Ethos kritisiert Zurich scharf

Der Versicherer habe die Vergütung des Topmanagements so angepasst, damit die Konzernleitung nicht auf einen Teil des langfristigen Bonus verzichten müsse. Die Stiftung lehnt den Vergütungsbericht deshalb ab.

Der Versicherer habe die Regeln mitten im Spiel geändert, kritisiert man bei der Stiftung Ethos. Foto: Jürgen Schwarz (Imago)

Der Versicherer habe die Regeln mitten im Spiel geändert, kritisiert man bei der Stiftung Ethos. Foto: Jürgen Schwarz (Imago)

Andreas Möckli@AndreasMoeckli

Der Versicherungskonzern Zurich soll seine eigenen Statuten verletzt haben. Und dies nicht einmal ein Jahr nachdem er sie wegen der Abzockerinitiative angepasst hatte. Dieser Vorwurf erhebt der Stimmrechtsberater Ethos. Zurich hat wie viele andere börsenkotierte Firmen zahlreiche Änderungen an den Statuten vorgenommen und dabei neu die Grundsätze aufgeführt, nach welchen Verwaltungsrat und Geschäftsleitung entlöhnt werden sollen. So hat der Versicherer festgelegt, dass sich die langfristige Vergütung an Leistungskriterien orientiert, die «während eines mehrjährigen Zeitraums» bemessen werden. «Diese Regel hat Zurich bei der Vergütung des Topmanagements verletzt», sagt Vincent Kaufmann, stellvertretender Direktor von Ethos.

Konkret geht es um den langfristigen Beteiligungsplan. Erreicht Zurich bei ausgewählten Kennzahlen gewisse Mindestwerte, so werden der Konzernleitung eine bestimmte Zahl an Aktien zugeteilt. Je besser der Versicherer abschneidet, desto höher die Zuteilung, die allerdings nach oben begrenzt ist. Ethos kritisiert nun, dass der Versicherer im Vergleich zu früher nur das Jahr 2014 für die aktuelle Berechnung des Langfristplans herangezogen habe. Bisher seien jeweils die drei vorangegangen Jahre berücksichtigt worden, also auch 2012 und 2013. Der Verwaltungsrat habe somit den Bemessungszeitraum zugunsten der Geschäftsleitung geändert, sagt Kaufmann.

Hätte Zurich den gesamten Zeitraum von 2012 bis 2014 berücksichtigt, hätten die Mitglieder der Geschäftsleitung ­weniger Aktien erhalten. Der Grund: Der Erfolg des Managements wird beim Langfristplan unter anderem anhand der Gesamtrendite der Zurich-Aktie im Vergleich zu anderen grossen Versicherern gemessen. Der Wert berechnet sich aus der Kursveränderung der Aktie und der ausbezahlten Dividende. Besonders im Jahr 2013 ist die Rendite der Zurich-Aktie deutlich tiefer ausgefallen als bei den meisten anderen Konkurrenten.

«Die Firma hat die Regeln mitten im Spiel geändert, was für uns nicht akzeptabel ist», sagt Kaufmann. Was das finanziell ausmache, lasse sich nicht in Millionen Dollar beziffern. Der Wert der vorläufig zugeteilten Aktien beläuft sich für alle Topmanager auf 18,7 Millionen Dollar. Der definitive Wert wird zu einem späteren Zeitpunkt berechnet.

Kaufmann findet es stossend, dass ­Zurich die Anpassung nirgends im Vergütungsbericht erwähne. «Wir haben dies nur anhand der früheren Berichte herausgefunden.» Auf eine entsprechende Nachfrage habe ein Vertreter des Konzerns bestätigt, dass tatsächlich nur das Jahr 2014 berücksichtigt worden sei.

Vergütungsausschuss im Visier

Als Konsequenz lehnt Ethos den Vergütungsbericht ab. Über diesen werden die Aktionäre an der Generalversammlung am 1. April konsultativ abstimmen. Zudem stellt sich der Stimmrechtsberater gegen die Wiederwahl der vier Mitglieder des Vergütungsausschusses, in dem auch Verwaltungsratspräsident Tom de Swaan sitzt. «Die Mitglieder des Ausschusses tragen einen Teil der Verantwortung für die Änderung des Bemessungszeitraums», begründet Kaufmann den Entscheid von Ethos.

Die nun erfolgte Anpassung des Langfristplans ist auch deshalb brisant, weil Zurich bereits im vergangenen Jahr an den Kriterien geschraubt hat. Ursprünglich musste nicht nur die Gesamtrendite der Aktie, sondern auch die Eigenkapitalrendite ein gewisses Niveau erreichen, damit die Topmanager im Rahmen des Langfristplans in den Genuss von Aktien kamen. Wurde bei beiden Werten eine gewisse Mindestschwelle nicht erreicht, erhielt die Geschäftsleitung keine Aktien. Dies hat der Verwaltungsrat im vergangenen Jahr aufgeweicht. Nun reicht es, wenn nur einer der beiden Renditen einen zuvor definierten Mindestwert überschreitet.

«Hätte der Verwaltungsrat die ursprünglichen Kriterien als auch den Zeitraum zwischen 2012 und 2014 berücksichtigt, so wären der Geschäftsleitung Anfang 2015 keine einzige Aktien zugeteilt worden», sagt Kaufmann

Zurich begründet sein Vorgehen damit, dass Übergangsregeln eingeführt werden mussten, da das Vergütungssystem angepasst worden sei, sagt eine Sprecherin. Wie bereits im letzten Jahr angekündigt, sei die langfristige Vergütung auf die neuen strategischen Ziele ausgerichtet worden, die im Dezember 2013 kommuniziert wurden.

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