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Drastischer Gewinneinbruch bei Orell Füssli

Der Gewinn der Buchhandelsgruppe ist 2011 um mehr als neunzig Prozent zurückgegangen. Schuld sind unter anderem die Verzögerungen beim Druck der neuen Schweizer Banknoten.

Erwartungen nicht erfüllt: Schild vor einer Orell-Füssli-Filiale in Zürich. (Archivbild)
Erwartungen nicht erfüllt: Schild vor einer Orell-Füssli-Filiale in Zürich. (Archivbild)
Keystone

Orell Füssli hat 2011 noch rund 200'000 Franken Gewinn geschrieben. Die traditionsreiche Zürcher Banknotendruck- und Buchhandelsgruppe muss damit einen drastischen Gewinneinbruch hinnehmen: Im Vorjahr hatten noch 9,5 Millionen Franken herausgeschaut. Gemäss den definitiven Zahlen erzielte die Gruppe einen Umsatz von 287,8 Millionen Franken. Dies entspricht einem Rückgang von 9,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, ist aber auch etwas weniger als Anfang Februar provisorisch bekannt gegeben. Damals hatte der Konzern mit einem Umsatz von 289 Millionen Franken gerechnet.

Der Betriebsgewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) lag mit 2,4 Millionen Franken leicht über den Februar-Zahlen, aber ebenfalls deutlich tiefer als im Vorjahr: 2010 waren noch 13,2 Millionen Franken erzielt worden. Auf dem Ebit lasten Rückstellungen, wie die Gruppe weiter bekannt gab. 6,8 Millionen Franken wurden für den Buchhandel und für die Tochtergesellschaft Atlantic Zeiser, die industrielle Systeme beispielsweise zur Numerierung und Kodierung von Dokumenten oder Banknoten anbietet, beiseite gestellt.

Verzögerte Banknotenproduktion

Von den einzelnen Geschäftsbereichen lieferte nur der Sicherheitsdruck Ertrag. Der Ebit der Sparte, die Banknoten herstellt, sank vergleichsweise moderat von 13,1 auf 11,3 Millionen Franken, was aber auch mit der starken einheimischen Währung zu tun hatte. Zudem konnte Orell Füssli die neue Schweizer Notenserie wegen Problemen bei Lieferanten nach wie vor nicht herstellen.

Die anderen Teile des Gemischtwarenladens Orell Füssli kämpften mit Problemen. Die ursprünglich deutsche Tochter Atlantic Zeiser verbuchte trotz Umsatzsteigerung einen Betriebsverlust von 1,5 Millionen Euro, nachdem im Vorjahr noch rund 200'000 Euro erzielt worden waren. Höhere Kosten für Personal und Marketing seien der Grund, hiess es.

Atlantic Zeiser müsse kulturell vom Verkaufs- zum Marketing- Gedanken finden, sagte Verwaltungsratspräsident Klaus Oesch vor den Medien in Zürich. Mit der Besetzung von bisher vakanten Führungspositionen, darunter jener des Spartenleiters per Anfang Mai, soll die Tochter wieder zur Ertragsstärke finden.

Buchhandel kämpft

Analysten der Bank Vontobel glauben wie die Orell-Füssli-Führung, dass Atlantic Zeiser noch 2012 ein Turnaround gelingt. Düsterer sehen sie allerdings die Zukunft des Buchhandels, wo abnehmende Verkäufe weiterhin das Geschehen prägen dürften.

Die Sparte brachte 2011 einen Betriebsverlust von 3,5 Millionen Franken ein. Dabei habe Orell Füssli der Preiszerfall auf dem Buchmarkt stärker zugesetzt als der Absatzrückgang von 1 bis 2 Prozent, sagte Unternehmenschef Michel Kunz. Die Buchläden bekämen die Konkurrenz aus dem Internet mit längst etablierten, mächtigen Marktteilnehmern wie Google, Amazon und Apple immer stärker zu spüren.

Auch steigende Mieten bei dahinschmelzenden Margen beschäftigen den Buchhandel. So will Orell Füssli die Filiale im zu schwach frequentierten Berner Einkaufszentrum Westside verkleinern oder gar schliessen. Orell Füssli hat in der Deutschschweiz aktuell 14 Buchläden. 2011 gab es zwei Neueröffnungen, vier Läden schlossen.

Aktionäre erhalten Dividende

Das Traditionshaus richtet den Aktionären trotz des Mini-Gewinns eine Dividende von 2 Fr. pro Titel aus. Dies entspreche an sich nicht der mehrfach deklarierten Dividendenpolitik des Hauses, sagte Verwaltungsratspräsident Oesch: «Die Dividende ist nicht 'verdient', aber sie soll Zuversicht ausdrücken.»

Die starke Bilanz mit einer Eigenkapitalquote von 66,6 Prozent erlaube die Ausschüttung, sagte Oesch, der dieses Jahr zurücktritt und durch Heinrich Fischer ersetzt werden soll.

SDA/fko

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