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«Ich bin stolz, dass wir dem Druck standhielten»

Sika-Präsident Paul Hälg über die harten Verhandlungen der letzten Monate und wie es mit der Firma nun weitergeht.

«Es gibt keine Verlierer»: Sika-Verwaltungsratspräsident Paul Hälg nimmt Stellung. (Video: SDA)

Der Sika-Streit ist zu Ende. Wie sind Sie mit der Einigung zufrieden?

Ich bin sehr glücklich mit dem Resultat. Wir haben unsere Ziele erreicht und eine perfekte Lösung gefunden. Die sinnlose Übernahme durch Saint-Gobain haben wir verhindert, und nun können wir eine moderne Aktionärsstruktur für Sika einführen.

Sika verliert nicht nur den Ankeraktionär, die Erbenfamilie Burkard, sondern auch jeglichen Übernahmeschutz, wie das Recht, Stimmrechte zu beschneiden. Sie riskieren dadurch eine feindliche Übernahme.

Es ist die Konsequenz einer modernen Aktienstruktur, dass man dem freien Markt ausgesetzt ist. Ich glaube, es ist nicht mehr als fair gegenüber dem Aktionär, dass wir allen das gleiche Stimmrecht zugestehen. Der beste Abwehrschutz ist eine faire Bewertung der Aktie. Hier sind wir gefordert.

Die Zinsen bleiben tief, viele Firmen schwimmen im Geld. Chinesische Staatsfirmen haben schon grössere Schweizer Unternehmen geschluckt – Beispiel Syngenta. Sika wäre in diesem Umfeld eine beliebte Braut.

Das sind nun am Tag der Lösung dieses Übernahmekampfs etwas gar weitgehende Spekulationen. Wir müssen hier aber auch keine Angst haben, denn wir wissen, was wir wert sind, und haben gute Argumente, mit denen wir uns wehren könnten. Wenn überhaupt jemand mit einer Offerte an uns treten würde, dann müssten wir genau prüfen, ob es im Interesse der Firma ist und ein Mehrwert entsteht. Wenn nicht, dann würden wir das ablehnen. Wie wir auf feindliche Übernahmeangebote reagieren, weiss nun der Markt.

Mit Saint-Gobain haben Sie einen neuen Grossaktionär. Er wird 10 Prozent der Stimmen haben und kann entsprechend Einfluss nehmen. Stört Sie das nicht?

Nein, überhaupt nicht. Zunächst wird immer übersehen, dass es noch 90 Prozent andere Aktionäre gibt. Dann hat sich Saint-Gobain zu ganz wesentlichen Einschränkungen verpflichtet. Sie werden nicht im Verwaltungsrat vertreten sein. Während sechs Jahren können sie ihre Beteiligung nur ganz unwesentlich erhöhen, während vier Jahren überhaupt nicht. Und sie müssen bei einem allfälligen Ausstieg ihr Aktienpaket immer zuerst uns anbieten, bevor sie mit einem Dritten sprechen. Damit ist sichergestellt, dass Saint-Gobain nicht durch die Hintertür doch nochmals einen Übernahmeversuch unternimmt. Zudem dürfen sie während sechs Jahren kein Übernahmeangebot machen.

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Was bringt das Aktienpaket Saint-Gobain überhaupt?

Saint-Gobain wird eine reine Finanzbeteiligung an Sika halten und bekommt die jährliche Dividende. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Saint-Gobain lange an der Beteiligung festhalten wird. Denn deren Aktionäre goutieren kaum, dass rund 2 Milliarden Franken als reine Finanzbeteiligung mit einer bescheidenen Rendite von 1,6 Prozent blockiert bleiben. Ich gehe davon aus, dass Saint-Gobain nach der vereinbarten Sperrfrist von zwei Jahren das Aktienpaket verkaufen wird. Zumal steuerliche Nachteile dann wegfallen.

Saint-Gobain-Chef Pierre-André de Chalendar hat betont, dass er nach der Einigung die Zusammenarbeit mit Sika vertieft. Was heisst das?

Saint-Gobain ist einer unserer wichtigsten Kunden. Sie verkaufen unsere Produkte in ihren Baumärkten. Weiter arbeiten wir im Bereich Fahrzeugbau zusammen. Wir werden schauen, wo wir die Zusammenarbeit verbessern können. Das ist ganz klar immer unter dem Vorsatz, dass beide Firmen davon profitieren. Das ist der Unterschied zum Deal, wenn uns Saint-Gobain übernommen hätte. Denn dann hätten sie vor allem Synergien genutzt, die zu ihrem Vorteil gewesen wären, während Sika das Nachsehen gehabt hätte.

2014 überraschten die Familienaktionäre der Sika die Geschäftsleitung mit ihrem Plan, ihre Aktienmehrheit an den französischen Konzern Saint-Gobain zu verkaufen.
2014 überraschten die Familienaktionäre der Sika die Geschäftsleitung mit ihrem Plan, ihre Aktienmehrheit an den französischen Konzern Saint-Gobain zu verkaufen.
Jason Alden/Bloomberg
Sika-CEO Jan Jenisch und die übrigen Aktionäre mobilisierten sich gegen den Verkauf. Bei einer GV versuchten sie eine Opting-out-Klausel aus ihren Statuten zu entfernen.
Sika-CEO Jan Jenisch und die übrigen Aktionäre mobilisierten sich gegen den Verkauf. Bei einer GV versuchten sie eine Opting-out-Klausel aus ihren Statuten zu entfernen.
Georgios Kefalas, Keystone
Die Familie Burkard wird sich aus dem Geschäft zurückziehen können.
Die Familie Burkard wird sich aus dem Geschäft zurückziehen können.
Georgios Kefalas, Keystone
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Welche Rolle hat die Familie bei der Lösungsfindung gespielt?

Wir haben nicht mit der Familie verhandelt. Sie durfte aufgrund des laufenden Vertrags mit Saint-Gobain nicht mit uns verhandeln. Die Einigung möglich gemacht hat am Schluss Saint-Gobain. Die Franzosen haben ihren laufenden Vertrag mit der Familie neu ausgehandelt. Danach war der Weg frei für eine Lösung zwischen Saint-Gobain und uns.

Also kam Saint-Gobain auf Sie zu?

Wir waren immer wieder intensiv mit der Familie in Kontakt. Leider hat sich durch die Gespräche nie etwas ergeben. Gegenüber Saint-Gobain haben wir stets Gesprächsbereitschaft signalisiert. Am Schluss hat dies gefruchtet. Geholfen hat, dass dank unseren guten Resultaten der Wert der Sika-Aktie über das Angebot von Saint-Gobain an die Familie stieg.

An der Generalversammlung vom 17. April war die Stimmung wie gewohnt feindlich. Nichts deutete auf eine Einigung hin. War das nur noch Fassade?

Nein, damals verhandelten wir noch nicht miteinander. Die Einigung war noch weit entfernt. Ich glaube, dass die Generalversammlung und die erneuten Aufrufe, endlich diesen sinnlosen Streit zu beenden, geholfen haben, sodass Gespräche möglich wurden.

Wie lange dauerte der Einigungsprozess?

Ich kann nur sagen, dass wir sehr intensive zwei Wochen hinter uns haben.

Eigentlich hätte man in diesen Tagen das Urteil des Zuger Obergerichts zur Stimmrechtsbeschwerde der Familie erwartet.

Die Familie hat alle Klagen zurückgezogen. Es wird deshalb kein Urteil des Obergerichts geben. Nachdem das Kantonsgericht uns mit einem fundiert begründeten Entscheid recht gab, waren wir auch überzeugt, dass das Urteil vor Obergericht standhalten wird.

Sie standen über drei Jahre stark unter Druck, wurden als Putschist bezeichnet, die Erbenfamilie drohte Sie einzuklagen. Wie hat Sie das getroffen?

Es war eine sehr intensive Zeit, nicht immer einfach, aber spannend und lehrreich. Von der Gegenseite wurde mit allen Mitteln versucht, uns auseinanderzubringen. Ich bin stolz, dass wir als Verwaltungsrat und auch die ganze Sika-Belegschaft dem Druck standhielten. Ich war immer überzeugt, dass wir für die richtige Sache einstehen. Als uns das Gericht in erster Instanz recht gab, nahm das auch etwas Druck von uns.

Gibt es bei Sika demnächst ein Fest?

Ja, wir werden die Einigung mit der Belegschaft gebührend feiern. Ein Datum steht aber noch nicht fest.

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