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Durchbruch für die marode Alitalia

Die Airline ist offenbar in letzter Minute gerettet worden.

Späte Rettung: Alitalia hebt auch in Zukunft ab.
Späte Rettung: Alitalia hebt auch in Zukunft ab.
Keystone

Es war ein atemberaubender Wettlauf gegen die Zeit. Ehe die italienische Flugaufsichtsbehörde Enac ihre Drohung wahrmachen konnte, der vor dem Bankrott stehenden Alitalia die Betriebserlaubnis zu entziehen, kamen die Dinge doch noch einmal in Bewegung – vor allem, weil die Regierung von Silvio Berlusconi nichts unversucht liess, um die Sozialpartner zu einem Einlenken zu bewegen. Am Donnerstag trafen die Gewerkschaften erneut mit Berlusconis rechter Hand, Gianni Letta, zusammen, und wenige Stunden später wurde der Durchbruch vermeldet.

Vier weitere Gewerkschaften, die die Belegschaft vertreten, erklärten sich bereit, den Vertrag mit dem Konsortium aus mittlerweile 18 Unternehmen zu unterzeichnen, darunter auch die mächtige CGIL. Nur die Piloten und das Kabinenpersonal, an deren Widerstand nicht zuletzt das Abkommen gescheitert war, wollen heute weiter verhandeln, hatten in den vergangenen Tagen aber zu erkennen gegeben, dass ihr Nein nicht mehr ganz so kategorisch sei. Und so versicherte auch die Flugaufsicht, dass ein Entzug der Lizenz vorerst nicht zu befürchten sei.

Vorausgegangen waren ungezählte nächtliche Krisengespräche und Telefonate, nachdem die Compagnia Aerea Italiana (CAI) vor einer Woche ihr Angebot zurückgezogen hatte. Damit schien die Airline, die seit Jahren hochgradig defizitär ist und jeden Tag zwei Millionen Euro Verluste einfliegt, vor dem endgültigen Aus zu stehen.

Nach dem Einlenken der Gewerkschaften signalisierte auch die Unternehmerseite unter dem Piaggio-Industriellen Roberto Colaninno Entgegenkommen bis zum 15. Oktober. Der so genannte Rettungsplan Phönix, den die Mailänder Bank Intesa Sanpaolo ausgearbeitet hat, sieht vor, die Alitalia in zwei Teile aufzuspalten. Die völlig unrentablen Teile wie Cargo und Wartung wurden bereits unter staatliche Konkursverwaltung gestellt.

Die rentablen Teile, also die Strecken und die Flotte, sollen gemeinsam mit der privaten Fluglinie Air One in eine neue Gesellschaft überführt werden, in die das Unternehmerkonsortium vorläufig eine Milliarde Euro pumpen will.

Bis Mitte Oktober, so versprach der Konkursverwalter Augusto Fantozzi, werde die neue Alitalia gegründet sein. Er hatte in dieser Woche per Zeitungsannonce nach Käufern gesucht und forderte die Italiener auf, mehr Tickets bei der Alitalia zu kaufen.

Auf deren Belegschaft, gegenwärtig fast 20’000 Personen, kommen schmerzhafte Einschnitte zu. Flotte und Personal sollen verkleinert werden, und mindestens 3200 Angestellte werden wohl ihren Job verlieren. Dagegen sowie gegen einen Einheitsarbeitsvertrag für alle hatten sich die Gewerkschaften bis zuletzt gesperrt. Der sieht nicht nur Lohnkürzungen, sondern auch längere Arbeitszeiten und den Wegfall einer ganzen Reihe von Privilegien vor, allerdings gab die CAI nun auch in verschiedenen Punkten noch einmal nach.

Air France-KLM bleibt eine Option

Wie am Donnerstag auch bekannt wurde, ist die Air France-KLM offenbar immer noch am italienischen Markt interessiert und bereit, 10 bis 20 Prozent an der neuen Alitalia zu übernehmen. Der Verkauf an die Franzosen war im Frühjahr ebenfalls am Widerstand der Gewerkschaften gescheitert.

Eine starke Allianz mit einer europäischen Fluggesellschaft gilt als unabdingbar für das Überleben der Alitalia, die allein nicht überlebensfähig ist. Sollte die Air France nun doch noch in den italienischen Markt einsteigen, vermuten Experten, dass sie in einigen Jahren, wenn die Alitalia saniert ist, eine Mehrheit der Anteile übernehmen wird.

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