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Es weihnachtet schon sehr

An der Neuheiten- und Trend-Messe Ornaris in Bern decken sich Detailhändler mit Dingen wie Stoffblumen, Fotorahmen und Weihnachtsschmuck ein. Die Preisetiketten sind nicht für die Öffentlichkeit bestimmt.

Bei den weihnächtlichen Farben sind die Schweizer traditionell – neue Formen sind hingegen erlaubt.
Bei den weihnächtlichen Farben sind die Schweizer traditionell – neue Formen sind hingegen erlaubt.
Adrian Moser

Schwere Keramikschalen. Lichterketten aus Stoffblumen. Ein lebensgrosses Rentier aus silbrigem Kunststoff. Mit Hirschen und Wölfen bedruckte Kissen. Meterlange Kaugummis. Halstücher. Bemalte Holzkühe. ­Geschenkbänder. Schilder und Tischsets mit lustigen Sprüchen. Wohnaccessoires kann man diese Produkte nennen, Geschenkartikel, oder je nachdem auch Krimskrams. Tausendfach wird derlei Ware seit Sonntag in den Bernexpo-Hallen feilgeboten. 450  Aussteller zeigen dem Fachpublikum ihr Sortiment – und zwar nur dem Fachpublikum. Nur wer sich als Einkäuferin oder Einkäufer eines Unternehmens ausweisen kann, wird eingelassen.

Denn an den Messeständen bekäme das breite Publikum Etiketten mit erstaunlich tiefen Preisen zu sehen. Es sind die Einkaufspreise für den Detailhandel. Um hierzulande einen Laden rentabel zu betreiben, benötigt man hohe Margen. Der Preis für die Endkunden ist deshalb oft fast doppelt so hoch wie der Einkaufspreis.

Einkäufer und – vor allem – Einkäuferinnen von Warenhäusern, Fachgeschäften, Drogerien, Blumenhandlungen und Dorfläden stellen sich an den Messeständen ihr Sortiment zusammen. Doch niemand verlässt die Hallen mit vollen Taschen. Es wird meist für die nächste Saison bestellt, teilweise auch schon für die übernächste.

Rentiere von den Philippinen

Und so verzieht im Messepublikum niemand eine Miene, wenn mitten im August Weihnachtsstimmung verbreitet wird. Dies tut etwa Daniel Baumer aus Kehrsatz mit seiner Firma Mila Design. Mindestens die Hälfte seiner Ausstellungsfläche wird von Rentieren, Engeln und anderem Weihnachtsschmuck belegt. «Eigentlich ist das Weihnachtsgeschäft jetzt schon fast vorüber. Denn es hat schon im Januar begonnen», sagt Baumer. Doch viele Geschäfte ergänzen ihr Weihnachtssortiment noch mit Artikeln der Firma Mila.

Inhaber Baumer lässt die Weihnachtsartikel gemeinsam mit ausländischen Geschäftspartnern in Asien herstellen. Die gegossenen Figürchen stammen aus Thailand. Die grösseren, aus Pappmaché gefertigten Engel und Rentiere werden in einer Manufaktur auf den Philippinen hergestellt. Das Design kommt hingegen aus Europa. «Unser Markenzeichen ist, dass alle unsere Figuren lächeln», sagt Baumer – auch die Weihnachtsengel. Wie Weihnachten 2015 aussieht

Bei den Farben seiner Produkte lehnt sich der Unternehmer an die Modebranche an. «2015 kommt die Farbe Kupfer, das weiss man bereits jetzt.» Deshalb liess Baumer bereits einige der Rentier-Figuren mit einer bronzefarbenen Bemalung herstellen. «So können wir uns einfach dem Trend anpassen.»

Grundsätzlich seien die Schweizer jedoch «ziemlich traditionell», was Weihnachten anbelange: «Rot, Grün und Gold ist immer gefragt.» Versuche mit beispielsweise violetten Deko-Elementen seien nicht von Erfolg gekrönt gewesen.

In der Schweiz hat die Kehrsatzer Firma neben Baumer selbst nur zwei Mitarbeiter, ein eigenes Lager führt er nicht. Dafür hat er sich bei einigen Herstellern das Vertriebsrecht für die Schweiz gesichert, etwa für handbemaltes Geschirr einer österreichischen Traditionsmarke. Zudem lässt er in Thailand Frühstücksgeschirr mit eigenen Designs bemalen. Abnehmer dafür ist auch Loeb. «Viele Haushaltswarengeschäfte sind leider verschwunden», sagt Baumer. Grossverteiler wie die Migros gehören nicht zu seinen Kunden.

Drogerie wird zum Geschenkladen

Weniger dekorativ, sondern eher wie in einem Supermarkt sieht der Stand der Firma Classic Line aus dem schwyzerischen Immensee aus. Auf den Gestellen stapeln sich Geschenkartikel, die vorwiegend eine junge Käuferschaft ansprechen: Billigschmuck, Aschenbecher mit Hanfblatt-Motiven, Fotorahmen in Herzform und erotische Scherzartikel werden da dem Publikum präsentiert.

Rund 6000 Artikel hat das Unternehmen im Sortiment, drei Viertel davon werden in China hergestellt. Inhaber Sven Flückiger bezieht die Ware von Zwischenhändlern in Deutschland oder Frankreich. Da heute jeder alles übers Internet bestellen könne, sei das verbliebene Verkaufsargument das eigene Warenlager. «Wir haben ein breites Sortiment und können rasch liefern», sagt Flückiger, der Chef von neun Angestellten ist. Seine Kunden seien grössere Ladenketten, aber auch kleine Geschäfte in allen Landesteilen: «Viele Papeterien und Drogerien werden immer mehr zu Geschenkartikelläden.»

Er informiere sich im Ausland und im Internet über Geschenk-Trends, erzählt Flückiger. So habe er die Loom-Bands, die bei Kindern beliebten selbst geknüpften farbigen Plastikarmbänder, schon im Sortiment gehabt, als sie in der Schweiz niemand gekannt habe. Das Geschäft mit den kurzlebigen Trends sei jedoch immer auch ein Risiko, weil früher oder später ein Grossverteiler ins Geschäft einsteige – «und dann setzt der Preiszerfall ein».

Hacky-Sack ist nicht totzukriegen

Da die Auswahl an Geschenkartikeln heute riesig sei, gebe es aber keine gros­sen Trends mehr. «Es gibt sogar Artikel, die sich seit Jahren in unserem Sortiment halten», sagt Flückiger, während er an den Regalen mit verzierten Champagnergläsern und farbigen Espressotassen vorbeigeht. Der Hacky-Sack, eine Art Jonglierball für die Füsse, sei so ein Fall. Oder ein verziertes Sparschwein, ein Karabinerhaken als Schlüsselanhänger und passend zum Sternzeichen assortierte Edelsteine. Gut möglich, dass auch diese Artikel am 24. Dezember unter dem einen oder anderen Weihnachtsbaum landen.

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