Er kam fürs Militär – und blieb für die Haushaltsgeräte

Vor 50 Jahren kam «Dipl. Ing.» Walter Fust aus dem Toggenburg nach Bern und eröffnete am Eigerplatz seinen ersten Laden – der Grundstein für das Fust-Imperium.

Walter Fust wird im Juli 75-jährig. Bild: zvg

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Es ist gar nicht so schwierig, ein erfolgreicher Unternehmer zu werden. Diesen Eindruck erhält, wer Walter Fust zuhört. Bereits als Maschinenbau-Student an der ETH in Zürich betrieb Fust einen kleinen Versandhandel für Haushaltsgeräte.

Die Margen waren so gut, dass er mit einem halben Tag Arbeit pro Woche das Einkommen eines Arbeiters erzielt habe, wie Fust am Dienstag an einem Anlass der Volkswirtschaftlichen Gesellschaft des Kantons Bern in Biel sagte.

Nach dem Studium wollte Fust im Haushaltsgerätegeschäft seines Vaters im Toggenburg einsteigen und mit dem Geschäft expandieren. Doch der Vater lehnte ab. Also nahm Walter Fust die 15'000 Franken, die er mit dem Versandhandel verdient hatte, und machte sich auf nach Bern.

Weshalb Bern? «Ich hatte in Thun und Bern meinen Militärdienst geleistet und habe so die Gelegenheit gehabt, den lokalen Haushaltsgerätemarkt zu studieren», erzählt Fust.

Die Suche nach einem Ladenlokal sei schwierig gewesen, schliesslich wurde Fust im Hochhaus am Eigerplatz fündig: Der 25-Jährige mietete einen 48 Quadratmeter grossen Raum und stellte zwei Mitarbeiter ein.

Im November 1966 eröffnete so der erste Fust. Bereits der erste Monatsumsatz war eine erfreuliche Überraschung: 50'000 Franken, davon 10 Prozent Reingewinn. «Ein guter Monatslohn», sagt Fust stolz.

Auch das bald folgende Januarloch war für Fust alles andere als ein Loch. Der erste Jahresumsatz betrug bereits 3  Millionen Franken (was heute knapp 10 Millionen Franken entspricht), der Reingewinn 145'000 Franken (heute fast eine halbe Million Franken).

Fust entschied sich, sein Ladenkonzept zu vervielfachen und eröffnete in Olten den ersten Fust-Ableger. Nach drei Jahren bot ihm sein Vater an, dessen Haushaltsgeräte-Unternehmen zu kaufen. Er willigte ein und wuchs rasant weiter. Die Umsätze stiegen Jahr für Jahr – 1993 erreichten sie fast 300 Millionen Franken.

Dauerwerbung und Kompetenz

Weshalb hatte Fust einen solchen Erfolg? Mit seinen Haushaltsgeräte-Läden traf er den Nerv der Zeit. Wie auch bei den Lebensmitteln war die Zeit der grossen Ketten angebrochen. Fust setzte auf «Filialisierung» und auf grosse Einkaufsvolumen, dazu auf «permanente Werbung» und gleichzeitig auf fachkompetente Beratung (deshalb die Betonung seines ETH-Titels Dipl. Ing.).

Weiter setzte Fust auf gute Standorte, welche er vorzugsweise kaufte oder gleich selbst baute, und auf «nicht zu knapp» bemessene Renditeziele. Zudem habe er praktisch nie mit Bankkrediten gearbeitet, sondern die Expansion immer mit den eigenen Gewinnen finanziert.

1987 ging Fust mit seinem Unternehmen an die Börse. 1994 habe er sich nach den Jahre der Arbeit «ausgebrannt» gefühlt, und so verkaufte er die Stimmenmehrheit von Fust an Jelmoli, blieb aber Fust-Chef. Weil Jelmoli ihn zur Hälfte mit eigenen Aktien bezahlte, wurde er Grossaktionär von Jelmoli.

Der Gedanke hinter dem Verkauf: Fust soll die defizitäre Heimelektroniksparte von Jelmoli ersetzen und so neue Standorte erschliessen. Doch die Jelmoli-Besitzerin UTC geriet selbst bald in finanzielle Schwierigkeiten.

Um zu verhindern, dass Jelmoli (und damit Fust) in falsche Hände gelangen, kaufte Walter Fust gleich die ganze Jelmoli-Gruppe mit ihren mehr als 40 Warenhäusern. «Einige Tage später habe ich die 270 Millionen Franken dafür in Cash bezahlt.»

Erst 1998 gab Walter Fust den Chefposten bei Fust ab. Als Verwaltungsratspräsident von Jelmoli verhandelte er mit Migros, Coop und Maus Frères (Manor) über einen Verkauf. Doch schliesslich holt er den Privatinvestor Georg von Opel, einen Erben der Autodynastie, ins Boot.

Trotz anderslautenden Beteuerungen verkauft er Fust 2007 an Coop. «Ich konnte nichts mehr dazu sagen, aber der Preis war gut», sagt Fust.

Nach wie vor ein aktiver Investor

Obwohl nicht mehr sein Unternehmen, nennt er freudig die jüngsten Eckzahlen von Dipl. Ing. Fust: 2000 Mitarbeitende, erstmals über eine Milliarde Franken Umsatz und ein Gewinn, den er nicht nennen dürfe – dieser falle aber nach wie vor «nicht zu knapp» aus. Im Juli wird Fust 75 Jahre alt.

Aktiv bleibt er trotzdem: Bei den Schweizer Maschinenherstellern Starrag und Tornos ist er Grossaktionär und Verwaltungsrat, zudem verwaltet er sein auf 650 Millionen Franken geschätztes Vermögen selbst. (Der Bund)

Erstellt: 13.04.2016, 08:26 Uhr

Tornos-Grossaktionär Fust

Faszination Werkzeugmaschinen

Bereits als Gymnasiast war Walter Fust fasziniert von Werkzeugmaschinen. Seit 1988 sitzt er im Verwaltungsrat des Ostschweizer Maschinenbauers Starrag, seit 2014 ist er auch Verwaltungsrat von Tornos im bernjurassischen Moutier. Das Unternehmen geriet spätestens während der Finanzkrise in Schieflage. «Wenn ich mich da oben (im Jura) engagiere, dann nicht, um Geld zu verdienen», sagt Fust, der sonst nicht als Mäzen bekannt ist.
«Wir müssen so eine Firma doch in der Schweiz behalten.» Fust hält heute 43 Prozent am Werkzeugmaschinenbauer. Die Manager und Grossaktionäre der letzten 25 Jahre seien für die Probleme von Tornos verantwortlich. So sei etwa der Kundendienst an Dritte ausgelagert worden – laut Fust ein grosser Fehler, der viel Umsatz gekostet habe.

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