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Droht jetzt Massenarbeitslosigkeit? Die Krise erreicht den Job-Markt

Die Krise erfasst die Realwirtschaft, in den Nachbarländern verschlechtert sich bereits der Arbeitsmarkt, massenhaft gibt es Kurzarbeit. Und in der Schweiz? Da besteht noch Grund zur Hoffnung.

Die Meldungen erinnern an die Epoche des Erdölschocks, doch sie sind von heute: BMW schliesst seine Werke vier Tage lang, Bosch schickt die Angestellten nach Hause, Daimler verordnet 150'000 Mitarbeitern fünf Wochen Ferien. Betrieb geschlossen wegen grosser Flaute.

Seit gut zwei Wochen zeigt eine Hiobsbotschaft nach der anderen, wie die Finanzkrise auf die Realwirtschaft übergreift und auch neue Arbeitslosigkeit schafft. Dabei gibt es allerdings eine Insel der Seligen – so scheint es wenigstens: Anders als die USA und die grossen europäischen Industriestaaten signalisiert die Schweiz, dass es bei den Jobs fast so gemütlich weitergeht wie bisher. Das Wirtschafts-Staatssekretariat Seco erwartet für 2009 einen ganz sachten Anstieg der Arbeitslosigkeit auf 2,7 Prozent; die ETH-Konjunkturforschungsstelle rechnet mit 2,8 Prozent – genauso wie Bak Basel Economics. Macht knapp 110'000 Arbeitslose im kommenden Jahr.

Die Lage kann sich rasch verschärfen

Kann das sein? Ja und nein. Die erwähnten Prognosen basieren auf Daten, in denen der ganze Finanzmarkt-Einbruch seit dem Kollaps von Lehman Brothers nicht eingebaut war. Das «Prognoserisiko ist sehr hoch», sagt denn auch Alexis Körber, Ökonom bei Bak Basel Economics: «Es hängt sehr davon ab, wie schnell sich die Lage an den Finanzmärkten jetzt normalisiert.» Auch die Kof-Analytiker gingen, als sie ihre Prognosen erarbeiteten, eher von einer Beruhigung der Finanzmärkte aus – und nicht von diesen Turbulenzen.

Kein Wunder, dass bereits schlechtere Zahlen herumgeistern. Jan Poser, Chefökonom der Bank Sarasin, schon bald ein Arbeitslosen-Niveau wie 2003, also rund 160'000 registrierte Arbeitslose; das sagte er in der «SonntagsZeitung». Daniel Lampart, der Ökonom des Gewerkschaftsbundes SGB, rechnet ebenfalls damit, dass sich die Arbeitslosen-Zahlen am Ende deutlicher hochschrauben werden als heute prognostiziert. «Es ist derzeit schwierig, die konkrete Entwicklung abzuschätzen», sagt auch der Chefökonom von Economiesuisse, Rudolf Minsch: «Wir haben im Ausland gesehen, mit welcher Geschwindigkeit sich die konjunkturelle Lage verschärfen kann.»

Die Signale sind eben auch zwiespältig. Einerseits macht der schwache Euro den Schweizer Exportfirmen das Leben schwer, und bei den wichtigsten Kundenländern sind längst dunkle Wolken aufgezogen. Die USA, Grossbritannien, Deutschland oder Frankreich schlittern in eine Rezession, wenn sie nicht schon drin sind, und Europa ist der dominante Partner der Schweiz. «Da entsteht ein Problem», so Economiesuisse-Experte Minsch.

Selbst bei Banken keine Massenentlassungen

Andererseits scheint die Schweizer Wirtschaft doch nicht so schlecht aufgestellt: Sie ist enorm vielfältig – kriselnde Grossbanken neben brummenden Pharmakonzernen, dynamische KMUs neben Grossanlagen-Konzernen, die den globalen Konjunkturabschwung hautnah spüren. Bei einzelnen Branchen, etwa der Textilmaschinenindustrie oder den Autozulieferern, ist der Einbruch bereits feststellbar. Allerdings haben selbst die Banken noch keine argen Hiobsbotschaften auf den Arbeitsmarkt gesandt und noch keine Massenentlassungen in der Schweiz verkündet.

Da hilft es mit, dass der Auftragsbestand in vielen Branchen und Firmen immer noch recht hoch ist. Und es gibt einen weiteren Puffer im Arbeitsmarkt Schweiz: die Zuwanderung. In den letzten drei Jahren sorgte die massive Zuwanderung hochqualifizierter Arbeitskräfte aus dem EU-Raum für einen kräftigen Schub bei der Beschäftigung. Sie hatte - neben anderen Faktoren - aber auch den Nebeneffekt, dass die Arbeitslosenquote trotz guter Wachstumsraten recht hoch blieb. Heute liegt die Arbeitslosigkeit mit 2.6 Prozent weitaus höher als zu Beginn der letzten Krisenphase – darauf verweist Gewerkschaftsökonom Lampert: Denn damals, im Jahr 2000, lag die Rate bei nur 1.8 Prozent.

Was zu zwei Schlussfolgerungen führt: Die Schweiz steuert mit bereits recht hoher Arbeitslosenquote in den Abschwung. Und der Strom der Zuwanderung wird nächstes Jahr wohl versickern.

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