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«Es ist nichts mehr da»

Auch beim Patriarchen gibt es nichts mehr zu holen: Anton Schlecker, Gründer der insolventen Drogeriekette Schlecker, hat sein ganzes Vermögen in die Firma gesteckt. Seine Tochter will um das Unternehmen kämpfen.

Schlecker hat über 30'000 Angestellte: Meike Schlecker, Tochter des Firmenpatriarchen.
Schlecker hat über 30'000 Angestellte: Meike Schlecker, Tochter des Firmenpatriarchen.
Keystone

Anders als bisher angenommen, ist bei Anton Schlecker offenbar kein Geld mehr zu holen. Der Gründer der insolventen Drogeriekette soll sein gesamtes Vermögen investiert haben. «Es ist nichts mehr da, er hat alles in das Unternehmen eingebracht», sagte seine Tochter Meike Schlecker in Ehingen. Durch die Insolvenz der Anton Schlecker e.K. (eingetragener Kaufmann), die an der Spitze der Unternehmensgruppe steht, ist laut vorläufigem Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz auch der Patriarch selbst zahlungsunfähig. Bislang hiess es noch, Schlecker besitze ein Privatvermögen von rund drei Milliarden Euro.

Lieferantenschulden in zweistelliger Millionenhöhe haben nach Unternehmensangaben zur Insolvenz der in der Schweiz nicht aktiven Drogeriekette Schlecker mit über 30'000 Angestellten geführt. Mittlerweile erhält die Kette wieder Waren von den wichtigsten Lieferanten.

Zusätzliche Geschäfte sollen schliessen

Meike Schlecker versicherte, die Familie werde zu dem Unternehmen stehen. «Wir geben uns kämpferisch», sagte sie. Mit der Einführung des neuen Konzeptes «Fit for Future» vor anderthalb Jahren sei Schlecker auf einem guten Weg gewesen. Sie gab aber freimütig zu: «Wir haben zu spät begonnen, und wir waren zu langsam, das ist traurig, aber wahr.»

Schlecker hatte ein neues Design sowie den Slogan «For You. Vor Ort» eingeführt. Zudem wurden zahlreiche unprofitable Filialen geschlossen. Das noch vor über einem Jahr etwa 8000 Läden umfassende Netz sei auf inzwischen gut 6000 Geschäfte geschrumpft, sagte Schlecker-Finanzvorstand Sami Sagur. In den nächsten Wochen sollen «einige wenige hundert» zusätzliche Geschäfte schliessen

Insolvenzverwalter Geiwitz ist vom Amtsgericht Ulm derweil zum «starken» vorläufigen Verwalter bestimmt worden. Damit hat er die gesamte Befugnis über das Vermögen von Anton Schlecker übernommen. Der Schritt sei vor allem wichtig für die Gläubiger. Als «schwacher» Insolvenzverwalter hätte Geiwitz die ausstehenden Mieten nicht bezahlen dürfen, wie er erklärte. «Das ist ein wichtiges Signal, dass sie ihre Mieten bekommen», sagte er.

Lieferanten versorgen Schlecker wieder

Die wichtigsten Lieferanten hätten inzwischen wieder ihre Arbeit aufgenommen. Die Einigung mit der Einkaufskooperation Markant sei ein wichtiger Auslöser dafür gewesen. Danach habe eine dreistellige Zahl an Lieferanten nachgezogen. Geiwitz sagte, er gehe davon aus, dass mit allen eine Einigung erzielt werden kann.

Am Montag kündigte der Konsumgüterhersteller Unilever (Axe, Langnese, Coral) an, ab Mittwoch wieder liefern zu wollen. Nach Einreichung eines Insolvenzantrags sei es ein üblicher Vorgang, dass Industriepartner die Belieferung einstellen. «Für Unilever stand zu keinem Zeitpunkt in der Diskussion, Schlecker als wichtigem Absatzkanal den Rücken zu kehren», teilte das Unternehmen mit.

Geiwitz sagt, Anton Schlecker habe ihm gegenüber geäussert, dass er das Geschäft auf die nächste Generation überleiten wolle. «Eine Familienlösung wird es nur mit Zustimmung der Gläubiger geben», sagte Geiwitz aber. Sie müssten dadurch zu einem besseren Ergebnis kommen als durch eine Regelabwicklung. Letztere könne unter anderem bedeuten, dass Unternehmensteile an Dritte veräussert werden.

«Nicht Totalzerschlagung zu haben»

Er brauche noch zwei oder drei Wochen, um sich ein genaues Bild zu machen. Denkbar sei alles. Resteaufkäufern erteilte er aber eine Absage. «Für eine Totalzerschlagung bin ich nicht zu haben, solange es sich vermeiden lässt», sagte Geiwitz.

Er verteidigte zudem das vielfach kritisierte Konzept der Drogeriekette. Es sei ein ganz anderes Konzept als das der anderen Drogerieketten. «Zum Wettbewerb fährt man, zu Schlecker geht man», sagte er. Die Konkurrenz sei auf dem Standpunkt: 'Wir haben die grossen Filialen und nur die sind die Zukunft'. «Das würde ich bezweifeln wollen», sagte Geiwitz.

Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di forderte, beim Konzept auf die mehr als 30'000 Beschäftigten zu setzen. Die Erfahrung und der Sachverstand der Beschäftigten seien nun gefragt, sagte das für den Handel zuständige Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger.

dapd/kpn

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