehr zehn Jahren über die Migrationsströme aus Lateinamerika in die USA berichtet.
Die Szene trug sich am Dienstag, 12. Juni 2018, im Grenzort McAllen in Texas zu und wurde von Getty-Fotograf John Moore festgehalten, der seit nunmehr zehn Jahren über die Migrationsströme aus Lateinamerika in die USA berichtet.
John Moore/Getty Images, AFP
Auf der Nordseite des Flusses versammelte die Grenzwache die Migranten und nahm ihre Namen auf.
Auf der Nordseite des Flusses versammelte die Grenzwache die Migranten und nahm ihre Namen auf.
John Moore/Getty Images, AFP
Was mit der Mutter und ihrem Kind passiert ist, war zunächst unklar. Mittlerweile ist bekannt, dass sie nicht getrennt wurden.
Was mit der Mutter und ihrem Kind passiert ist, war zunächst unklar. Mittlerweile ist bekannt, dass sie nicht getrennt wurden.
John Moore/Getty Images, AFP
1 / 6

Zuckerberg animierte in einem eigenen Facebook-Post zu Spenden an entsprechende Organisationen. Über 50'000 Dollar sind über seinen Aufruf zusammengekommen. Für die Aktion erntete Zuckerberg allerdings auch Kritik: «Egal wie viel die Öffentlichkeit, durch dich animiert, spenden wird: Du könntest ganz einfach selbst das Zehnfache aus deinem eigenen Portemonnaie geben», schrieb einer unter Zuckerbergs Aufruf auf Facebook. Zuckerberg antwortete, er habe bereits viel Geld und Zeit in diese Themen investiert.

«Herzzerreissend»

Auch CEOs anderer Techkonzerne nutzten soziale Medien, um sich gegen die Einwanderungspolitik Trumps auszusprechen: Apple-Chef Tim Cook und Google-CEO Sundar Pichai nennen die Praxis an der mexikanischen Grenze «herzzerreissend».

Cisco-CEO Chuck Robbins tweetete, das Auseinanderreissen von Familien müsse aufhören. Dies sei «einfach nur unamerikanisch».

Tesla-Chef Elon Musk twitterte zunächst nur: «I hope the kids are ok» («Ich hoffe, den Kindern geht es gut»). Als sich Nutzer brüskierten, er solle ein stärkeres Statement machen, antwortete Musk, er sei einer der grössten Unterstützer der Hilfsorganisation Aclu, die Migranten Rechtshilfe anbietet.

Republikaner fürchten um Basis

Trumps Umgang mit dem Grenzschutz macht derweil sogar seine eigene Partei nervös. Gewisse Republikaner fürchten dem Nachrichtenportal Vox zufolge, dass die Praxis eine Gegenbewegung auslösen könnte. Sie befürchten Auswirkungen auf die Ergebnisse der Midterm-Wahlen im Herbst.

«Die Medien werden diese Bilder von Brutalität und Chaos ausstrahlen, und die Öffentlichkeit wird sie mit den Republikanern in Verbindung bringen, die das Haus und den Senat leiten – aber vor allem mit Präsident Trump», sagte ein republikanischer Stratege dem Sender NBC. «Irgendwie denke ich nicht, dass das Einsperren von Kindern in Käfigen sehr gut bei Vorstadtmüttern ankommt», fügte Whit Ayres, ein republikanischer Meinungsforscher, in einem Interview der «New York Times».

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch