Ein Amerikaner und ein Schweizer stehen in der Poleposition

Tom Naratil und Axel Lehmann haben Chancen, dereinst Sergio Ermotti auf dem Chefsessel zu beerben.

Der «Herr der Zahlen» übernimmt nun in der US-Vermögensverwaltung oberste Verantwortung: Tom Naratil (rechts) mit seinem Chef Sergio Ermotti.

Der «Herr der Zahlen» übernimmt nun in der US-Vermögensverwaltung oberste Verantwortung: Tom Naratil (rechts) mit seinem Chef Sergio Ermotti.

(Bild: Reuters Michael Buholzer)

UBS-Chef Sergio Ermotti (55) baut seine Konzernleitung um. Nicht weniger als neun Spitzenleute der Grossbank sind betroffen. Drei altgediente Mitglieder verlassen das oberste operative Gremium, fünf neue kommen hinzu, darunter die globale Personalchefin Sabine Keller-Busse. Mit ihr und der neuen Asienchefin ziehen erstmals Frauen in die operative Spitze der UBS.

Die wichtigste Personalie ist aber eine andere. Jene von Tom Naratil, dem Amerikaner, der seit 2011 die Finanzen verantwortet und seit zwei Jahren zusätzlich die Prozesse und Abläufe lenkt. Naratil übernimmt die Leitung der Vermögensverwaltung von ganz Amerika. Für den Familienvater und Zahlenmenschen ist dies ein Aufstieg. Sein Nachfolger als ­Finanzchef wird Kirt Gardner aus dem Bereich Wealth Management.

Wächter über weltweite Abläufe

Neben Naratils Wechsel sticht vor allem die Berufung von Ex-Zurich-Topmann Axel Lehmann ins Auge. Lehmann war bisher im Verwaltungsrat der UBS, ab Januar kümmert er sich als Chief Operating Officer und Mitglied des operativen Spitzengremiums um die weltweiten Abläufe. Lehmann leitete bei der Zurich-Versicherung bis vor kurzem das Amerika- und Europageschäft, zudem war der Schweizer dort der oberste Risikoüberwacher.

Auch er hofft auf den Spitzenjob in der grössten Schweizer Bank: Axel Lehmann. Foto: Keystone

Lehmann galt bei der Zurich 2009 als Kandidat für die Stelle als CEO. Das Rennen machte dann aber Martin Senn, der nun den Konzern auf Kurs bringen muss. Für Lehmann könnte sich mit seiner Berufung in die UBS-Führung eine zweite Chance auf den operativen Spitzenjob bei einem Schweizer Finanzmulti ergeben. Allerdings ist Lehmann mit 56 Jahren dafür fast schon zu alt.

Der Herr der Zahlen

Auch Naratil ist nicht mehr der Jüngste. In einem Monat wird der Amerikaner 54. Doch mit seinem Wechsel an die Spitze der US-Vermögensverwaltung bringt er sich in die Favoritenrolle für den Moment, wenn Ermotti in drei bis fünf Jahren als Steuermann bei der UBS abgelöst werden könnte.

Naratil kann nun nämlich einerseits sein Profil abrunden. Als Herr der Zahlen und des weltweiten Backoffice war er im Hintergrund tätig. Nun übernimmt der Ex-Banker von Paine Webber – die UBS hatte die US-Bank vor 15 Jahren für rund 20 Milliarden Franken erworben – zum ersten Mal oberste Verantwortung. Dabei kann er auf den Vorleistungen von Robert McCann bauen, der die US-Vermögensverwaltung seit der Krise der Bank auf Vordermann gebracht hat. Er hat alle seine versprochenen Ziele erreicht. Wealth Management Americas überschritt die Grenze von einer Milliarde Dollar Vorsteuergewinn und eine Billion Dollar verwalteten Assets.

Naratils Herausforderung

Das US-Geschäft bleibt eine Herausforderung. Das hängt mit den amerikanischen Vermögensberatern zusammen. Diese haben ein anderes Verständnis von ihrer Aufgabe und zu ihrem Arbeitgeber, als wir es in Europa kennen. Sie sehen sich als eigenständige Unternehmer, die mit ihren Kunden jene Bank aussuchen, die ihnen am meisten zahlt. Man spricht vom Broker-Modell. Als sich in den letzten Wochen in Übersee herumgesprochen hatte, dass die Credit Suisse ihr amerikanisches Private Banking abstossen würde, wechselten viele Teams und Einzelberater zur Konkurrenz; und zwar noch bevor ein Deal mit der Käuferin Wells Fargo zustande gekommen war.

Das Private Banking der UBS in Amerika erzielte im 3. Quartal ein Kosten-Ertrags-Verhältnis von 86 Prozent. Es blieben somit pro eingenommenen Dollar 14 Cent Gewinn. Das ist zwar deutlich mehr als früher, aber immer noch weit weniger, als die UBS in ihren übrigen Regionen verdient.

Für den neuen Chef Tom Naratil geht es daher darum, neben dem Ausbau die Kosten noch stärker zu trimmen. Das ist seine Spezialität, denn er hat in den letzten Jahren die Kostenprogramme der gesamten Bank massgeblich geprägt. Sollte dem Amerikaner das Kunststück gelingen, den Gewinn der US-Vermögensverwaltung weiter zu steigern, als dies sein Vorgänger bereits getan hat, dann käme bei der Ermotti-Nachfolge niemand leicht an ihm vorbei.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt