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«Es braucht den Druck der Konsumenten»

Günstigeren Schokoladenaufstrich und tiefere Preise für Waschmittel aus dem Ausland. Laut Experten dürfen sich Konsumenten für die neuesten Preissenkungen im Schweizer Detailhandel selber auf die Schulter klopfen.

Der Druck der Kunden hat offenbar zu den Preissenkungen geführt: Ein Aktionsschild in einer Migros-Filiale im Kanton Bern.
Der Druck der Kunden hat offenbar zu den Preissenkungen geführt: Ein Aktionsschild in einer Migros-Filiale im Kanton Bern.
Reuters

«Endlich ist die Diskussion dort, wo sie hingehört, zwischen Detailhändler und Hersteller», sagt Rafael Corazza, Direktor der Eidgenössischen Wettbewerbskommission (Weko) auf Anfrage der sda.

Für die Preisverhandlungen, wie Migros und Coop sie nun mit ihren Importeuren führen, sei die kritische Haltung der Konsumenten aber zentral. «Die Detailhändler müssen grade stehen, für das, was sie tun. Das Kerngeschäft eines Detailhändlers ist es, optimal einzukaufen. Doch es braucht hierfür den Druck der Konsumenten», sagt Corazza.

Verbilligung von vier Prozent

Will heissen: Ohne laute Forderungen nach tieferen Preisen für Produkte aus dem Euroraum und ohne Taten wie Einkaufsfahrten ins benachbarte Ausland hätten sich die Preise kaum bewegt.

Migros-Sprecherin Monika Glisenti widerspricht. «Unsere Einkäufer kaufen nicht zum Tageskurs ein.» Momentan werde zum Beispiel mit einem Kurs von 1.27 Franken gerechnet. Darum wirken sich Wechselkursgewinne verzögert aus, innerhalb der letzten Wochen habe sich die Situation nun akzentuiert.

Zudem seien seit Beginn dieses Jahres bei über 4000 Produkten die Preise gesenkt worden. Über das gesamte Sortiment ergebe sich eine Verbilligung von vier Prozent. Das entspricht über 300 Millionen Franken.

Äpfel und Birnen

Angesprochen auf die Margen, die in der Schweiz offenbar Spielraum für ständige Senkungen zulassen, greifen Migros- wie auch Coop-Vertreter zur Metapher von den schwer vergleichbaren Äpfeln und Birnen.

Glisenti verweist auf andere Kostenstrukturen. So müssen Produkte für die Schweiz beispielsweise anders verpackt oder in verschiedenen Landessprachen beschriftet werden. Das Sortiment ist grösser, frischer, verfügbarer, auf vergleichbaren Ladenflächen arbeitet mehr Personal zu höheren Löhnen.

Auch Coop-Sprecherin Sabine Vulic nennt solche Unterschiede. «Die Bruttomarge ist als Kennzahl nicht tauglich», sagt sie. Coop gebe die Währungsgewinne im Betrag eins zu eins weiter.

Währungsvorteile bleiben hängen

Das Bild des wohlwollenden Detailhändlers wollen Lieferanten hingegen nicht stehen lassen. Anastasia Li-Treyer, Direktorin von Promarca, dem Schweizerischen Markenartikelverband, sagt zu den jüngsten Massnahmen von Migros und Coop: «Die Detailhändler versuchen momentan alles, um ihre Lieferanten öffentlich unter Druck zu setzen. Dabei wissen wir, dass die grosse Mehrzahl unserer 100 Verbandsmitglieder Währungsgewinne weitergibt - was ganz im Sinne von Promarca ist. Deshalb liegt die Vermutung nahe, dass die Währungsvorteile bei den Händlern hängenbleiben.»

Auch von eigennützigen PR-Aktionen der orangen Riesen war in der Presse bereits die Rede. Das wäre gemäss Weko-Direktor Corazza hingegen ein Eigentor. Konsumenten seien nun preissensibler geworden.

Erster wichtiger Schritt

Diese Sensibilisierung scheint dem Markenartikelverband Recht zu sein. Promarca fordert Transparenz. Von unabhängiger Seite soll untersucht werde, warum Währungsdifferenzen und andersweitig gewährte Preisnachlässe der Lieferanten nicht weitergegeben würden.

Forderungen an die Politik haben derweil auch die Konsumentenvertreter. Die Stiftung für Konsumentenschutz SKS, die die neuesten Preissenkungen auf ihr Konto verbucht, bezeichnet das Verhalten der Detailhändler als ersten wichtigen Schritt.

«Wir fordern nun aber ein koordiniertes, kohärentes Vorgehen der ganzen Handelskette mit starker Unterstützung der Wettbewerbsbehörden», sagt Prisca Birrer-Heimo, Präsidentin der SKS.

(SDA)

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