Ein Restaurant, zwei Internetseiten

Kundenvermittler wie Eat.ch und Foodarena.ch kopieren die Websites ihrer Partner-Restaurants, um zusätzliche Provisionen zu erhalten.

Kundenvermittler wie Foodarena.ch kopieren die Websites ihrer Partner-Restaurants, um zusätzliche Provisionen zu erhalten.

Kundenvermittler wie Foodarena.ch kopieren die Websites ihrer Partner-Restaurants, um zusätzliche Provisionen zu erhalten.

(Bild: zvg)

Mischa Stünzi

Die beiden Websites heissen ganz ähnlich: die eine www.tavolacalda.ch, die andere www.pizzeria-tavola-calda.ch. Beide verweisen auf das kleine italienische Restaurant am Berner Breitenrainplatz. Und auf beiden können Pizzas nach Hause geordert werden. Doch es gibt zwei wesentliche Unterschiede: Auf einer ist weder E-Mail-Adresse noch Telefonnummer zu finden. Denn, und das ist der zweite Unterschied, nur eine Website wird tatsächlich vom Restaurant selber betrieben. Die andere gehört dem Portal Eat.ch – darauf verweist dezent am unteren Rand der Website ein entsprechendes Logo.

Dienstleister wie Eat.ch und Foodarena.ch vermitteln Bestellungen an Lieferdienste. Dafür werden sie vom Restaurant entschädigt. Bei Eat.ch beträgt die Provision laut Länderchef Dominic Millioud 11 Prozent des vermittelten Umsatzes. Die Pizzeria Tavola Calda ist kein Einzelfall. Allein in Bern gibt es mindestens eine Handvoll Restaurants, die in der digitalen Welt gleich doppelt vertreten sind. Und auch in anderen Landesteilen lassen sich zahlreiche ähnliche Beispiele finden. Besonders perfide sind diese Mimikry-Websites, weil sie bei den Suchergebnissen häufig prominenter angezeigt werden als das Original, da die Betreiber bei Google für eine Top-Platzierung bezahlen.

Wer nicht will, muss nicht

Warum machen Anbieter wie Eat.ch und Foodarena.ch das? Die Antwort ist einfach: um noch mehr Essensbestellungen vermitteln zu können. Verbunden damit ist offenbar die Hoffnung, dass der unbedarfte Hungrige beim Surfen nicht auf der Original-, sondern auf der kopierten Website landet und mit seiner Bestellung die Kasse beim Vermittler klingeln lässt.

Millioud von Eat.ch verweist darauf, dass auch die Restaurants von der zusätzlichen Online-Präsenz profitierten. Viele Partner-Restaurants hätten zudem keine eigene Website. Es sei aber keine Vertragsbedingung, einer solchen von Eat.ch erstellten Website zuzustimmen, sagt Millioud. «Ein Partner, der diese Unterstützung nicht wünscht, erhält sie auch nicht.» Wie gross der Umsatzanteil ist, der über solche Websites generiert wird, will Eat.ch nicht sagen.

Ärger in Deutschland

In Deutschland hat der Fall einer kopierten Website in Fachkreisen für Furore gesorgt: Hüseyin Fidan, Inhaber von Casas Pizza aus Siegen, hat eines Tages festgestellt, dass er immer weniger Bestellungen direkt über seine Website erhält. Dafür hätten die Kundenaufträge über Dienstleiter wie Lieferheld und Lieferando zugenommen, sagte Fidan der «Westfalenpost». Im Internet sei er dann auf zwei Kopien seiner Website gestossen: die eine betrieben von Lieferheld, die andere von Lieferando. Als er die Vermittler aufforderte, diese zu löschen, habe Lieferando zunächst schriftlich nach Beweisen verlangt, dafür, dass Fidan die Namensrechte an Casas Pizza besitze. Mittlerweile sind die nachgeahmten Websites offline. Es habe sich um ein Missverständnis gehandelt, sagte eine Lieferando-Sprecherin.

Von den kontaktierten Schweizer Restaurants wollte sich keines zu den kopierten Websites äussern.

Der Bund

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